Start-Ups im Fokus : Revitalyze aus Innsbruck: Wie das Start-up Tenderhub mit KI Bauausschreibungen analysiert
Das Team von Revitalyze in Innsbruck entwickelt mit Tenderhub eine KI-gestützte Plattform, die Ausschreibungsunterlagen automatisch auf Risiken und Widersprüche prüft.
- © RevitalyzeGegründet 2021 von David Plaseller aus Südtirol und Michael Streif aus Tirol, startete das Innsbrucker Unternehmen Revitalyze als Plattform für die Wiederverwendung kreislauffähiger Bauteile: ein One-Stop-Shop, der die Materialbeschaffung von Recycling-Komponenten automatisieren und gleichzeitig eine Lösung zur Berechnung des CO₂-Fußabdrucks bieten sollte. Der Ansatz brachte dem jungen Team früh Anerkennung ein: 2021 den Tiroler Innovationspreis, 2023 den renommierten Josef Umdasch Research Prize, bei dem sich Revitalyze gegen 67 Einreichungen aus aller Welt durchsetzte.
Die Idee war richtig, der Markt aber noch nicht so weit. Zirkuläres Bauen bleibt vielfach ein Nischenthema, obwohl laut Umweltbundesamt zwei Drittel des heimischen Abfallaufkommens auf den Bausektor entfallen. Die Nachfrage nach wiederverwendeten Bauteilen wuchs langsamer als erhofft. Also vollzog Revitalyze einen strategischen Schwenk — und entwickelte aus dem Know-how rund um Bauausschreibungen und Materialspezifikationen ein neues Produkt: Tenderhub, eine KI-gestützte Plattform für die Analyse von Ausschreibungsunterlagen. „Wir haben gemerkt, dass für die Branche aktuell andere Themen wie KI und Prozessautomatisierung sehr relevant sind", sagt Gründer David Plaseller. Von der Kreislaufwirtschaft verabschiedet habe man sich aber nicht: „Wir konzentrieren uns nun sehr stark auf die Vorbereitungsphase. Dadurch können relevante Kosten in Bezug auf Materialentscheidungen und Projektrisiken vorweggenommen werden."
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Revitalyze im Überblick
- Gegründet: Das Unternehmen wurde 2021 gegründet.
- Sitz: Der Firmensitz ist in Innsbruck, Tirol.
- Gründer: Hinter Revitalyze stehen David Plaseller aus Südtirol, Michael Streif aus Tirol und Christoph Mayrhohenburg aus Bayern.
- Produkt: Die KI-gestützte Plattform Tenderhub analysiert Ausschreibungsunterlagen.
- Auszeichnungen: Josef Umdasch Research Prize 2023, Cemex Top 50 ConTech 2025.
- Förderung: Das Unternehmen ist aws-gefördert.
- Web: revitalyze.io
Das Problem kennt jede Kalkulationsabteilung
Hunderte Seiten an Leistungsverzeichnissen, Planunterlagen und Vertragsbedingungen müssen geprüft werden, oft unter enormem Zeitdruck. Widersprüche zwischen Dokumenten, versteckte Nachtragspotenziale, kritische Passagen, wer sie übersieht, riskiert Mehrkosten in Millionenhöhe. Gleichzeitig wird qualifiziertes Personal in der Kalkulation immer knapper, das Erfahrungswissen der älteren Generation geht in den Ruhestand. Tenderhub soll diese Fehlerquellen automatisch erkennen, bevor ein Angebot abgegeben wird. Laut Revitalyze reduziert das Tool den Prüfaufwand um bis zu 90 Prozent. Dabei ersetzt die KI den Kalkulator nicht, sondern fungiert als intelligenter Assistent, der Risiken und Unstimmigkeiten aufzeigt, die in der Masse der Dokumente leicht untergehen.
Die erfahrenen Kalkulatoren in Bauunternehmen von einer KI zu überzeugen, sei einfach und schwer zugleich, sagt Plaseller: „Man muss von der ersten Sekunde an einen konkreten Mehrwert liefern und gleichzeitig eine Lösung bauen, die sich nahtlos in die bestehende Arbeitsweise integriert."
Auszeichnungen und eine Vision, die bleibt
Die zunehmende Komplexität von Ausschreibungen, verschärfte ESG-Anforderungen und der chronische Fachkräftemangel machen digitale Unterstützung zum Muss. Revitalyze arbeitet bereits mit großen Pilotunternehmen aus der Baubranche zusammen und hat das Team gezielt um Experten aus der Baukalkulation erweitert. 2024 folgte die Aufnahme unter die acht Gewinner der globalen Construction Startup Competition, 2025 die Auszeichnung als eines der weltweit 50 wichtigsten Construction-Tech-Startups durch Cemex Ventures. Eine sechsstellige Förderung der Austria Wirtschaftsservice und ein laufendes aws-Forschungsprojekt sichern die Weiterentwicklung.
Die Kreislaufwirtschafts-DNA lebt in Tenderhub weiter. „Unsere Vision ist nach wie vor, die Baubranche in eine nachhaltigere Zukunft zu lenken", so Plaseller. „Deshalb integrieren wir relevante Material- und Umweltinformationen in die Ausschreibungsanalyse. So ermöglichen wir es Baufirmen, Herstellern und Ausschreibenden, bessere Entscheidungen von Beginn an zu treffen."