Baubranche Österreich : Aus Platz 1 wird Platz 8: Wie KI-Systeme Porr und Strabag ganz anders bewerten als die Medien
Axel Maireder, Geschäftsführer von PER Insight, untersucht mit der Bau-Reputationsstudie 2026 erstmals parallel, wie klassische Medien und KI-Systeme Österreichs Bauunternehmen und Immobilienentwickler bewerten.
- © Anna Sommerfeld / PER InsightWer heute wissen will, welches Bauunternehmen in Österreich verlässlich arbeitet, fragt nicht mehr zwangsläufig eine Suchmaschine, sondern immer öfter ein KI-System, und bekommt eine fertige Antwort mit Firmennamen darin. Genau diese Antwort hat PER Insight für die Baubranche systematisch untersucht, parallel zur klassischen Medienberichterstattung. Das Ergebnis zeigt zwei Perspektiven, bei denen dieselben Unternehmen im selben Jahr sehr unterschiedlich beurteilt werden.
PER Insight erhebt die Medienreputation der Baubranche bereits seit 2025 jährlich. Neu ist in diesem Jahr die zweite Ebene: Erstmals hat das Unternehmen zusätzlich gemessen, wie KI-Systeme über dieselben Unternehmen sprechen.
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FACTBOX: Methodik
Medienreputation: Erfasst wird nicht der Artikel, sondern die einzelne Aussage über ein Unternehmen. Jede Aussage erhält eine Tonalität (positiv/neutral/negativ), eine Reichweite und eine von sechs Reputationsdimensionen (Produkt & Service, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Management, Arbeitgeber, Innovation). Die Arbeitgeberdimension bezieht zur Hälfte Bewertungen von Jobplattformen ein. Aus Tonalität, Reichweite und Dimension entsteht je Dimension ein auf 0 bis 10 normierter Score, der Gesamtindex ist deren Mittelwert und bestimmt die Reihung. Unterbranchen werden getrennt normiert, Ränge verschiedener Unterbranchen sind nicht vergleichbar. Die Baubranche wird bereits seit 2025 jährlich erhoben, das aktuelle Erhebungsjahr ist 2026.
KI-Reputation: Anders als die Medienreputation wurde diese Erhebung heuer erstmals durchgeführt, ein Vorjahresvergleich existiert deshalb noch nicht. Im Juli und August 2026 wurden drei KI-Systeme befragt, Claude Sonnet 5, GPT-5.5 und Gemini 3.5 Flash, jeweils mit aktivierter Websuche. Je Unterbranche wurden 21 Fragen an alle drei Systeme gestellt, jede Frage 13-mal wiederholt, weil KI-Systeme auf dieselbe Frage nicht zweimal dieselbe Antwort geben. Das ergibt 819 Antworten je Unterbranche. Sechs Fragen kommen aus der Beobachterperspektive (eine je Dimension), 15 aus der Ich-Perspektive über fünf unterbranchenspezifische Rollen (bei Bauunternehmen etwa „öffentlicher Auftraggeber" oder „Arbeitssuchende"), mit je drei Fragen pro Rolle. Jede Frage endet mit derselben Zusatzaufforderung nach konkreten negativen Punkten. Aus den Antworten entsteht dieselbe Score-Logik wie bei den Medien, Jobplattformen fließen hier nicht gesondert ein. Die KI-Erhebung deckt neun von fünfzehn Unterbranchen ab, darunter Bauunternehmen und Immobilienentwickler.
Das durchführende Unternehmen hieß bislang IMWF Austria und firmiert seit Kurzem als PER Insight.
Bauunternehmen: Porr führt in den Medien klar
58 Bauunternehmen umfasst das Feld in der Medienmessung, 2025 waren es 57. Porr liegt mit gut einem Viertel aller Aussagen der Unterbranche vorn und ist in vier von sechs Dimensionen Branchenbester. Die Wirtschaftlichkeit tragen der Tunnelbau, darunter der Koralmtunnel, Rekord-Produktionsleistungen aus Großprojekten in Rumänien, Polen und Tschechien sowie die Rolle der Aktie im ATX, im Management eine Gewinnsteigerung um ein Viertel auf 136,7 Millionen Euro. Einzig bei der Arbeitgeberdimension fällt Porr trotz guter Jobplattform-Werte (4,1 von 5 Sternen bei 1.376 Bewertungen) medial zurück.
