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Initiative will Baugruppenkultur etablieren

Baugruppen sind in Wien derzeit noch Exoten - ein Lobbyverein will diesen Umstand ändern. Bei einer Baugruppe organisieren sich Gleichgesinnte in einem Bauträgerverein und lassen ein Gebäude nach den Vorstellungen der Gruppe planen und errichten.

Österreich

Die Initiative "Gemeinsam Bauen Wohnen" will in der Bundeshauptstadt eine "Baugruppenkultur" wie in Berlin oder Hamburg etablieren helfen, meint Vereinsmitglied Ernst Gruber.

Bei einer Baugruppe als avancierte Form der Wohngemeinschaft organisieren sich Gleichgesinnte in einem Bauträgerverein, um gemeinsam ein Gebäude ganz nach den Vorstellungen der Gruppe zu planen und errichten. Unter dem Titel "Heißer Herbst der Wohnprojekte" ist der vor einem Jahr gegründete Interessensverein nun an die breitere Öffentlichkeit getreten. Mit einer Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Politikern will man am 19. Oktober die Gesprächsreihe krönend abschließen.

Derzeit legistische und strukturelle Probleme

Derzeit gebe es noch einige legistische und strukturelle Probleme, so Gruber: "Bei den Grundstücksvergaben werden ganz klar große Wohnbauträger bevorzugt." Baugruppen bräuchten meist länger, um sich die Finanzierung zu sichern und würden deshalb zeitlich hinter den großen Gesellschaften hinterherhinken. "Wohnbauträger bauen aber naturgemäß für einen Standardmenschen, den es so nicht gibt", begründete Gruber das steigende Interesse für die neue Wohnform, bei der individuelle Wünsche berücksichtigt werden könnten.

Deshalb solle ein bestimmter Prozentbereich zu vergebender öffentlicher Grundstücke mit einem Vorkaufsrecht für Baugruppen versehen werden. Auch müssten die Parzellierungen kleiner als bisher ausfallen, da meist ganze Blöcke verkauft würden. Auch müsse die Wohnbauförderbedingungen entsprechend angepasst werden - zumal derzeit bei Inanspruchnahme ein bestimmter Teil der Einheiten extern sozial vergeben werden muss, was dem Baugruppenprinzip zuwider läuft.

"Die Stadt ist aber sehr auf ihre patriarchale Rolle fixiert", klagte Gruber. Sie entscheide, was gefördert werde - es sei mithin auch eine Machtfrage, wie viel Freiheit den Menschen zugestanden werde. Stattdessen fordert sein Verein die Einrichtung einer Agentur als Anlaufstelle für Interessenten. Und zuletzt seien auch die Banken gefragt, neue Finanzierungs- und Kreditmodelle für Baugruppen zu entwickeln, wie sie in Deutschland bereits üblich, in Österreich aber noch unbekannt seien. (APA/pm)