Serieller Wohnbau aus dem Drucker : 21 Apartments in 59 Drucktagen: Wie PERI den Wohnbau in Serie druckt

DREIHAUS Vogelperspektive PERI

Vogelperspektive auf das DREIHAUS L in Heidelberg: Während die 3D-gedruckten Betonwände bereits stehen, laufen auf dem größten der drei Baukörper die konventionellen Arbeiten an Decke und Bewehrung weiter.

- © PERI 3D Construction GmbH

Ein Haus aus dem 3D-Drucker ist längst keine Sensation mehr. Dass ein Portaldrucker Betonwände Schicht für Schicht aufträgt, haben Pilotprojekte in den vergangenen Jahren zur Genüge gezeigt. In Heidelberg geht es deshalb um etwas anderes: nicht um ein gedrucktes Einzelobjekt, sondern um den Versuch, aus dem 3D-Druck einen wiederholbaren Gebäudetyp für Mehrfamilienhäuser zu machen. Drei Häuser derselben Systemfamilie, in drei Größen, nacheinander mit einem Drucker gebaut und später als realer Betriebskomplex genutzt.

Auf dem ehemaligen US-Areal Campbell, einer ehemaligen US-Kaserne, wenige Meter vom Wavehouse entfernt, das als größtes 3D-gedrucktes Gebäude Europas gilt, errichten PERI 3D Construction und seine Partner drei Baukörper mit den Namen DREIHAUS S, M und L. Zusammen entstehen 21 Apartments mit Wohnflächen zwischen 46 und 89 Quadratmetern. Später sollen sie als Serviced Apartments unter dem Namen HEI³ Apartments genutzt werden, ein Boardinghouse für Wohnen auf Zeit. Bezugsfertig sollen die Gebäude im Frühsommer 2026 sein.

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59 Drucktage, aber kein fertiges Haus: was die Zahl wirklich bedeutet

Die Zahl, die das Projekt trägt, ist griffig: 59 Arbeitstage, in denen die Wände der drei Häuser gedruckt wurden. Das größte Haus, DREIHAUS L, stand nach 26 Arbeitstagen, das kleinste nach 14, das mittlere nach 19. Ein Quadratmeter Hohlwand entsteht laut PERI in etwa fünf Minuten, während der Drucker die digital vorgeplanten Bahnen automatisch abfährt.

So beeindruckend die Zahl klingt, sie braucht eine Einordnung. 59 Drucktage sind nicht 59 Bautage. Gedruckt wurden die Wände, mehr nicht. Decken, Ausbau, Haustechnik, Fenster, Dächer, Balkone und Außenanlagen gehören weiterhin zum vollständigen Bauablauf und werden konventionell erstellt. Das DREIHAUS ist kein Gebäude aus einer Maschine, sondern ein hybrider Massivbau, bei dem der Drucker einen klar umrissenen Teil übernimmt: die Wandstrukturen.

Genau darin liegt der eigentliche Prüfstein. Die Frage ist nicht, ob ein Drucker Wände herstellen kann, das ist erwiesen, sondern ob sich der digitale Wandbau mit Deckenbau und Folgegewerken so verzahnen lässt, dass am Ende ein schnellerer Gesamtprozess herauskommt.

Eine Mitarbeiterin überwacht den 3D-Druckprozess beim DREIHAUS in Heidelberg. Der Portaldrucker trägt den Spezialbeton Schicht für Schicht auf und formt so die Wände der künftigen Apartmenthäuser.

- © PERI 3D Construction GmbH

3D-Betondrucker im Takt: Wie Wanddruck und Deckenbau überlappen

Zum Einsatz kommt ein COBOD BOD2, einer der verbreitetsten Portaldrucker am Markt. Er bewegt sich auf einem Schienensystem über dem Baufeld und trägt den Beton entlang vorprogrammierter Bahnen auf. Bedient wird er von einem nur zwei- bis dreiköpfigen Team. Nach Fertigstellung eines Hauses wird der Drucker zum nächsten Baufeld versetzt, sodass die drei Varianten nacheinander entstehen.

