Österreich, Vereinigte Arabische Emirate

Architektonisches Kunstwerk aus Stahl

Spektakuläre Kuppelkonstruktion von Waagner-Biro für den Louvre Abu Dhabi.

Stahlbau Waagner Biro Großprojekt Österreich VAE Thomas Jost


Am 11. November 2017 wird die Dependance des Louvre Museums in Paris auf der Museumsinsel in Abu Dhabi (VAE) eröffnet. Mit der Realisierung gelang Waagner Biro die Umsetzung eines weiteren prestigeträchtigen Projekts. Der Entwurf stammt vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Der Auftragswert für das österreichische Unternehmen Waagner Biro umfasste dabei knapp 80 Millionen Euro.

Für diese Kuppel erhielt Waagner Biro unter anderem den Sonderpreis beim SOLID Bautechpreis 2017 und danach auch den European Steel Award 2017.

Das Projekt war allerdings für Waagner Biro alles andere als unproblematisch, so dass WB-CEO und Miteigentümer Thomas Jost zu SOLID sagte: "Das machen wir unter diesen Umständen nicht mehr!"

Auf Saadyat Island, einer dem Zentrum Abu Dhabis unmittelbar vorgelagerten, künstlich angelegten Insel, entsteht seit einigen Jahren eine Reihe namhafter kultureller Institutionen. Gemeinsam sollen sie einmal die weltweit größte Konzentration hochkarätiger Kulturgüter darstellen. Mit der Eröffnung ist der Louvre Abu Dhabi das erste von insgesamt fünf Museen.

Konstruktion in Größe von fünf Fußballfeldern
Mit 178 Metern Durchmesser entspricht die offene – aus Stahlprofilen gefertigte – Kuppelkonstruktion der Größe von fünf Fußballfeldern. Ober- wie Unterseite sind dabei mit ornamentalen Mustern aus Aluminiumprofilen veredelt, wodurch eine besondere Lichtqualität erzeugt wird. Diese besondere Nutzung des natürlichen Lichteinfalls war auch die Inspiration des französischen Stararchitekten Jean Nouvel.
Gekonnt inszeniert er durch den Lichteinfall  eine Stimmung, die an einen orientalischen Basar erinnert. An nur vier Punkten berührt die Kuppel das darunter liegende Gebäude und erweckt dadurch den Anschein zu schweben.Zudem stehen die Museumspavillons teils im Meerwasser, wodurch ein anmutendes Wechselspiel aus direktem und indirektem Lichteinfall erzeugt wird.

Waagner-Biro, VAE, Louvre, Abu, Dhabi, Stahlkuppel © Mohamed Somji

Museum aus 55 weißen kubischen Häusern
Der gesamte Museumskomplex setzt sich aus 55 weißen kubischen Häusern zusammen und erinnert an ein traditionelles arabisches Dorf, das von der großen schattenspendenden Kuppel überdacht wird. Im Gegensatz zu den ausgeglichenen Lichtverhältnissen in den Ausstellungsräumen werden die zentralen Plätze und Mauern des Geländes durch scharfe Lichtbündel („Rain of Light“) in eine gesprenkelte surreale Welt verwandelt. Ein Schutz vor Regen ist auf Grund des heißtrockenen Klimas nicht erforderlich, weshalb man auf eine Dachhaut im eigentlichen Sinne verzichtet hat.

Die Kuppel des Loure Abu Dhabi ist perforiert wie ein Korbgeflecht. Ober- und Unterseite sind mit je vier Ebenen aus kreuzförmigen, unterschiedlich großen Aluminiumprofilen bedeckt, die Gitterstrukturen mit orientalischen Mustern bilden. Durch die Verdrehung und Verschiebung der Muster löst sich die klare Geometrie auf und verwandelt die Konstruktion in ein scheinbar chaotisches Gewirr, ähnlich einem Sternenhimmel.

Waagner-Biro, VAE, Louvre, Abu, Dhabi, Stahlkuppel © Mohamed Somji

Schwerpunkt kulturelle Bauten
Waagner-Biro wirkte bereits erfolgreich an zahlreichen Projekten im Kulturbereich mit. Darunter das British Museum in London, der Louvre Paris oder das jüngst preisgekrönte Etihad Museum in Dubai. Nach der Bereitstellung der gesamten Bühnentechnik für das weltberühmte Opernhaus in Sydney sowie der kürzlich eröffneten Staatsoper „Unter den Linden“ Berlin konnte mit der Eröffnung des Louvre Abu Dhabi ein weiteres Prestigeprojekt von Waagner-Biro fertiggestellt werden. Für seine Leistung in Zusammenhang mit dem Louvre Abu Dhabi wurde Waagner-Biro erst im September mit dem European Steel Building Award ausgezeichnet.

Tatsächlich scheinen kulturelle Institutionen von Weltformat bevorzugt auf anspruchsvolle bzw. komplexe Architektur zu setzen: „Durch unsere Spezialisierung auf Stahl-Glastechnik, Bühnentechnik und den Bau von Spezialmaschinen ist es uns gelungen, eine Art Nischenposition einzunehmen. Darauf sind wir stolz und darauf wollen wir weiter aufbauen“, begründet Thomas Jost, Vorstand und Miteigentümer von Waagner-Biro den Erfolg des österreichischen Unternehmens. (APA/OTS)