Digitalisierung/Baukongress 2020

ÖBV-Merkmalservice auch für BIM-Neulinge

Am Baukongress 2020 wird Peter Spreitzer (Acht. Ziviltechniker GmbH) in seinem Vortrag aufzeigen, dass eine automatisierte Weiterverarbeitbarkeit von Merkmalen im jeweils anderen Unternehmen, ohne dass eine Firma ihre interne Arbeitsweise dem Projekt/Auftraggeber/nationalen Bezeichnungen anpassen muss, möglich ist.

ÖBV Digitalisierung BIM Baukongress 2020

Im Sommer 2019 startete die ÖBV eines ihrer bisher ambitioniertesten Projekte. Das Ziel: den gordischen Knoten rund um den österreichischen Merkmalserver zu lösen und somit eine gemeinsame Attributsplattform für alle am Bau Beteiligten zu schaffen – von den Auftraggebern bis hin zur Bauindustrie. Das Büro Acht. erstellte und testete in Zusammenarbeit mit der TU Wien einen Prototyp, welcher nun als Grundlage für ein weiterführendes FFG-Branchenforschungsprojekt dient.

Nach einer grundlegenden Untersuchung von Arbeitsweisen in Bezug auf BIM, sowie nach der Evaluierung von Anforderungen wesentlicher Baubeteiligter (öffentliche Auftraggeber, Baufirmen, Planungsbüros) wurde auf Basis eines durch den ÖBV-Vorstand freigegebenen Konzeptes ein konkreter Prototyp (als Proof-of-Concept) entwickelt.

Abgleich von Firmenstandards

Im Sinne eines kontrollierten Datenaustausches und damit jedes Unternehmen das BIM-Modell mit seinen eigenen Standards sieht, ist es ein Abgleich der Firmenstandards notwendig. Die Weboberfläche ermöglicht den Abgleich von jeweils zwei Parametern bzw. Werten.

Übersetzung von Modellen

In der Weboberfläche werden lediglich Definitionen von Eigenschaften abgespeichert. Es wurde eine Desktopapplikation entwickelt, um die Übersetzung von Standards zu ermöglichen. Diese kann auf die abgeglichenen Firmenstandards zugreifen, und die Parameter der BIM-Modelle im IFC Format zwischen den Standards übersetzen. Sollte ein Parameter kein Pendant im anderen Standard haben, bliebe dieser unverändert.

Die durch den Prototyp veranschaulichte Vorgehensweise ermöglicht die automatisierte Weiterverarbeitbarkeit von Eigenschaften (Merkmalen) und Parametern im jeweils anderen Unternehmen, ohne dass eine Firma ihre interne Arbeitsweise dem Projekt/Auftraggeber/ nationalen Bezeichnungen anpassen muss. Somit ist kein Marktteilnehmer in seiner BIM-Entwicklung von anderen abhängig. Eine dokumentierte Zusammenarbeit in den Projekten ist Voraussetzung für eine schrittweise Normierung von benötigten Attributen. Weiters ist eine automatisierte Prüfung der Parameter einfacher möglich, da sich die Prüfregeln meist auf deren Bezeichnungen beziehen.  Außerdem können sich BIM-Neulinge an etablierten Unternehmen bzw. Auftraggebern orientieren. Es gibt keine Kompetenzstreitigkeiten durch klare Selbstverantwortung der Unternehmen. Langfristig wird sich der am besten „vernetzte“ bzw. dokumentierte Standards(-Mix) durchsetzen. Die präsentierte Lösung ist von keinen Gremien abhängig. Die umfassende rasche Einsetzbarkeit wird höher priorisiert als eine Normierung der Bezeichnungen, die zu einem späteren Zeitpunkt während des Betriebes des Merkmalservices einfließt.

Der Prototyp des Merkmalservices konnte die gesetzten Anforderungen erfüllen und den ÖBV-Vorstand davon überzeugen, dies in größerem Umfang im Rahmen eines weiteren FFG-Branchenforschungsprojektes weiterzuführen, damit möglichst bald das ÖBV Merkmalservice marktreif umgesetzt und in der Praxis angewendet werden kann.

Erste Zwischenberichte zum FFG-Branchenforschungsprojet wird es für alle Interessierten bei der ÖBV Anfang 2021 geben.

Eine Übersicht zum gesamten Vortragsprogramm gibt es unter www.baukongress.at

SOLID ist Offizieller Kooperationspartner des Baukongress 2020 und wird im Zuge dessen im SOLID Newsletter exklusiv über ausgewählte Vorträge vorinformieren.

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