Die eigentliche Produktivitätsidee steckt nicht im Druckkopf, sondern in der Taktung des Bauablaufs. Jedes DREIHAUS ist in zwei Segmente geteilt. Während in der einen Hälfte noch gedruckt wird, wird in der anderen bereits die Decke betoniert. Danach arbeitet der Drucker am nächsten Haus weiter, während auf dem vorherigen Baukörper die Folgegewerke anlaufen. Druck, Deckenbau und Ausbau überlappen sich zeitlich, statt nacheinander abzulaufen.

DREIHAUS vereint alles, was wir in unseren bisher 17 umgesetzten 3D-Druckprojekten gelernt haben. Dabei geht es sowohl um durchdachte, für 3D-Druck optimierte Grundrisse als auch um die sinnvolle Integration des 3D-Drucks in den kompletten Bauablauf. Jedes DREIHAUS ist in zwei Segmente unterteilt. Während in einer Hälfte gedruckt wird, wird in der anderen bereits die Decke betoniert.
Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer PERI 3D Construction

Dieser Ansatz erklärt auch, warum die drei Häuser bewusst nebeneinander und nacheinander gebaut werden. Erst die Wiederholung macht aus dem Einzeldruck einen Prozess: Der Drucker wandert, die Gewerke folgen, und der Bauablauf lässt sich von Haus zu Haus einspielen.

Serieller Wohnbau statt Einzelstück: PERIs Gebäudetyp in drei Größen

Der Schritt, der Heidelberg von früheren 3D-Druckprojekten unterscheidet, ist die Standardisierung. Frühere gedruckte Bauten waren oft architektonische Sonderformen, geschwungene Wände, Einzelstücke, die zeigen sollten, was technisch geht. Das DREIHAUS ist das Gegenteil: ein bis in die Ausführungsplanung durchgeplanter, modularer Gebäudetyp, der sich in drei Größen skalieren und beliebig oft wiederholen lässt. Entwickelt wurde das Konzept vom Planungsbüro Korte-Hoffmann gemeinsam mit PERI 3D Construction, die Architektur steuerte SSV Architekten bei, Bauherr ist die Heidelberger Krausgruppe.

Damit rückt das Projekt näher an das heran, was in der Branche unter seriellem Wohnbau verstanden wird: nicht das individuelle Bauwerk, sondern der reproduzierbare Baukasten. Für die Beteiligten ist das der Kern der Sache, der 3D-Druck ist dabei Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck.

Die Projektpartner verbinden mit dem Gebäudetyp klare Versprechen: Rund 30 Prozent schneller und zehn Prozent günstiger als ein vergleichbares konventionelles Mehrfamilienhaus soll das DREIHAUS realisierbar sein, als Konzept-Richtwert nennt PERI je nach Region und Größe schlüsselfertige Kosten ab 2.900 Euro pro Quadratmeter. Diese Zahlen sind allerdings Zielwerte des Konzepts, keine für Heidelberg dokumentierten Endergebnisse. Das betont auch PERI selbst.

Im Vergleich zu herkömmlichen Bauweisen wird DREIHAUS 30 Prozent schneller und zehn Prozent kostengünstiger fertiggestellt. Diese Werte möchten wir mit diesem Projekt in der Praxis belegen und werden nach Projektabschluss entsprechende Zahlen veröffentlichen.
Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer PERI 3D Construction

Die Druckzeiten sind belegt, die Behauptung über den Gesamtprozess ist es noch nicht. Erst die vollständige Übergabe und eine spätere Kostenrechnung werden zeigen, ob aus dem schnellen Wanddruck tatsächlich ein schnellerer und günstigerer Wohnbau wird.

Der COBOD-BOD2-Drucker erstellt die Wände des DREIHAUS L in Heidelberg Schicht für Schicht. Während der digitale Wandbau weiterläuft, werden innerhalb des Baukörpers bereits Decken- und Folgearbeiten vorbereitet.

