Lediglich aus Salzburg und Tirol kommen gemäß Vera Woschnagg, Geschäftsführerin der Austria Real GmbH, positive Signale.
SOLID: Was sind die Gründe für den starken Abschwung des österreichischen Hotelinvestmentmarkts?
Vera Woschnagg: Zunächst sorgte die Corona-Pandemie 2020 für große Verunsicherung unter Hotelinvestoren. Kaum hatte sich der Markt etwas stabilisiert, folgte ab Mitte 2022 die Zinswende. Kredite wurden plötzlich doppelt so teuer. Finanzierungen, die zuvor noch wirtschaftlich tragfähig waren, verloren dadurch ihre Rentabilität. Die gestiegenen Zinsen führten zu einer deutlichen Investitionszurückhaltung.
Zwar bleibt das Interesse an Hotelimmobilien grundsätzlich bestehen, doch die hohen Finanzierungskosten dämpfen das Transaktionsvolumen spürbar. Anfang 2022 lagen die Kreditkosten für Gewerbeimmobilien noch unter 3 Prozent, bis Anfang 2024 stiegen sie auf rund 5 Prozent – ein Plus von etwa 65 bis 70 Prozent. Gleichzeitig legten die durchschnittlichen Zimmerpreise in Österreich im selben Zeitraum lediglich um rund 20 Prozent zu. Das bedeutet: Kapital ist heute um bis zu 70 Prozent teurer, während die Umsätze nur moderat gestiegen sind. Damit hat sich die Wirtschaftlichkeit vieler Hotelinvestments deutlich verschlechtert – und der Markt ist für Investoren weniger attraktiv geworden.Formularende
In welchen Bundesländern war der Rückgang am stärksten?
Woschnagg: In Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Vorarlberg gab es überhaupt keine Hoteltransaktionen, die als Asset Deals im Grundbuch aufscheinen. Besonders deutlich war der Einbruch in Kärnten mit minus 68 Prozent und in der Steiermark mit minus 93 Prozent. Ein Grund dafür könnte der Rückgang der Nächtigungszahlen sein – am stärksten betroffen war Oberösterreich mit minus 1,2 Prozent, gefolgt von Kärnten, Vorarlberg und der Steiermark.
Warum zeigen Tirol und Salzburg dagegen positive Signale?
Woschnagg: Tirol und Salzburg bleiben die touristischen Zugpferde Österreichs. Mehr als die Hälfte aller Nächtigungen in Österreich entfallen auf diese beiden Bundesländer. 2024 waren es zusammen rund 79 Millionen. Tirol verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 ein leichtes Plus von 0,3 Prozent, Salzburg liegt zwar leicht im Minus, zeigt aber insgesamt eine stabile Entwicklung. Das sorgt natürlich auch für Vertrauen bei Investoren.
Welche Hotels sind derzeit also gefragt?
Woschnagg: Am Markt gefragt sind vor allem moderne 4-Sterne-Hotels in etablierten Feriendestinationen mit stabiler Auslastung.
Können Sie aktuelle Transaktionen nennen?
Woschnagg: Ja, etwa den Verkauf des Hotel Alpenhof (4-Sterne-Superior) in Flachau, Salzburg mit 49 Zimmer. Der Kaufpreis betrug rund 12 Millionen Euro, was etwa 245.500 Euro pro Zimmer entspricht. In Tirol wechselte das Hotel Alpenleben mit 32 Zimmern für rund 8,6 Millionen Euro den Eigentümer. Preis pro Zimmer 268.000 Euro. Ebenfalls in Tirol wurde das Hotel Crystal in St. Johann/Kitzbühel verkauft – 40 Zimmer, Kaufpreis 4,5 Millionen Euro.