SOLID 07+08/2019

Am besten nichts Neues: die Top 150 Baufirmen Österreichs 2019

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Eines kann man mit Sicherheit sagen: sollte wieder eine Wirtschaftskrise kommen wie vor knapp zehn Jahren, so ist die Bauwirtschaft bedeutend besser vorbereitet als damals, Als das Geld nahezu abgeschafft schien und man ähnlich wie bei der US-Immobilienblase Wachstum auf vage besicherten Krediten oder anderweitigen Liquiditätsaufnahmen (Stichwort Alpine-Pleite) schaffen musste, um das Überleben zu sichern.

Alle anderen Voraussagen sind entweder naives oder fortgeschrittenes Kaffesudlesen, etwa so aussagekräftig wie Meinungsbefragungen vor Wahlen in Zeiten großer Dynamiken in den Wählerbewegungen.

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So gibt es aus dem für Österreich und vor allem für die großen Firmen entscheidenden deutschen Markt beinahe im Wochenrhythmus einander widersprechende Meldungen von Stagnations- und Rezessionsanzeichen, dann wiederum wird es doch ein besseres Jahr als alle erwartet haben. Wer soll sich da auskennen? Will es überhaupt jemand - oder arbeitet man lieber einfach so seriös als möglich weiter?

Denn noch eins ist sicher: die Bauwirtschaft würde von einem allfälligen Wachstumsrückgang oder gar einer Krise mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wesentlich später betroffen sein als die Konsumgüterindustrie oder der Dienstleistungssektor.

Die Auftragsbücher werden immer voller, die Firmen müssen aus Kapazitätsgründen teils Aufträge ablehnen bzw. verschieben (oder können sich die Rosinen heraus picken, je nach Interpretationsansatz). Selbst für bestehende Aufträge werden händeringend etwa auf Internet-Businessplattformen Bauleiter gesucht. Fragt man dann weiter, was denn die Branche zu tun gedenke, um dieses Problem erfolgreich zu adressieren, außer warten, bis sich die Konjunktur abschwächt, kommt als Antwort: so weit entfernt von der Wahrheit ist das nicht.

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Umsätze schießen hoch, Bauleistung noch mehr, Gewinne dümpeln dahin

Tatsache ist, dass die Umsätze der österreichischen Baufirmen nach wie vor im Steigen begriffen sind. Firmen wie die Porr, die Niederösterreich-Leader Leyrer + Graf und andere sind in den letzten Jahren um 40 bis 100 Prozent gewachsen. Und von einigen Unternehmen erfährt man bei Rückfragen wegen der Ergebnisse, dass die Bauleistung des laufenden Jahres noch wesentlich höher ist – damit dürfte auch für das Umsatzranking 2020 für weiter gute Zahlen gesorgt sein.

Was allerdings ebenfalls exorbitant steigt, sind die Baukosten – und die fressen je nach Verteilung bei einzelnen Firmen und Projekten die fetten Umsätze beinahe auf.

Das Thema ist also: Konsolidierung in einer Noch-Hochkonjunkturphase und Vorsorge für normale bis nicht mehr ganz so gute Zeiten. Denn irgendwann wird der Hochbauboom in der derzeitigen Form vorbei sein müssen – zu tun bleibt allerdings in Infrastruktur und Refurbishment mehr als genug.

„Ergebnis vor Umsatz“

Ende April verdichtete sich diese Marktstimmung in den unmittelbar hintereinander stattgefunden habenden Bilanzveröffentlichungsveranstaltungen der Branchenleader Strabag und Porr. Beide legten Umsatz- und Auftragrekorde sowie Gewinnsprünge hin – und doch betonten die Vorstände beider Unternehmen lediglich in etwas unterschiedlichen Worten, dass der Fokus in den kommenden Jahren mehr auf Ergebnis als auf Umsatz liegen müsse.

Für Porr-CEO Karl-Heinz Strauss lag dies insofern fast auf der Hand, weil sich in den letzten fünf Jahren parallel zum 40-prozentigem Wachstum der Mitarbeiterstand von 10.000 auf 20.000 verdoppelt hat. Dieses Wachstum, sagte Strauss, braucht zum einen eine neue Unternehmenskultur (die auf den fünf internen und in alle Hierarchierichtungen geltenden Prinzipien Verlässlichkeit, Schulterschluss, Anerkennung, Leidenschaft und Pioniergeist aufbaut), zum anderen gelte es eben, sich von der reinen Wachstumsstrategie beim Umsatz weg zu orientieren zu einer Strategie, die mehr auf Profitabilität und Ergebnis abzielt.