- © PERI 3D Construction GmbH

Net-Zero-Zement im 3D-Druck: Deutschland-Premiere in Heidelberg

Ein zweiter Strang des Projekts betrifft den Beton selbst. Für die ersten beiden Häuser kommt der Baustoff evoBuild 3D-Druck von Heidelberg Materials zum Einsatz, dessen Bindemittel nach Herstellerangaben über 50 Prozent CO2-Reduktion gegenüber herkömmlichem Portlandzement ermöglicht. Beim dritten Haus wird erstmals in Deutschland in einem 3D-Druckprojekt evoZero verwendet, ein Zement, den Heidelberg Materials als weltweit ersten Net-Zero-Zement auf Basis von CO2-Abscheidung und -Speicherung bezeichnet; die Emissionsminderung beruht auf der CO2-Abscheidung im norwegischen Werk Brevik.

Der Einsatz eines CO2-abgeschiedenen Zements ist ein belegtes Novum, eine vollständige CO2-Bilanz der drei fertigen Gebäude liegt öffentlich aber noch nicht vor. „Klimaneutral" sind die gedruckten Häuser damit nicht, wohl aber ein Testfeld dafür, wie weit sich der CO2-Fußabdruck eines gedruckten Rohbaus über das Bindemittel senken lässt.

Der Druck bleibt dabei bis ins fertige Haus sichtbar. Innen glättet der Drucker die Schichten automatisch, sodass die Wände roh sichtbar bleiben oder verputzt werden können; außen zeigt die Fassade die charakteristische, geschichtete 3D-Druck-Optik. Was in Heidelberg als serieller Baukasten entsteht, bleibt so auch am fertigen Gebäude als gedruckt erkennbar.

30 Prozent schneller, 10 Prozent günstiger: der offene Praxistest

Der Reiz des Projekts liegt nicht im einzelnen Haus, sondern in der Wiederholung. Wenn drei Varianten eines Gebäudetyps nacheinander mit einem wandernden Drucker entstehen und sich Druck, Deckenbau und Ausbau sinnvoll takten lassen, dann ist der Weg zu einer echten Serienfertigung im Wohnbau kürzer geworden. Korte-Hoffmann will diesen Schritt konsequent gehen und ab 2026 selbst als Bauträger DREIHAUS-Projekte realisieren.

Ob daraus tatsächlich ein schnellerer und günstigerer Wohnbau wird, entscheidet sich aber nicht an der einzelnen Betonlage. Der Drucker hat in Heidelberg seinen Teil erledigt, in 59 Arbeitstagen. Was das für den gesamten Bauablauf bis zur Übergabe bedeutet, wird sich erst am fertigen Komplex und an den Zahlen zeigen, die danach vorliegen.

FACTBOX: DREIHAUS Heidelberg

Projekt: Drei 3D-gedruckte Mehrfamilienhäuser (DREIHAUS S, M, L) als serieller Gebäudetyp
Standort: Campbell-Areal, Heidelberg
Bauherr: Krausgruppe
Projektpartner: PERI 3D Construction (Druck), Korte-Hoffmann Gebäudedruck (Konzept/Planung), SSV Architekten (Architektur), Heidelberg Materials (Baustoff)
Druckzeitraum: September 2025
Bezugsfertig: geplant Frühsommer 2026
Künftige Nutzung: Boardinghouse „HEI³ Apartments" (Serviced Apartments), Mieter MyStay Scherer

Die Zahlen:

  • 3 Gebäude in drei Größen (S, M, L)
  • 21 Apartments, 46 bis 89 m² Wohnfläche
  • Druckzeiten: 14 / 19 / 26 Arbeitstage (S / M / L)
  • 59 Drucktage gesamt (nur Wände)
  • Drucksystem: COBOD BOD2, Bedienung durch 2- bis 3-köpfiges Team
  • rund 1 m² Hohlwand in ca. 5 Minuten

Baustoff:

  • Häuser 1 + 2: evoBuild 3D-Druck (über 50 % CO2-reduziertes Bindemittel)
  • Haus 3: evoZero (Net-Zero-Zement mit CO2-Abscheidung, Deutschland-Premiere im 3D-Druck)

Noch offen (Zielwerte, nicht belegt): 30 % schnellere und 10 % günstigere Gesamtfertigung; schlüsselfertige Kosten ab 2.900 €/m². Verifizierte Endwerte wollen die Partner nach Projektabschluss veröffentlichen.