Auf Platz 2 folgt Leyrer + Graf mit nur einem Zehntel der Aussagenmenge von Porr, dafür mit dem höchsten Tonalitätssaldo unter den drei Erstplatzierten. Am besten schneidet Leyrer + Graf beim Thema Arbeitgeber ab mit 4,4 von 5 Sternen und 89 Prozent Weiterempfehlungen. Strabag liegt trotz der größten Präsenz der gesamten Unterbranche, mehr als Porr, nur auf Platz 3. In Produkt & Service und Innovation ist Strabag Branchenbester, Wirtschaftlichkeit und Management fallen aber auf null, ausschlaggebend sind die im März 2026 von 45 auf 146 Millionen Euro erhöhte Kartellstrafe, die Berichterstattung über die Anklagen im Signa-Komplex und ein Streit über Baumängel mit dem ungarischen Bauministerium.
In der KI-Messung führt ein ganz anderes Unternehmen
Bei denselben 58 Bauunternehmen sieht die KI-Rangfolge anders aus. Auf Platz 1 liegt Rhomberg Bau, das in vier der sechs Dimensionen den Maßstab setzt. Die drei KI-Systeme beschreiben das Unternehmen wiederkehrend über ein technisches Profil: das Holz-Hybrid-System CREE, das weltweit lizenziert wird und laut den Aussagen bis zu 90 Prozent CO₂ spart, das achtgeschossige LCT One in Dornbirn als früher Prototyp des Holzsystembaus, eine Auszeichnung für Bauschutt-Recycling und der hochautomatisierte Gleisbau über Rhomberg Sersa.
Auf Platz 2 folgt i+R Bau, das in der Medienmessung nur auf Platz 17 liegt. In der Managementdimension setzt i+R den Maßstab, angeführt werden das nach eigenen Angaben erste DGNB-Basiszertifikat für einen Bauträger in Österreich sowie flache Hierarchien. Platz 3 belegt erneut Leyrer + Graf, das einzige Unternehmen, das in beiden Messungen stabil unter den Top 3 bleibt. Dessen Management fällt in der KI allerdings auf null: Das Baukartell mit einer Strafe von 5,8 Millionen Euro trägt 62 Prozent der Managementaussagen, dagegen stehen zwar Zertifizierungen wie ISO 37001 und eine Hinweisgeberplattform, die den Saldo aber nicht drehen. Dasselbe Muster zeigen Porr und Strabag: Bei beiden entfallen mehr als acht von zehn Managementaussagen auf Governance und Recht, beide fallen dort auf null und rutschen im Gesamtindex auf die Plätze 8 und 9.
Warum sich die Spitze umdreht
Das Baukartell ist kein Thema eines einzelnen Unternehmens. Es taucht bei Strabag mit der erhöhten Strafe auf, bei Leyrer + Graf mit 5,8 Millionen Euro, und es bestimmt in der KI-Messung die Managementdimension aller großen Bauunternehmen. In den Medien ist es ein Thema unter vielen, in der KI ist es das beherrschende: Dort entfallen 88 Prozent aller Managementaussagen auf Governance und Recht, dazu 19 Prozent auf Korruption und Wirtschaftskriminalität, Personalmeldungen spielen praktisch keine Rolle mehr. In den Medien macht dieselbe Dimension dagegen zu knapp einem Drittel aus Personalmeldungen und nur zu gut einem Fünftel aus Governance und Recht.
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Axel Maireder, Geschäftsführer PER Insight„In den Medien steht die Baubranche vielfach so da, wie sie kommuniziert: Großprojekte, Bilanzen, Personalwechsel. In der KI ist ein Thema überpräsent: das Baukartell. Das kostet die großen Konzerne ihre Spitzenplätze, nach vorne rücken mittelgroße Familienbetriebe.“
Auch im Mittelfeld ist einiges in Bewegung: Bodner steigt gegenüber 2025 von Rang 11 auf 6, Rabmer von 13 auf 7, Handler Bau von 15 auf 8, während Swietelsky von Rang 4 auf 9 zurückfällt. Die ersten drei Plätze der Medienmessung selbst bleiben gegenüber dem Vorjahr allerdings unverändert.
