Sanieren mit Auszeichnung : Bis zu 95 Prozent weniger Energie: ETHOUSE Award sucht Österreichs beste Gebäudesanierungen
ETHOUSE-Award-Sieger 2024 in der Kategorie Wohnbau: Bei der Wohnhausanlage Favorite Spring in Wien-Favoriten senkte die Sanierung den Heizwärmebedarf um 78,5 Prozent. Der dreigeschossige Dachausbau steht für Nachverdichtung in der Stadt.
- © Christian HenningerDie thermische Sanierung des Gebäudebestands gilt als einer der größten Hebel, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. In Österreich werden pro Jahr rund zwölf Millionen Quadratmeter Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) verarbeitet. Der ETHOUSE Award rückt jene Projekte ins Licht, die dabei mehr leisten als reines Energiesparen: Bewertet werden die Ausführungsqualität, der Umgang mit dem Altbestand, die architektonische Umsetzung und der Umfang der Energieeinsparung.
„Mit einer umfassenden thermischen Gebäudesanierung können bis zu 95 Prozent Energie eingespart werden, das ist kein Geheimnis“, sagt QG-Sprecher Clemens Hecht und verweist auf die prämierten Projekte der vergangenen Jahre.
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ETHOUSE Award 2027: Einreichen bis 14. Oktober
Einreichen können alle privaten und öffentlichen Bauträger, Architekt:innen und Planer:innen, Verwaltungsinstitutionen und Gemeinden sowie Wohnbaugesellschaften mit Sitz in Österreich. Zugelassen sind Objekte, die am 14. Oktober 2022 oder später fertiggestellt wurden. Die Ausschreibung ist am 23. Juni 2026 gestartet, Einreichschluss ist der 14. Oktober 2026.
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 16. März 2027 in Wien verliehen. Neben den Planer:innen werden ausdrücklich auch die WDVS-verarbeitenden Betriebe ausgezeichnet – ein Detail, das die Bedeutung der handwerklichen Ausführungsqualität unterstreicht. Eine Fachjury ermittelt die Best-Practice-Projekte; alle Einreichunterlagen finden sich auf der Website der Qualitätsgruppe.
Welche Bandbreite an Projekten der Award abdeckt, zeigt der Rückblick auf die vier Sieger des ETHOUSE Award 2024, die vom Gemeindezentrum über das denkmalgeschützte Pfarrheim bis zur großvolumigen Wohnhausanlage reichen.
Sipbachzell: ein Gemeindezentrum spart 64 Prozent Energie
In der Kategorie „Öffentliche Bauten“ wurde das Mehrwert-Zentrum Sipbachzell in Oberösterreich ausgezeichnet, geplant von mia2 ARCHITEKTUR ZT und ausgeführt vom WDVS-Verarbeiter Andrijevic Fassadenbau. Saniert wurde in mehreren Etappen bei laufendem Betrieb von Gemeindeamt und Arztpraxis. Die bestehende Struktur wurde genutzt, die gesamte Gebäudehülle thermisch aufgewertet, der Proberaum des Musikvereins vergrößert und ein Holz-Kuppeldach errichtet, dazu kamen eine barrierefreie Erschließung und technische Optimierungen.
Der Energieverbrauch sank um 64,4 Prozent, von 125 auf 44,5 kWh/m²a. „Die öffentliche Hand hat Vorbildwirkung, was mit diesem Projekt zu hundert Prozent gelungen ist: flächenschonender Umgang durch intensive und vielfältige Nutzung“, urteilte die Jury. Das mia2-Team Sandra Gnigler und Gunar Wilhelm verweist auf den doppelten Effekt: „Viele Funktionen sind nun unter einem Dach vereint – ein finanzieller und sozialer Synergieeffekt.“
Maria Laach: ein Stadel von 1890, denkmalgerecht saniert
Ebenfalls in der Kategorie „Öffentliche Bauten“ prämiert wurde die Sanierung von Stadel und Pfarrheim in Maria Laach am Jauerling in Niederösterreich, umgesetzt von AH3 Architekten gemeinsam mit der Jägerbau GmbH. Der Stadel aus dem Jahr 1890 blieb mit seinen typischen Merkmalen erhalten, die räumlich begrenzten Möglichkeiten wurden klug genutzt. Neben den Auflagen des Denkmalamts galt es, die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer:innengruppen zu berücksichtigen.
