KI am Bau : Wie Baumit mit KI seine Content-Produktion in 21 Ländern steuert
Roman Stickler (rechts), CMO der Baumit Group und Arno Weisböck (links), Digital Marketing Manager, freuen sich über den Award „The Best AI Project“.
- © BaumitBei der zweiten Ausgabe der AIR Salzburg, Österreichs Fachveranstaltung für Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Robotik, erhielt die Baumit Group am 23. April den Award „Best AI Project". Ausgezeichnet wurde der sogenannte „Baumit Agent" – ein KI-gestütztes System für die Erstellung und Verwaltung von Inhalten über alle Märkte und Kanäle hinweg. Das Projekt setzte sich gegen rund 100 Einreichungen durch, bewertet von einer Jury, der unter anderem der CTO der Energie AG, der Chief Innovation Officer des ORF und die ehemalige Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck angehörten.
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Das Problem hinter dem Projekt
Baumit ist mit mehr als 40 Gesellschaften in 21 Ländern aktiv und erzielte 2025 einen Gruppenumsatz von 1,67 Milliarden Euro. Die Produktpalette reicht von Fassadensystemen über Putze und Estriche bis zu Transportbeton und Füllstoffen. Wer in dieser Breite über Websites, Newsletter und Social Media kommunizieren will – und zwar markt- und sprachspezifisch –, steht vor einem Skalierungsproblem. Lokale Teams müssen Inhalte erstellen, die sowohl technisch korrekt als auch markenkonform sind. In der Praxis führt das zu einem Engpass: Entweder werden Inhalte zentral erstellt und passen nicht zum lokalen Markt, oder sie werden lokal produziert und weichen von der Markenlinie ab.
Der Baumit Agent soll dieses Dilemma lösen. Das System greift ausschließlich auf freigegebene Baumit-Inhalte zu – Produktdaten, technische Dokumentationen, definierte Markenregeln – und generiert daraus Texte für unterschiedliche Kanäle und Zielgruppen. Externe Datenquellen werden bewusst nicht eingebunden, was das Risiko fehlerhafter oder unkontrollierter Inhalte reduziert. CMO Roman Stickler positioniert das Tool als Entlastung, nicht als Ersatz für die Marketingteams in den einzelnen Ländern.
Kontext: KI in der Baustoffbranche
In der Baubranche wird KI bislang vor allem im Kontext von Planung (BIM), Vermessung und Logistik diskutiert. Dass ein klassischer Baustoffhersteller – kein Tech-Konzern, kein Startup – bei einem branchenübergreifenden KI-Wettbewerb den Hauptpreis holt, ist durchaus beachtenswert.
Denn die Herausforderung, die Baumit adressiert, ist keine exotische: Nahezu jeder international tätige Baustoffproduzent kämpft mit der Frage, wie sich Produktinformationen konsistent und aktuell über Dutzende Märkte ausspielen lassen. Die meisten lösen das Problem nach wie vor mit manuellen Prozessen, E-Mail-Ketten und lokalen Agenturen. Baumit hat bereits in der Vergangenheit früh auf Technologie gesetzt – etwa mit dem BauMinator, einem hauseigenen 3D-Betondrucksystem, das bereits bei Deckenkonstruktionen in Salzburg, Lunz am See und Bludenz zum Einsatz kam. Dass das Unternehmen nun auch in der Kommunikation auf eine zentrale KI-Lösung setzt, fügt sich in diese Linie.
Gleichzeitig fällt das Projekt in eine Phase, in der Baumit operativ unter Druck steht. Nach zwei Jahren mit Umsatzrückgängen stabilisierte sich der Österreich-Umsatz 2025 bei 290 Millionen Euro. Der Neubau bleibt schwach, das Geschäft wird zunehmend vom Sanierungsbereich getragen. In diesem Umfeld gewinnen Effizienzprojekte wie der Baumit Agent an Bedeutung – nicht als Prestigeprojekt, sondern als Instrument, um mit weniger Ressourcen die gleiche oder bessere Kommunikationsqualität zu liefern.
Was die Auszeichnung bedeutet – und was nicht
Die AIR Salzburg ist eine noch junge Veranstaltung. Die Premiere fand im Juli 2025 statt, die zweite Ausgabe wurde auf April 2026 vorgezogen. Die rund 150 Teilnehmer kamen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, das Format ist kompakt und auf Praxisbezug ausgerichtet. Es ist kein Web Summit und auch kein Slush – aber es ist eine der wenigen österreichischen Plattformen, die KI-Projekte branchenübergreifend bewertbar macht.
Für Baumit ist die Auszeichnung ein Signal nach innen wie nach außen: Ein Familienunternehmen mit Wurzeln im 19. Jahrhundert, das sich mitten in einem Markenrelaunch und einem strategischen Umbau Richtung Kreislaufwirtschaft befindet, zeigt, dass Digitalisierung bei einem Baustoffhersteller mehr sein kann als ein Schlagwort in der Jahrespressekonferenz.