SOLID 10/2018

Ziegelroboter: eine Zukunft namens Hadrian

Wienerberger hat ein Partnerschaftsabkommen mit Fastbrick Robotics unterzeichnet. Thomas Pöll sprach mit Wienerberger-Österreich-Chef Mike Bucher über die Zukunft von Baurobotern für Ziegelmauerwerk.

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SOLID: Wie ist denn dieses Partnerschaftsabkommen zustande gekommen? Also: wer hat wen gefunden?

Mike Bucher: Der allererste Kontakt ergab sich schon vor fünf Jahren durch die Exportabteilung der Wienerberger AG. Mit dem Einsatz von Robotern im Baugewerbe setzen wir uns seit einiger Zeit auseinander. Wir haben uns den Markt genau angesehen und festgestellt, dass Fast Brick Robotics in diesem Bereich am weitesten fortgeschritten ist. Mit der Dynamic Stabilisation Technologie ist es dem Hadrian X möglich, Bewegungen, die durch Wind, Vibrationen oder Gegenbewegungen verursacht werden, in Echtzeit zu messen und auszugleichen. In Verbindung mit einem voll integrierten Softwareprozess und einer klaren Ausrichtung auf tragende Wände passt FBR am besten zu den Anforderungen am Bau. 

Wofür ist Hadrian X ursprünglich konzipiert und ist er bereits irgendwo im Einsatz

Bucher: Hadrian X ist tatsächlich für das vollautomatische Bauen mit Ziegelsteinen entwickelt worden. Der Roboter setzt die Steine nicht nur deutlich schneller als menschliche Maurer, er kann auch 24 Stunden am Tag arbeiten. Mit dem etwa 30 Meter langer Arm werden dabei zahlreiche Aufgaben übernommen: Die Ziegel werden auf die Ladefläche des LKWs geladen und dann von Hadrian X automatisch auf ein Förderband gelegt, das diese ans Ende des Armes transportiert. Auf dem Weg dorthin wird ein spezieller Kleber auf die Steine aufgetragen. Bei Bedarf kann Hadrian X sogar die Ziegel zuschneiden. Derzeit ist Hadrian X noch nicht auf einer Baustelle im Einsatz. Sobald wir einen maßgeschneiderten Ziegel entwickeln haben, werden wir ein Pilotprojekt in einem ausgewählten Markt starten.

Was muss man sich unter „für den Roboter optimierte Ziegellösungen“ vorstellen? Wie unterscheiden sich die von bestehenden? Ist W.I. ein Thema oder eher die klassischen Ziegel?

Bucher: Wienerberger und FBR tauschen aktuell Informationen aus, um zu verstehen, wie Robotertechnik im Ziegelbereich eingesetzt werden kann. In weiterer Konsequenz werden wir einen maßgeschneiderten Ziegel entwickeln. Dann folgt eine Phase, in der wir die Technologie nach Europa bringen und in einem Pilotprojekt umsetzen wollen. Die ersten Tests haben ergeben, dass der Roboter 1.000 Ziegel pro Stunde verbauen kann. Und das ist wirklich eine ordentliche Menge.

Wie könnten gemeinsame Geschäftsmodelle aussehen? Von welcher Größe an Wohnbauten sprechen wir hier etc.?

Bucher: Wir wollen herausfinden, wie man diese Robotertechnologie mit dem Planungsprozess bei Architekten und Bauunternehmern verbinden kann - und das mit dem Einsatz von Building Information Modeling (BIM). Mögliche Geschäftsmodelle für diese Partnerschaft werden von uns nach den weiterführenden Gesprächen entwickelt. Hadrian X ist prinzipiell aufgrund seines 30 Meter langen Arms auch für mehrgeschossige Gebäude konzipiert.

Was erwarten Sie sich generell von dieser Zusammenarbeit?

Bucher: Die Baubranche leidet unter dem Facharbeitermangel - gleichzeitig gibt es immer größere Nachfrage nach leistbarem Wohnraum. Das führt unweigerlich zu Engpässen. Mit dem Hadrian X ist es möglich, schnell, sicher und absolut exakt zu bauen. Dieses Konzept und diese Technologie werden unser Geschäft in der Mehrzahl die europäischen Länder vorantreiben.

Und was wäre denn noch spannend im Sinn von Robotik am Bau aus Ihrer Sicht?

Bucher: Mit dieser globalen Partnerschaft mit FBR haben wir für unser Geschäftsfeld „Ziegel“ sicher in die vielversprechendste Technologie investiert. Wenn ich aber in den Bereich Tiefbau oder Rohrsysteme denke, gibt es hier sicher einige Anwendungsfelder, bei denen Robotertechnik unterstützend zum Mensch oder eigenständig Aufgaben übernehmen kann. Ich denke hier z.B. an die Überwachung von Rohrleitungen oder die Schachtinspektion. Wir konzentrieren uns aber jetzt in erster Linie auf den Mauerbereich – hier gibt es schließlich genug zu tun.