Nach der energetischen Optimierung liegt der Heizwärmeverbrauch bei 35,1 kWh/m²a. Die Jury lobte den kommunalen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für thermische Sanierungen. „Aus nichts wird nichts: Wir führten intensiven Austausch mit den Nutzer:innen. Der Prozess und das Ergebnis sind fantastisch“, sagt Architekt Johannes Kislinger.
Johann-Hoffmann-Platz: 81 Prozent weniger Heizwärme im Gemeindebau
In der Kategorie „Wohnbau“ ging ein Preis an die Quartiers-Sanierung Johann-Hoffmann-Platz 10–15 im 12. Wiener Gemeindebezirk, umgesetzt von der GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung mit dem WDVS-Verarbeiter Lavaro Bau. Die Jury würdigte den Umgang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes ebenso wie die soziale Komponente: Die Interessen der Mieter:innen wurden erhoben, neue Gemeinschaftsterrassen und gemeinschaftlich genutzte Flächen geschaffen.
Der Heizwärmebedarf wurde von 179,46 auf 33,25 kWh/m²a gesenkt – eine Verbesserung um 81,5 Prozent und damit der stärkste Einsparwert unter den Siegerprojekten. „Wir haben viele kleine Maßnahmen gesetzt – mit großer Wirkung. Es geht!“, sagt GSD-Geschäftsführer Werner Rebernig. Für das Team ist es bereits die fünfte ETHOUSE-Trophäe.
Favorite Spring: vom Gründerzeithaus zum Energiesparer
Das zweite prämierte Wohnbauprojekt ist die Wohnhausanlage Favorite Spring im 10. Wiener Gemeindebezirk. Das desolate Gründerzeithaus wurde von der Ulreich Bauträger GmbH gemeinsam mit daneshgar architects und dem WDVS-Verarbeiter Gassner & Partner Baumanagement saniert. Bei aufrechtem Geschäftsbetrieb und mehrheitlich bewohnten Wohnungen entstand aus ehemaligen Substandardwohnungen hochwertiger Wohnraum. Ein dreigeschossiger Dachausbau und ein zweigeschossiges Bürogebäude im Hof stehen für Nachverdichtung in der Stadt.
Der Heizwärmebedarf sank von 137,6 auf 29,6 kWh/m²a, eine Verbesserung um 78,5 Prozent. „Eine meisterliche strategische sowie technische Umsetzung ist gelungen“, befand die Jury. Bauträger Hans Jörg Ulreich sieht darin einen Auftrag: „Es lohnt sich, bodenschonend neuen Wohnraum zu schaffen und klimaschonend Altbestand zu sanieren. Wir brauchen viel mehr solche Projekte.“
Lobende Erwähnung: das Caritas-Mutter-Kind-Haus in Vorarlberg
Eine lobende Erwähnung ging an das Haus St. Michael, ein Mutter-Kind-Haus der Caritas in Vorarlberg. Der postmoderne Bau aus den 1980er-Jahren wurde von postner/duelli/architekten gemeinsam mit der Atrium Gerüstbau, Verputz GmbH saniert. Der Heizwärmebedarf sank von 103,49 auf 31,53 kWh/m²a, eine Reduktion um knapp 69,5 Prozent. „Hier wurde eine respektvolle Sanierung realisiert: gegenüber den Bewohner:innen und des postmodernen Gebäudebestands in Österreich“, so die Jury. Planer Konrad Duelli: „Wir haben bei laufendem Betrieb von unten nach oben saniert. Durch viele Gespräche mit den Bewohnerinnen haben sich spannende Detaillösungen ergeben.“
ETHOUSE Award 2027 – die Eckdaten
- Auslober: ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (Baumit, Synthesa Gruppe, Röfix, Sto)
- Kategorien: öffentliche Bauten, gewerbliche Bauten, Wohnbau
- Zugelassen: Objekte, fertiggestellt ab 14. Oktober 2022
- Einreichschluss: 14. Oktober 2026
- Dotierung: 10.000 Euro
- Verleihung: 16. März 2027 in Wien
- Infos und Einreichunterlagen: waermedaemmsysteme.at/ethouse-award