Infrastruktur : Westbahn-Ausbau Linz–Wels: Peri liefert Sichtbeton-Schalung für zehn Bauwerke

Bauen unter Betrieb: Während auf der Westbahn zwischen Linz und Wels die Züge weiterfahren, entstehen entlang der Strecke rund zehn Bauwerke. Die Schalungstechnik dafür liefert Peri Österreich.

Bauen unter Betrieb: Während auf der Westbahn zwischen Linz und Wels die Züge weiterfahren, entstehen entlang der Strecke rund zehn Bauwerke. Die Schalungstechnik dafür liefert Peri Österreich.

- © PERI Österreich

Wer einen Personentunnel oder eine Gleisunterführung errichtet, hat im Normalfall ein abgeschlossenes Baufeld und kann das Bauwerk in einem Stück fertigen. Entlang einer aktiv befahrenen Bahnstrecke gilt das nicht. Genau diese Konstellation prägt das Baulos 1.2 des viergleisigen Westbahn-Ausbaus zwischen Linz und Wels, ein 3,6 Kilometer langer Abschnitt im Großraum Leonding. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat den Auftrag im Sommer 2024 an Hochtief Infrastructure Austria in Kooperation mit der Hasenöhrl Bau GmbH vergeben, Auftragsvolumen rund 50 Millionen Euro, Baubeginn September 2024. Den schalungstechnischen Part liefert Peri Österreich.

Drei Dinge unterscheiden die Baustelle vom Standardprojekt: Der Bahnbetrieb läuft während der gesamten Bauzeit weiter, die rund zehn Bauwerke sind geometrisch sehr unterschiedlich, und die ÖBB schreibt für sämtliche Sichtflächen eine hohe Sichtbetonqualität vor. Daraus ergibt sich eine Aufgabe, die mit der Auswahl eines passenden Systems längst nicht erledigt ist.

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Bauen unter Bahnbetrieb: halbseitig errichten, vollständig fertigstellen

Der Bahnbetrieb auf den zwei bestehenden Gleisen muss durchgehend aufrechterhalten werden. Für jene Ingenieurbauwerke, die die heutige Trasse queren oder unterqueren, also den Personentunnel, mehrere Durchlässe sowie Unter- und Überführungen, bedeutet das eine Errichtung in zwei Etappen. Zunächst wird eine Hälfte des Bauwerks neben dem aktiven Gleis gebaut. Sobald sie fertig ist, wird der Bahnverkehr darauf umgelegt, der bestehende Trassenabschnitt zurückgebaut und die zweite Hälfte an gleicher Stelle errichtet und mit der ersten verbunden.

Die Schalung steht dabei auf einem reduzierten Baufeld und muss präzise an die spätere Bauteilgrenze geführt werden, weil dort die zweite Bauwerkshälfte angeschlossen wird. Die Stoßstelle der beiden Hälften wird später zur sichtbaren Fuge, und damit zum Qualitätsmerkmal, an dem das gesamte Bauwerk gemessen wird.

Eines der zehn Bauwerke am Baulos 1.2: Jedes hat eigene Geometrien, Lastannahmen und Betonierabschnitte, die in einem gemeinsamen Projektzusammenhang funktionieren müssen.

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Zehn Bauwerke, viele Geometrien – ein Projektzusammenhang

Auf den 3,6 Kilometern entstehen Bauwerke ganz unterschiedlicher Art. Peri nennt mehrere kleinere Stützmauern, Bachbrücken und Gleisunterführungen sowie eine rund 170 Meter lange und etwa zehn Meter hohe Brücke als größtes Einzelobjekt. Dazu kommen Erd- und Straßenbauarbeiten, die Verlegung der Linzer Lokalbahn LILO und der Bau von Lärmschutzwänden.

Jedes Bauwerk hat eigene Geometrien, Lastannahmen, Betonierabschnitte und Zugänglichkeiten. Trotzdem müssen Materialvorhaltung, Schalungssystematik, Ankerbild und Sichtbetonqualität in einem Projektzusammenhang funktionieren. Wer eine Stützmauer mit einem Ankerbild ausführt und 200 Meter weiter eine Bachbrücke mit einem anderen, verliert die optische Gleichmäßigkeit, die der Auftraggeber an einer so dicht bebauten Strecke einfordert.

Für Peri liegt darin der eigentliche Anspruch des Projekts, der weit über die Lieferung einzelner Systeme hinausgeht: „Das Besondere an diesem Baulos ist vor allem die Vielfalt der unterschiedlichen Bauwerke und Anforderungen. Gefordert sind dabei nicht nur einzelne Produkte, sondern ganzheitliche Lösungen, von der technischen Planung und statischen Bearbeitung über Vormontagekonzepte bis hin zur Logistik und Betreuung direkt auf der Baustelle."

Sichtbeton in Serie: warum Wiederholqualität die eigentliche Hürde ist

Die hohen Sichtbetonanforderungen sind im Bahninfrastrukturbau nicht ungewöhnlich, aber technisch oft anspruchsvoller als bei einem einzelnen Architekturobjekt, weil die Wiederholqualität über viele Bauwerke hinweg gehalten werden muss.

Sichtbetonqualität entsteht im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Das DBV/BDZ-Merkblatt „Sichtbeton" definiert vier Sichtbetonklassen mit Anforderungen an Schalung, Textur, Ebenheit und Farbtongleichmäßigkeit. Die Schalung ist dabei nur ein Element neben Schalhaut, Trennmittel und Betonrezeptur, aber sie definiert viele Merkmale, die später sichtbar bleiben: Ankerstellen, Anschlussfugen, Maßhaltigkeit, Kantenausbildung.

