Vor dem Bauen

Das zeigt Österreich auf der 16. Architektur-Biennale in Venedig

Der österreichische Pavillon bewegt sich im „Freiraum“, dem diesjährigen Biennale-Motto, mit doppeldeutigem Titel und lässt auch ansonsten Spielraum zur Interpretation. Von identen nicht-identen Räumen bis hin zur Revolutionierung des eigenen Entwurfs. Mit Video!

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„Thoughts Form Matter“ lautet der Titel des österreichischen Pavillons bei der diesjährigen Biennale in Venedig – also ein doppeldeutiges Motto, denn sowohl könnten die Gedanken die Materie formen, als auch einfach eine Auflistung gemeint sein: Gedanken, Form, Materie. Er gliedert sich auf jeden Fall gut ein in „Freespace“, die Betitelung der 16. Biennale di Venezia, die von 26. Mai bis 25. November 2018 läuft.

Die Kuratorin des Pavillons, Verena Konrad, sowie die von ihr ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, werden wohl am besten wissen, wie der Titel des österreichischen Beitrages am ehesten zu verstehen ist. Die Teilnehmenden, das sind LAAC, Henke Schreieck und Sagmeister & Walsh, „in deren Arbeiten die Beschäftigung mit gedanklichen und gestalterischen Freiräumen eine zentrale Rolle einnimmt“, wie Gernot Blümel, Bundesminister für Kunst und Kultur, sagt. Der Pavillon, 1934 offiziell eröffnet, steht heute unter italienischem Denkmalschutz und wird vom Bundeskanzleramt betreut. Er ist dieses Jahr einer von insgesamt 61 nationalen Beiträgen auf der weltweit wohl wichtigsten internationalen Architekturausstellung.

© Österreich Pavillon 2018, Foto: Martin Mischkulnig

Atmosphäre und Sphäre 

Henke Schreieck trägt zum österreichischen Pavillon eine begehbare Holzkonstruktion und einen Lichtraum bei. So sollen in zwei baulich gesehen identen Räumen gänzlich unterschiedliche Atmosphären geschaffen werden. Von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh kommen eine Rauminstallation und Projektionen, um dem ästhetischen Anspruch der Architektur nachzugehen. 

Das Architekturbüro LAAC fügt dem Pavillon eine Kreisfläche ein. Die Installation namens „Sphäre 1:50.000“ soll eine räumliche Abweichung in einem streng symmetrisch gehaltenen Gebäude sein. Der Pavillon selbst wurde 1934 nach Entwürfen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter errichtet. 20 Jahre später kam eine bogenförmige Gartenmauer im Hinterhof hinzu, ebenfalls von Hoffmann. LAAC interpretieren dieses Hinzufügen durch den Architekten als eine Revolutionierung des eigenen Entwurfs und Abweichung – re-inszeniert durch das Projekt Sphäre 1:50.000.

© Österreich Pavillon 2018, Foto: Martin Mischkulnig

Ausgezeichnete Raumhöhe 

Den Goldenden Löwen gab es zum Auftakt der Biennale 2018 allerdings für den Pavillon der Schweiz. Der Beitrag „Svizzera 240: House Tour“ zeigt eine leere Wohnung und Thematisierungen der als optimal benannten Raumhöhe von 240 Zentimetern. Der britische Architekt und Architekturhistoriker Kenneth Frampton bekam den Goldene Löwen für sein Lebenswerk.

https://youtu.be/GLx49Z42Fbs