Polen

Warschauer Büromarkt weiter auf Expansionskurs

Polnische Metropole hängt Budapest und Prag ab - heuer werden nach Schätzungen weitere 320.000 m2 fertig

International

Warschau ist die Büro-Hauptstadt in Mittel- und Osteuropa, wie aus einer Studie der Immobilienberatungsfirma Cushman&Wakefield hervorgeht. Dem Bericht zufolge gibt es in der polnischen Metropole derzeit über 4 Mio. m2 Bürofläche, während es in Budapest nur 3,1 Mio. sind, in Prag 2,9 Mio. und in Bratislava 1,4 Mio. m2. Der Abstand wird sich der Studie zufolge noch vergrößern: Von den derzeit im CEE-Raum im Baubefindlichen 845.000 m2 befinden sich mit 448.000 m2 mehr als die Hälfte in Warschau.

Allein im Bereich des bisher wenig bebauten Platzes "Rondo Daszynskiego" westlich des Zentrums entstünden derzeit 100.000 m2, so die Studie. Noch heuer soll der Bürokomplex der Qatar Holding "Miasteczko Orange" mit eine Fläche von 44.000 m2 fertiggestellt werden. "Das wachsende Angebot wird die Konkurrenz zwischen den Immobilienentwicklern verschärfen", erklärt Jonathan Hallett von Cushman&Wakefield. Deshalb werben die Firmen heute schon bei der Projektierung oder spätestens während des Baus ihrer Immobilien um künftige Mieter, so Mateusz Polkowski von der Beratungsfirma Jones Lang LaSalle. Seiner Ansicht nach verdankt Warschau diese Entwicklung der Tatsache, dass es in den vergangenen Jahren zum Finanzzentrum von Mittel- und Osteuropa (CEE) geworden sei.

Der Warschauer Büroboom ließ sich schon am früher veröffentlichten Büromarkt-Bericht 2013 der Bank Paribas BNP ablesen. Ihm zufolge kamen im vergangenen Jahr in Warschau neue Büroflächen von 260.000 m2 hinzu, 2011 waren es weniger als die Hälfte. Für heuer rechnet dieser Bericht sogar mit einem Zuwachs von 320.000 m2. Der Leerstand stieg im vergangenen Jahr um 2,1 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent, so BNP Paribas. Der Bericht bestätigte auch den Preisdruck durch die wachsende Konkurrenz: Ende 2012 lag die Miete in den populärsten Bürovierteln im Zentrum der polnischen Hauptstadt bei durchschnittlich 288 Euro pro m2 im Jahr. Dies bedeutete einen Rückgang um 4 Prozent gegenüber dem Wert ein Jahr zuvor. Außerhalb des Zentrums gibt die Studie die Jahresmiete mit 180 Euro pro m2 an.

Ein Bericht der Immobilienberatung Savills vom August bestätigt die Einschätzung der anderen Experten. Demnach seien im ersten Halbjahr 152.500 m2 Bürofläche übergeben worden. Savills hält die Entwicklung in den Gebieten außerhalb des Zentrums für besonders dynamisch, vor allem im Westen. Dies hänge mit der zweiten, von Ost nach West verlaufenden U-Bahn-Linie zusammen, die sich gerade im Bau befindet, so Savills. (APA/red)