Immobilienentwickler: eine deutlich stabilere Spitze
Bei den 37 in der Medienmessung erfassten Immobilienentwicklern führt Glorit Bausysteme, das gegenüber dem Vorjahr von Rang 4 auf 1 vorrückt und in Produkt & Service, Nachhaltigkeit und Management Branchenbester ist. Die Berichterstattung ist eng auf das Kerngeschäft geführt: mehrfache Auszeichnungen als bester Bauträger Österreichs bei FindMyHome, der Verkaufsstart für nach Firmenangaben das bedeutendste Projekt der Unternehmensgeschichte in der Wiener Donaustadt. Auf Platz 2 folgt 3SI Immogroup mit dem höchsten Tonalitätssaldo der Unterbranche (+45), getragen von mehr als 300 verkauften Wohnungen im Rekordjahr und dem Sanierungsprojekt „The Pearl" am Karmelitermarkt. UBM Development liegt auf Platz 3, mit der größten Präsenz der Unterbranche und Bestwert bei der Wirtschaftlichkeit durch die Rückkehr in die Gewinnzone.
In der KI-Messung, die mit 70 Unternehmen ein deutlich größeres Feld erfasst (gemeinnützige und öffentliche Bauträger wurden für die Vergleichbarkeit jedoch aus den Ergebnissen herausgerechnet), bleibt die Spitze überraschend stabil: Glorit führt auch hier, UBM hält Platz 3. Deutlich verschiebt sich dagegen Strabag Real Estate, das von Medienplatz 8 auf KI-Platz 2 springt. Die KI-Systeme beschreiben das Unternehmen fast durchgehend über den Mutterkonzern, als Entwicklungssparte eines der größten Baukonzerne Europas, und leiten daraus ab, dass solche Konzerntöchter risikoärmer seien als reine Ein-Projekt-Bauträger. Nach unten fallen dagegen WINEGG Realitäten (von Platz 4 auf 12), NID Immobilien (von 5 auf 21) und Buwog (von 7 auf 19), ihre mediale Präsenz findet in der KI wenig Echo.
Wenn Nachhaltigkeit zum Negativthema wird
Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied zwischen beiden Messungen bei Glorit selbst. In den Medien ist Nachhaltigkeit die Dimension, in der Glorit Branchenbester ist. In der KI fällt genau diese Dimension auf null: Drei Viertel der Nachhaltigkeitsaussagen sind dort negativ, vielfach zu Anrainerproteste gegen den Ersatz alter Gartengrundstücke durch Wohnbauten, unter dem in den Antworten verwendeten Schlagwort „Gloritifizierung".
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Axel Maireder, Geschäftsführer PER Insight„Nachhaltigkeit heißt bei Entwicklern in den Medien Holzbau, Zertifikate und Quartiersprojekte. In den KI-Antworten steht stattdessen der Konflikt vor Ort. Ein Viertel der Nachhaltigkeitsaussagen betrifft Umweltschäden und Anrainerproteste, die im Netz dauerhaft auffindbar bleiben.“
Auch bei der Wirtschaftlichkeit ticken beide Messungen unterschiedlich. In den Medien führen bei Immobilienentwicklern Geschäftsentwicklung und Insolvenz & Finanzkrise etwa gleichauf, in der KI ist Insolvenz & Finanzkrise mit 34 Prozent das mit Abstand größte Thema der Dimension.
Die KI beantwortet die Frage nach wirtschaftlicher Stabilität nicht mit den Zahlen des einzelnen Unternehmens, sondern mit der Lage der Branche. Es geht breit um Insolvenzen und Finanzierungsprobleme. Entwickler werden dort zuweilen an einem Klima gemessen, das sie nicht verursacht haben.Axel Maireder, Geschäftsführer PER Insight
Woher die KI ihr Wissen bezieht
Für jede KI-Antwort erfasste PER Insight zusätzlich, auf welche Quellen sich die Systeme stützen, auswertbar waren zwei der drei Systeme, weil Gemini keine echten Domains ausgibt. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte des Materials, 47,2 Prozent, stammt vom jeweiligen Unternehmen selbst. Unabhängige redaktionelle Quellen liefern nur 14,3 Prozent, Fachmedien 11,1 Prozent. Nach Verlässlichkeit geordnet entfallen 53,6 Prozent der Quellennennungen auf Selbstdarstellung, Paid und PR, nur 19,0 Prozent auf institutionell oder redaktionell unabhängige Quellen.
