Das wird der größte Abriss aller Zeiten

Inmitten Manhattans soll ein Wolkenkratzer einem Höheren weichen. Ein technisch anspruchsvolles Unterfangen.

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Die Gegend rund um die Grand Central Station soll vermehrt als Geschäftsviertel beworben werden. Die Stadtregierung steht voll und ganz hinter dem Abriss des Hochhauses.

1960 wurde er gebaut. Seinen eigenen 60er wird er wohl knapp nicht mehr erleben. Wie letzte Woche verkündet wurde, sollen die JP Morgan World Headquarters in Manhattan nächstes Jahr dem Erdboden gleichgemacht werden. Wenn der 215 Meter hohe Wolkenkratzer, den die meisten einfach unter seiner Adresse kennen – 270 Park Avenue –, gesprengt wird, wird er das höchste und größte Gebäude sein, das je willentlich abgerissen wurde.

An seiner Stelle will die Bank JP Morgan Chase einen um 150 Meter höheren Tower erbauen. Mit den 18 zusätzlichen Stockwerken soll mehr Platz für insgesamt 9000 Mitarbeiter geschaffen werden – heute arbeiten in dem 1960er-Bau 6000 Mitarbeiter. 2024 soll die Errichtung abgeschlossen sein. Sie ist Teil der neuen Initiative New Yorks, modernere Wolkenkratzer rund um die Grand Central Station zu erbauen, um die Gegend intensiv als Geschäftsviertel zu bewerben.

Das Vorhaben stößt nicht nur auf Zuspruch und Applaus. Viele Architekten und Architekturbegeisterte wollen das alte Hochhaus im International Style, ein Stil aus dem Europa der 1920er, nicht verschwinden sehen. Entworfen wurde es damals von Natalie de Blois, einer der wenigen Frauen in der Branche, für die Firma SOM. Aktuell stammt beispielsweise das One World Trade Center von SOM, das anstelle der Twin Towers errichtet wurde. Bekannte Architekturkritiker wie Paul Goldberger und Justin Davidson meinen nun, die Stadt würde den Wert ihres architektonischen Erbes nicht erkennen. Die Erhaltungsgesellschaft Docomoco US hat sich bereits an das Denkmalschutzamt gewendet. Da aber die New Yorker Stadtregierung voll und ganz hinter dem Abriss und Neubau steht, ist eine erfolgreiche Erhaltung des alten Towers mehr als fraglich.