SOLID 04/2018

Konjunktur am Bau: Ja mit Aber

Die Lagebeurteilung zweier großer Fachverbände zeigt Licht und Schatten. Initiativ-Sein bleibt ein Muss mit Risiko.

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Baustoff-Multi Robert Schmid: "Dort wo die Autobahnen und Eisenbahnen hingehen, entwickelt sich etwas. Wo sie nicht hingehen, entwickelt sich nichts."

Sowohl der Fachverband Steine-Keramik als auch der der Beton-Fertigteilhersteller VÖB haben vor kurzem ihre Konjunkturerhebungen veröffentlicht. Das Bild gleicht sich insofern, als beide Verbände zwar eine gute Konjunktur, aber auch gehörigen Preis- und Innovationsdruck sehen.

So sagt Steine-Keramik-Geschäftsführer Andreas Pfeiler: „Mit einem Umsatzwachstum von 3,62% auf EUR 3,53 Mrd. verzeichneten wir unterm Strich ein gutes Jahr. Bei genauerer Betrachtung wird aber ersichtlich, dass dieses Plus in erster Linie von den hochspezialisierten Industriezuliefer-Branchen getragen wird. Diese verzeichneten ein Wachstum von 7,88%. Die bauaffinen Branchen lagen mit +2,53% deutlich unter dem BIP- Wachstum.

Unter starkem Preis- und Innovationsdruck

Die Baustoffindustrie ist unter einem ganz starken Preis- und Innovationsdruck. „Wir sind mehr denn je gefordert, uns in der Produkt- und Angebotspalette weiterzuentwickeln. Mit Standardprodukten und „more of the same“ werden wir uns auf Dauer nicht behaupten können. Bei fast allen Bauprodukten sind wir allerdings gleichzeitig mit einem erheblichen Preisverfall konfrontiert, was den Spielraum für Investitionen und Innovationen massiv einschränkt“, ergänzt Pfeiler. Damit die Branche ihr Innovations- und Wachstumspotenzial heben kann, müssen politische Weichenstellungen vorgenommen werden. „Konkret geht es uns um die Forcierung heimischer Baustoffe, um eine Regionalitäts- und eine Infrastrukturoffensive“, so Manfred Asamer, Obmann des Fachverbands.

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Wopfinger-Chef Robert Schmid zur Infrastrukturoffensive: "Es geht um politische Konzepte und Raumordnungsthemen, die dazu führen, die Flucht vom Land in die Stadt etwas zu verlangsamen oder vielleicht sogar umzudrehen. Wenn sie sich etwa deutschlandweite Ballungskarten anschauen, gibt es drei bis vier große Regionen - vornehmlich in Bayern, aber auch in Nordrhein-Westfalen -, wo auch außerhalb der Städte wahnsinnig viele Menschen wohnen und wo auch ein unglaublicher Zuzug ist. der Grund ist, dass sie das Konzept der Erreichbarkeit durch die Verkehrswege einfach gut umgesetzt haben. Man muss sich ja nur die Gegend nördlich und nordwestlich von Wien anschauen. Das war ja vor 20 bis 30 Jahren noch alles tote Hose. Seit die Verkehrswege da ausgebaut worden sind, gibt es dort eine konjunkturelle Entwicklung, die außergewöhnlich ist."

Die Stimmung der gesamten Baubranche spiegelt sich auch im aktuellen VÖB Konjunkturbarometer wider: Im 1. Halbjahr 2018 rechnen gut 90% der Verbandsmitglieder mit einem mindestens zufriedenstellenden Ergebnis für ihr Unternehmen. Mit Blick auf die gesamte Branche stufen sie die Entwicklungen im Geschäftsjahr 2018 weiterhin optimistisch ein: 63% gehen von einer Umsatzsteigerung aus, ein gutes Drittel erwartet sich zumindest einen gleichbleibenden Umsatz im Vergleich zum Vorjahr.

VÖB-Präsident Franz Josef Eder versteht zwar die Euphorie, die die einträgliche Auftragslage derzeit mit sich bringt, mahnt die Branche jedoch zur Vorsicht: „Auch wenn die derzeitige Auslastung Anlass zur Freude gibt, kann sich die Situation in den kommenden Jahren durchaus verändern. Es wurden rund 55.000 neue Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. 40.000 bis 45.000 Genehmigungen werden von der Branche als vernünftiger, nachhaltiger Bedarf gesehen. Vor nicht allzu langer Zeit wurden lediglich 35.000 Baugenehmigungen statistisch erfasst“, warnt Eder vor allzu euphorischen Zukunftsausblicken und weist damit auf die knifflige Situation hin, in der sich die Branche befindet.