Fast die Hälfte der Quellen, auf die sich die KI-Systeme stützen, kommt von den Unternehmen selbst. Wer eine KI-Antwort liest, liest zur Hälfte Eigendarstellung. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto höher der Anteil dieser Eigendarstellung.Axel Maireder, Geschäftsführer PER Insight
Das erklärt einen wesentlichen Teil der Ergebnisse: Rhomberg und i+R führen die Bauunternehmen in der KI an und stellen sich selbst technisch detailliert dar, die Systeme geben Unternehmensangaben wie die CO₂-Einsparung von bis zu 90 Prozent oder das „erste DGNB-Basiszertifikat" dabei ungeprüft wieder.
Zwei Perspektiven, ein Jahr
Beide Messungen erfassen dieselben sechs Dimensionen, kommen bei den Bauunternehmen aber zu einer fast umgekehrten Reihenfolge, gewichten die Dimensionen unterschiedlich und stützen sich auf andere Quellen. Am deutlichsten zeigt sich das im Management: In den Medien besteht die Dimension aus Personalien, in der KI zu fast neun Zehnteln aus Governance und Recht. Ein einziges Kartellverfahren ersetzt dort die gesamte Führungsberichterstattung und schiebt Porr und Strabag aus der Spitzengruppe.
Relevant ist das laut PER Insight, weil KI-Systeme inzwischen Entscheidungen vorbereiten: Wer ein Bauunternehmen beauftragt, einen Bauträger prüft oder sich bewirbt, bekommt von einem KI-System eine fertige Auswahl mit Namen, Begründung und Einwänden, überwiegend gespeist aus dem, was Unternehmen selbst über sich veröffentlichen. Medienreputation entsteht dabei aus Anlässen, wer nichts zu melden hat, kommt nicht vor. KI-Reputation entsteht dagegen aus Beständen, aus dem, was dauerhaft, konsistent und auffindbar im Netz steht. In der Baubranche kommt laut PER Insight ein weiterer Effekt hinzu: Ein abgeschlossenes Rechtsverfahren bleibt im KI-Kanal wirksam, auch wenn es in der laufenden Berichterstattung längst keine Rolle mehr spielt.
FACTBOX: Zahlen im Überblick
Bauunternehmen – Rangfolge im Vergleich
Porr: Medien Rang 1, KI Rang 8
Leyrer + Graf: Medien Rang 2, KI Rang 3
Strabag: Medien Rang 3, KI Rang 9
Rhomberg Bau: Medien Rang 4, KI Rang 1
Habau: Medien Rang 5, KI Rang 5
Bodner: Medien Rang 6, KI Rang 12
Rabmer: Medien Rang 7, KI keine Reihung
Handler Bau: Medien Rang 8, KI Rang 4
Swietelsky: Medien Rang 9, KI Rang 10
Wiehag: Medien Rang 10, KI Rang 6
i+R Bau: Medien Rang 17, KI Rang 2
Bernegger: Medien Rang 26, KI Rang 7
Immobilienentwickler – Rangfolge im Vergleich
Glorit Bausysteme: Medien Rang 1, KI Rang 1
3SI Immogroup: Medien Rang 2, KI Rang 4
UBM Development: Medien Rang 3, KI Rang 3
WINEGG Realitäten: Medien Rang 4, KI Rang 12
NID Immobilien: Medien Rang 5, KI Rang 21
Buwog: Medien Rang 7, KI Rang 19
Strabag Real Estate: Medien Rang 8, KI Rang 2
Raiffeisen Wohnbau: Medien Rang 9, KI Rang 7
Value One: Medien Rang 18, KI Rang 5
Felder: 58 Bauunternehmen in beiden Messungen, 2025 waren es 57. Bei den Immobilienentwicklern wurden 37 Unternehmen in der Medienmessung erfasst, 2025 waren es 35; in der KI-Messung waren es 70. Gemeinnützige und öffentliche Bauträger wurden für die Vergleichbarkeit herausgerechnet.
Dimensionsverteilung bei Bauunternehmen, Medien/KI: Produkt & Service 23,9 %/24,1 %, Wirtschaftlichkeit 35,3 %/15,7 %, Nachhaltigkeit 9,9 %/10,3 %, Management 20,8 %/29,2 %, Arbeitgeber 5,0 %/14,8 %, Innovation 5,0 %/5,9 %.
Quellen der KI-Antworten in der Baubranche insgesamt: Unternehmen selbst 47,2 %, unabhängige Redaktion 14,3 %, institutionelle Quellen 12,4 %, nutzergenerierte Inhalte 10,5 %, Register und Statistik 8,6 %, Paid & PR 6,9 %.