Als Immobilienentwickler steht die Buwog genau im Zentrum der Frage: Was zahlt der Kunde? Buwog-Geschäftsführer Andreas Holler stellt die Gegenfrage: „Es kommt darauf an, welcher Kunde? –  Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren auf unserer Prioritätenskala deutlich und spürbar nach oben gewandert. Wir haben uns selber aufoktroyiert, für jede Investition eine Nachhaltigkeitsanalyse zu machen. Wir sind ja schon lange klimaaktiv-Partner und wollen 2035 klimaneutral sein. Jetzt kommt sowohl regulatorischer Druck, über den wir ja schon gesprochen haben, aber es kommt auch von Kundenseite Druck. Im gewerblichen Bereich ist das schon länger so, aber jetzt kommt es auch im Wohnbereich durch institutionelle Investoren, die bestimmte Zertifizierungen im Nachhaltigkeitsbereich verlangen. Beim normalen Endkunden ist das Bewusstsein noch nicht so weit, aber es ist im Kommen, zusammen allerdings mit der sozialen Nachhaltigkeit – also unter anderem allem, was mit Leistbarkeit und Bezahlbarkeit zu tun hat. Was nützen hunderttausend nachhaltige Wohnungen, wenn sie sich niemand leisten kann?“

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Wichtig ist Holler auch im Betrieb die Möglichkeit der nachhaltigen Bewirtschaftung. Hier legt er ein großes Augenmerk auf digitale Tools, durch die sich die ökonomische Rentabilität der Nachhaltigkeitsinvestitionen über die Lebensdauer eines Gebäudes gewährleisten lässt.

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Klemens Haselsteiner, Vorstandsmitglied Strabag: „Wir sind uns einig, dass der Kampf um die besten Mitarbeiter auch an der Nachhaltigkeitsfront entschieden wird. Momentan sind zwar am Ende des Tages die ökonomischen Faktoren noch stärker als die ökologischen, aber bei uns wird das sicher über Regularien wie eine CO2-Steuer kommen. Jeder von uns, der mehr Zeit in das Thema investiert haben wird, hat dann einfach einen Wettbewerbsvorteil.“

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Strabag-Vorstand Klemens Haselsteiner hatte sich Anfang des Jahres im Solid-Titelgespräch („Kann es mir durchaus vorstellen“, Solid 02/2020) als Verfechter relativ kleiner und pragmatischer Lösungen gezeigt, sowohl bei Digitalisierungs- als auch bei Forschungsprojekten, in denen es viel um Nachhaltigkeit geht. „Das Thema, das uns da am unmittelbarsten betrifft“, sagt er in der Diskussion, „ist das der jungen Talente. Wir sind uns im Vorstand der Strabag alle einig, dass der Kampf um die besten Mitarbeiter auch an der Nachhaltigkeitsfront entschieden wird.“ Das Thema der Unterschiede zwischen dem angelsächsischen und dem kontinentaleuropäischen Ansatz sieht er „ein bisschen differenzierter. Das eine ist, dass man etwas in eine Policy gießt und dann einen schönen Bericht hat – aber in der Realität gibt es genug Beispiele, dass das dann doch nicht so eingehalten wird. Wir werden europäisch bleiben: bei uns wird das sicher über Regularien wie eine CO2-Steuer kommen. Jeder von uns, der mehr Zeit in das Thema investiert haben wird, hat dann einfach einen Wettbewerbsvorteil.“ Als schwierigen Knackpunkt betrachtet auch Haselsteiner einerseits die Transparenz und Darstellbarkeit von Nachhaltigkeitsinvestitionen, zum anderen die Bereitschaft der Kunden, für Nachhaltigkeitsleistungen zu zahlen. Im Gegenzug gäbe es genug Möglichkeiten für Unternehmen, aus eigenem Antrieb und um vergleichsweise wenig Geld positive Wirkung zu erzielen. „Momentan sind aber am Ende des Tages die ökonomischen Faktoren noch stärker als die ökologischen.“

Welche Dinge sind es, von denen die Diskutanten meinen, sie würden Nachhaltigkeit um wenig bis kein Geld bringen? Für Hubert Rhomberg ist das etwa Biodiversität in Form von begrünten Dächern oder zusätzlicher Grünflächen, für Andreas Holler jede Form von Kampf gegen Hitzeinseln oder mit Gebäuden verbundene alternative Mobilitätslösungen und deren Konsequenzen wie z.B. von vornherein angelegte leichtere Umnutzungsmöglichkeiten für Parkgaragen. „Man kann sich auch frühzeitig überlegen: Was mache ich mit Office-Gebäuden, wenn auf einmal alle Home Office machen?“ Auch alternative Energieversorgungen wäre ein Thema, das vor allem Überlegung und weniger große Summen kostet.