Dämmstoffe : „Der größte Hebel liegt in der Gebäudehülle“

HIRSCH Servo Gruppe CEO DI Wolfgang Landler

HIRSCH-Servo-CEO Wolfgang Landler über schwache Sanierungsdynamik, zaghafte Markterholung und kreislauffähige Dämmstoffe.

- © HIRSCH Servo AG

Die HIRSCH Servo Gruppe mit Sitz in Glanegg zählt zu den etablierten Anbietern im EPS-Dämmstoffbereich und ist in mehreren europäischen Märkten aktiv. Seit einem Jahr steht DI Wolfgang Landler an der Spitze des Unternehmens. Im Gespräch mit SOLID ordnet er die aktuelle Marktlage ein, spricht über die schwache Entwicklung im thermischen Sanierungsbereich und erklärt, warum aus seiner Sicht gerade die Gebäudehülle im Zentrum jeder ernsthaften Effizienzstrategie stehen muss.

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Ein Blick auf das internationale Netzwerk der HIRSCH Servo Gruppe: 11 Standorte-Länder in Europa sowie weitere Niederlassungen in Nordamerika und Asien.

- © HIRSCH Servo AG

SOLID: Die Baubewilligungen haben 2025 wieder angezogen. Spüren Sie das in Ihrer aktuellen Nachfrage bereits?
Landler: Die steigenden Baubewilligungen zeigen erste Wirkung, wir sehen punktuell wieder mehr Dynamik. Von einer breiten Markterholung sind wir aber noch entfernt. Insbesondere im Neubau bleibt die Entwicklung weiterhin verhalten.

Die Entwicklung war regional sehr unterschiedlich. Sehen Sie auch deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern?
Landler: Innerhalb Österreichs liegt unser Schwerpunkt klar im Süden. Das hängt auch mit der Materiallogistik zusammen: EPS besteht zu rund 98 Prozent aus Luft und ist daher nur über begrenzte Distanzen wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll transportierbar. Entsprechend konzentrieren sich unsere Aktivitäten auf regionale Märkte.

Beim Renovierungsmarkt gab es zuletzt eine spürbare Delle. Sehen Sie hier bereits eine Konsolidierung oder bleibt die Nachfrage schwach?
Landler: Der Renovierungsmarkt hat sich zuletzt schwächer entwickelt als erwartet. Das zeigt sich auch in der aktuellen Sanierungsrate in Österreich. Diese ist 2024 zwar auf 1,6 Prozent des Wohnungsbestands gestiegen, der Zuwachs ist jedoch fast ausschließlich auf Heizungstauschprogramme zurückzuführen. Die thermische Sanierungsrate ist dagegen auf rund 0,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig bleibt der Renovierungsmarkt der zentrale Hebel für Energieeffizienz und Versorgungssicherheit. Vor dem Hintergrund der europäischen Klimaziele wäre bis 2040 eine deutliche Steigerung erforderlich. Mittelfristig erwarten wir daher wieder stärkere Impulse.

Blick in die Produktion bei HIRSCH: Hier entstehen EPS-Schalungssteine für den Poolbau.

- © HIRSCH Servo AG

Österreich gilt bei Bauvorschriften als besonders streng, auch im Bereich Dämmung. Wie bewerten Sie diese Standards?
Landler: Hohe energetische Standards sind grundsätzlich sinnvoll und notwendig, gerade mit Blick auf Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Klimaziele. Entscheidend ist aber, dass diese Anforderungen wirtschaftlich umsetzbar bleiben und nicht zu unnötiger Komplexität führen. Gleichzeitig braucht es faire Wettbewerbsbedingungen. Dieselben Standards, dieselbe Qualität und dieselbe Verlässlichkeit müssen auch im Markt konsequent abgesichert werden.

Initiativen wie „Bauen außerhalb der Norm“ sollen Baukosten senken und Anforderungen vereinfachen. Sehen Sie darin eher Chancen oder Risiken für Ihr Geschäft?
Landler: Ansätze zur Vereinfachung können sinnvoll sein, wenn sie Kosten reduzieren, ohne die Qualität zu gefährden. Gerade im Bereich Energieeffizienz darf es jedoch keine Rückschritte geben.

Baupreise stiegen 2025 kaum noch, Löhne und Energiekosten dagegen deutlich stärker. Wie sind Sie mit diesem Kostengefüge umgegangen?
Landler: Die Entkoppelung von Baupreisen und steigenden Lohn- beziehungsweise Energiekosten bleibt herausfordernd. Wir reagieren darauf mit Effizienzmaßnahmen und einer laufenden Optimierung unserer Prozesse.

Wo legt HIRSCH Servo aktuell den strategischen Schwerpunkt?
Ein zentraler Fokus liegt für uns auf der thermischen Sanierung der Gebäudehülle. Es macht wenig Sinn, in neue Heizsysteme zu investieren, wenn über eine unzureichend gedämmte Gebäudehülle weiterhin Energie verloren geht. Gleichzeitig haben wir bereits kreislauffähige Lösungen für EPS-Dämmstoffe mit reduziertem CO₂-Fußabdruck beziehungsweise Recyclinganteil im Programm und treiben deren Positionierung im Markt gezielt voran. Aufgrund der derzeit noch höheren Verkaufspreise ist die Nachfrage derzeit noch verhalten. Wir sind aber überzeugt, dass sich nachhaltige und ressourcenschonende Systeme langfristig im Markt durchsetzen werden.

Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen und Herausforderungen für Ihr Unternehmen?
Landler: Die größten Chancen liegen für uns klar im Sanierungsbereich und in der weiter steigenden Bedeutung energieeffizienter Gebäude. Ein großer Teil des Gebäudebestands in Europa gilt nach wie vor als energetisch ineffizient. Entsprechend groß ist das Potenzial. Eine gut gedämmte Gebäudehülle kann den Energiebedarf für Heizen und Kühlen deutlich senken und damit auch die CO₂-Emissionen massiv reduzieren. Gleichzeitig ergeben sich wirtschaftliche Vorteile, weil sich Investitionen über eingesparte Energiekosten in überschaubaren Zeiträumen amortisieren können und zur langfristigen Wertsteigerung der Immobilie beitragen. Die größten Herausforderungen bleiben die anhaltende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit sowie die zunehmende Regulatorik auf EU-Ebene. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und ein klarer Fokus auf nachhaltige, langfristig wirksame Maßnahmen im Gebäudesektor.