Wohnbau : Wohn-Gremium nimmt Arbeit auf – VÖPE mahnt breitere Einbindung ein

Babler am Wohngremium

Vizekanzler und Wohnminister Andreas Babler bei der Auftaktsitzung des neuen beratenden Wohn-Gremiums im Wohnministerium am 9. April 2026.

- © BMWKMS/ HBF/Daniel Trippolt

Vergangenen Donnerstag war es so weit: Das im Regierungsprogramm vom März 2025 verankerte beratende Wohn-Gremium trat im Wohnministerium zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Interessenverbänden, Forschung und Zivilgesellschaft folgten der Einladung von Wohnminister Andreas Babler. Am Tisch saßen unter anderem die Mietervereinigung, die Mieterhilfe, gemeinnützige Bauvereinigungen, die Arbeiterkammer, diverse Bau- und Immobilienverbände sowie die ÖBB, die das Ministerium als relevanten Akteur im Werkswohnungswesen einordnet. Die neu geschaffene Abteilung Wohnstrategie unter Martin Orner stellte sich vor, und man informierte über die nächsten wohnpolitischen Schritte: 

  • Dekarbonisierungs-Wohnrechtsnovelle noch vor dem Sommer
  • Maßnahmen gegen Leerstand
  • Evaluierung des Lagezuschlags im Richtwertsystem
  • Novelle des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG)

Ein ambitioniertes Programm. Dass allerdings die privaten Projektentwickler bei der Auftaktsitzung nicht vertreten waren, hat in der Branche Fragen aufgeworfen.

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VÖPE zwischen Anerkennung und Verwunderung

Wenige Tage nach der Auftaktsitzung meldete sich die Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE) mit einer Einschätzung zu Wort. Grundsätzlich begrüße man die Einrichtung des Gremiums ausdrücklich – es entspreche einer langjährigen Kernforderung der Branche, so VÖPE-Präsident Andreas Köttl. Dass nach längerer Vorlaufzeit ein strukturierter Dialog angestoßen werde, sei ein wichtiger Schritt. Umso mehr verwundere jedoch die Zusammensetzung: Ausgerechnet jene Gruppe, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Wohnbauprojekte geplant, finanziert und realisiert werden, war nicht eingeladen.

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob ein Gremium, das Lösungen für die drängendsten Herausforderungen des Wohnbaus erarbeiten soll – von der Dekarbonisierung des Bestands über Leerstandsbekämpfung bis hin zur Evaluierung von Mietsystemen – ohne die Perspektive der Umsetzungsseite sein volles Potenzial entfalten kann. Die besten wohnpolitischen Konzepte müssen am Ende des Tages auch gebaut werden.

VÖPE-Präsident Andreas Köttl fordert die Einbindung privater Projektentwickler in das neue Wohn-Gremium.

- © Katharina Schiffl

Leistbare Mieten im Fokus – Eigentum kommt noch

Auch inhaltlich fiel auf, dass der Schwerpunkt der ersten Sitzung klar auf leistbaren Mieten und dem Ziel lag, Wohnungslosigkeit bis 2030 abzuschaffen. Die Schaffung von Eigentum – für viele Österreicherinnen und Österreicher ein zentraler Baustein der persönlichen Vorsorge – wurde vorerst ausgeklammert. Aus dem Ministerium heißt es, das Thema werde in einer der nächsten Sitzungen behandelt. Das Gremium soll halbjährlich tagen, der nächste Termin ist für den Herbst geplant.

Ein wichtiger erster Schritt

Dass die Bundesregierung das Thema Wohnen als Querschnittsmaterie ernst nimmt und einen strukturierten Stakeholder-Dialog institutionalisiert, verdient Anerkennung. Vizekanzler Babler selbst sprach die auf mehrere Ebenen verteilten Zuständigkeiten an – ein Hinweis darauf, dass man um die Komplexität des föderalen Systems im Wohnbau weiß. Auch Abteilungsleiter Orner betonte die großen Herausforderungen, vor denen man stehe.

Die VÖPE hat ihre Bereitschaft signalisiert, jederzeit Expertise einzubringen. Eine Erweiterung des Teilnehmerkreises bis zur Herbstsitzung wäre ein sinnvolles Signal – denn ein möglichst breiter Dialog stärkt nicht nur die Qualität der Ergebnisse, sondern auch deren Akzeptanz in der Praxis. Wohnpolitik gelingt am besten, wenn alle relevanten Akteure an einem Tisch sitzen.