Die Kapazitäten seien voll ausgeschöpft und das Marktumfeld halte bei mehr Aufträgen nicht unbedingt bessere Ergebnisse, sondern auch mehr Risikoherde bereit, sagte Strauss sinngemäß, und:

„Unkontrolliertes Wachstum mit ausschließlichem Fokus auf Umsatz ist gefährlich. Die Porr setzt daher seit Jahren auf ihre Erfolgsstrategie des Intelligenten Wachstums. Damit gelingt es uns, nicht nur unsere Kernkompetenzen auszubauen, sondern auch in unseren Heimmärkten in einzelnen Regionen zu wachsen. Beides ist für die Gruppe wichtig, um unsere jeweilige Marktposition zu untermauern. Vor allem aber liefert es uns auch im Wettbewerb um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen entscheidenden Vorsprung. Wir wollen schließlich nicht die Größten, aber die Besten sein.“

Ähnlich das Bild beim Branchenprimus Strabag. Auch hier zeichneten CEO Thomas Birtel und CFO Christian Harder ein Bild von Gegenwart und Zukunft, das die Orientierung am Ergebnis vor dem Umsatz nahe legte. Auf direkte Nachfrage sagte Birtel: „Ja, das stimmt. In Wirklichkeit arbeiten wir schon seit Jahren an diesem Prinzip, weil wir seit Jahren wissen, dass der Umsatz in einer vernünftigen Konstellation irgendwann nur mehr beschränkt wachsen kann." Jetzt träte das nur klarer zutage.

CFO Christian Harder merkte darüber hinaus im Gespräch danach an, dass es dabei ja auch um Nachhaltigkeitsthemen gehe, die die ganze Welt betreffen - nur eben nicht mehr als romantische Idee von den Grenzen des Wachstums, sondern als „knallharte wirtschaftliche Wirklichkeit.“

Insofern zeigte sich die Strabag bei ihren Umsatzprognosen für das laufende Jahr sehr konservativ, es würde wohl ziemlich seitwärts gehen.

Auch Margenziele steigen

Ein Monat später sah die Welt wieder ein wenig anders aus.

Die Bauleistung der Strabag in Q1 war gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 19 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro geklettert und die Erwartungen für das Gesamtjahr wurden nach oben geschraubt.

"Nach der deutlichen Leistungssteigerung in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs gehen wir nun davon aus, dass die Leistung 2019 die bisher erwarteten 16 Mrd. Euro überschreiten wird", so Konzernchef Thomas Birtel. Die prognostizierte EBIT-Marge von "mindestens 3,3 Prozent" bleibt unverändert. "Mittelfristig soll sie aber weiter steigen - wir setzen uns das Ziel, bis 2022 ein Niveau von 4 Prozent zu erreichen", so die Vorgabe des Vorstandschefs.

Der Auftragsbestand der Strabag erhöhte sich heuer in den ersten drei Monaten um weitere 2 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro – mit Zuwächsen in Deutschland und Tschechien und Rückgängen in Ungarn und der Slowakei hingegen verringerte sich der Orderbestand, da zahlreiche Großprojekte ausliefen.

In fünf der sechs größten europäischen Märkte - darunter auch Österreich - stieg die Bauleistung zwischen Jänner und März bereits zweistellig.

„Es braucht ein starkes Controlling“

Andere Stimmen zum Thema schlagen in eine ähnliche Kerbe: „Bei Swietelsky“, sagt der Geschäftsführer von Österreichs Nummer Drei, Karl Weidlinger, „galt die Ansage Ergebnis vor Umsatz auch schon in der Vergangenheit. Umsatzzuwachs ist zwar schön, jedoch war bei uns seit jeher die Ansicht, dass ein solcher nur bei Halten eines vernünftigen EBT-Prozentsatzes angestrebt werden soll.“ Stefan Graf, CEO der oben erwähnten Leyrer + Graf und auch in der WKÖ engagiert, spricht von einer „betriebswirtschaftlichen Selbstverständlichkeit, dass Ergebnis vor Umsatz zählt. Jede Abweichung von diesem Kurs sollte aus meiner Sicht nur aus besonderen und strategischen Gründen erfolgen, wenn man beispielsweise eine kurzfristige Wachstumsstrategie verfolgt.“

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Eine Schlüsselfunktion in diesen Wachstumszeiten hätte, so Graf, ein starkes Controlling, um das betriebswirtschaftliche Gleichgewicht halten zu können. Und er nennt die leise Zwickmühle, in der sich die Branche befindet, beim Namen: „Aktuell herrscht bekanntermaßen Höchstkonjunktur, die es zumindest erleichtert, die Umsätze zu erhöhen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass der Anstieg der Baukosten, besonders bedingt durch Steigerungen bei Rohstoffen und bezogenen Leistungen, nicht zur Gänze über den Preis im Markt unterzubringen ist. Dadurch kommen die Ergebnisse unter Druck, umso mehr muss man sehr genau auf die Unternehmenspolitik achten, um den Kurs zu halten.“

Und stellt man die Frage einem großen Zulieferer, antwortet Wienerberger-Österreich-Geschäftsführer Mike Bucher: „Auch wenn man im täglichen Geschäft manchmal daran zweifeln mag, gehe ich davon aus, dass Sie in Österreich eine sehr einheitliche Antwort in Richtung Ergebnis erhalten. Für die Wienerberger Österreich kann ich das nur bestätigen. Sowohl Eigentümer als auch Management können sich vom Umsatz nichts kaufen.“

Die Route für die kommenden Jahre scheint also klar vorgegeben. Und wenn sich die Weltwirtschaft nicht komplett dumm anstellt, scheinen monströse Ausschläge nach oben und nach unten wie vor und durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 eher unwahrscheinlich.

Gute Bedingungen für unsere Branche, um den nächsten großen und notwendigen Schritt zu einer längst ausstehenden Produktivitätssteigerung zu setzen – denn dieser ist es, der das Ergebnis bei gleichbleibendem Umsatz verbessert.