Für Linz-Wels setzt Peri auf eine Kombination aus drei Systemen, wobei die Wahl immer vom jeweiligen Bauwerk abhängt. „Je nach Geometrie, Einsatzhäufigkeit, statischen Erfordernissen oder Sichtbetonanforderungen wird aus dem umfangreichen Peri-Produktportfolio das wirtschaftlich und technisch optimale System ausgewählt", erklärt das Unternehmen. „Während beispielsweise bei standardisierten Bauteilen häufig wirtschaftliche Systemlösungen im Vordergrund stehen, kommen bei komplexeren Geometrien oder erhöhten Sichtbetonanforderungen flexibel anpassbare Lösungen zum Einsatz." Konkret kommen die Trio-Rahmenschalung bei Wänden, Widerlagern und Stützmauern, die Vario GT 24 Säulenschalung bei Brückenpfeilern und die Multiprop-Deckenstützen im Brücken- und Unterführungsbau zum Einsatz.

Sichtbeton in Serie: Über sämtliche Bauwerke des Bauloses hinweg muss eine einheitliche Oberflächenqualität gehalten werden. Peri kombiniert dafür die Systeme Trio, Vario GT 24 und Multiprop.

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Mehr als Schalung: Statik, Frachtmanagement und Projektkoordination

Was nach außen wie eine reine Schalungslieferung aussieht, ist in der Realität ein Engineering-Paket. Peri nennt drei zusätzliche Leistungen, die fast wichtiger sind als die Systemwahl: statische Berechnungen, Frachtmanagement und Projektkoordination.

Statische Berechnungen sind im Bahninfrastrukturbau oft anspruchsvoller als im Hochbau. Beim halbseitigen Bauen wirken asymmetrische Lasten, weil die spätere Bauwerkshälfte fehlt. Bei Sichtbetonanforderungen darf die Schalung nicht durchhängen, weil jede Durchbiegung am Bauteil ablesbar wird. Und bei Stützmauern mit hoher Wandstärke entstehen erhebliche Frischbetondruckkräfte, die über DW-Anker und Schalhautrasterabstände abgefangen werden müssen.

Frachtmanagement und Projektkoordination werden zentral, sobald die Schalung über eine lineare Baustelle wandert und mit dem Bauablauf von einem Objekt zum nächsten zieht. Die innerbetriebliche Logistik im Baufeld organisiert dabei vor allem die ausführende Baufirma. „Seitens Peri liegt der Fokus vor allem auf der termingerechten Bereitstellung der benötigten Systeme sowie auf einer abgestimmten Materialversorgung entsprechend der einzelnen Bauabschnitte", heißt es dazu. „Gerade bei linearen Infrastrukturprojekten ist eine enge Abstimmung aller Beteiligten entscheidend, um einen reibungslosen Bauablauf sicherzustellen."

Schalungs- und Traggerüsttechnik von Peri an einem der Bauwerke des Bauloses 1.2: Über die rund zehn Bauwerke hinweg muss eine einheitliche Sichtbetonqualität gehalten werden.

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Vom Materiallieferanten zum Abwicklungspartner

Das Projekt zeigt eine Verschiebung, die sich in der Schalungsbranche seit Jahren abzeichnet. Anbieter wie Peri sind im Infrastrukturbau zunehmend nicht mehr nur Materiallieferanten, sondern werden zu Engineering- und Abwicklungspartnern, die mit eigenen Statikern, Logistikern und Projektkoordinatoren in den Bauablauf des Auftragnehmers eingebunden sind.

[Zitat hervorheben – eventuell kleine Box im Textfluss] „Peri hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend vom reinen Materiallieferanten zum kompetenten Komplettanbieter entwickelt. Neben der Bereitstellung von Schalungs- und Gerüstsystemen spielen heute insbesondere unsere Dienstleistungen eine zentrale Rolle, von der technischen Bearbeitung über statische Lösungen und Montageleistungen bis zur Betreuung durch unsere Richtmeister direkt vor Ort. Gerade bei komplexen Infrastrukturprojekten zeigt sich, wie wichtig diese ganzheitliche Unterstützung ist. Es geht längst nicht mehr nur um Material, sondern um partnerschaftliche Projektbegleitung über den gesamten Bauablauf hinweg." — Peter Radel, Geschäftsführer Peri Österreich

Für Linz-Wels BL 1.2 ist das die wirtschaftlich rationale Konstellation. Hochtief und Hasenöhrl bauen, Peri liefert das, was dafür im Untergrund und am Bauteil sichtbar wird, von der ersten statischen Berechnung bis zur Beratung beim Sichtbetondetail. Die Qualität des fertigen Bauwerks entsteht nicht erst beim Betonieren, sondern lange davor, in der gemeinsamen Planung des Schalungsbilds.

Wenn 2030 die ersten viergleisigen Züge durchfahren, werden die Reisenden von alldem nichts sehen. Sie werden Bauwerke passieren, deren Oberflächen einheitlich aussehen, deren Fugen sauber sind und deren Ankerstellen in einem regelmäßigen Raster sitzen. Genau das ist im Bahninfrastrukturbau die schwerste Disziplin: unsichtbar zu sein und trotzdem konsistent.