Holzbau in Australien : 39 Stockwerke, 4.220 Kubikmeter Brettschichtholz: WIEHAG liefert für das höchste Holz-Hochhaus der Welt
Rendering von Atlassian Central in Sydney: Mit über 180 Metern und 39 Geschoßen wird der Turm das höchste hybride Holz-Hochhaus der Welt. Das Brettschichtholz für die Tragstruktur stammt vom oberösterreichischen Spezialisten WIEHAG.
- © WIEHAG Timber Construction GmbHMehr als 180 Meter hoch, 39 Stockwerke, direkt über Sydneys Central Station errichtet, einem der meistfrequentierten Bahnhöfe Australiens. Mit dem Richtfest am 22. Juli 2026 hat Atlassian Central seine volle Höhe erreicht und ist das höchste hybride Holz-Hochhaus der Welt. Es löst damit den bisherigen Rekordhalter ab, den Wohnturm Ascent in Milwaukee, der mit 86,6 Metern nicht einmal halb so hoch ist. Das Gebäude, das der australische Softwarekonzern atlassian gemeinsam mit dem Immobilienentwickler dexus realisiert, kostet rund 1,4 Milliarden australische Dollar und soll mehr als 5.000 Arbeitsplätze beherbergen.
WIEHAG aus Altheim, 1849 als kleine Bauzimmerei gegründet, heute mit rund 400 Mitarbeitenden einer der führenden Holzbau-Spezialisten Europas, liefert 4.220 Kubikmeter Brettschichtholz für die sieben sogenannten Timber Habitats. Das sind dreistöckige Holzmodule, die zwischen Stahlbeton-Megadecken eingefügt werden und insgesamt 21 der 39 Geschoße ausmachen. Ergänzt wird das Holz durch 7.640 Kubikmeter Brettsperrholz-Decken des finnisch-schwedischen Herstellers stora enso. Allein diese beiden Lieferungen ergeben knapp 12.000 Kubikmeter Holz.
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Sieben Habitats mit 21 Holzgeschoßen: Wie der Turm im Stahlgerüst entsteht
Die Konstruktion folgt einem ungewöhnlichen Prinzip: ein Holzgebäude innerhalb eines größeren Gebäudes. Auf einem siebengeschoßigen Betonsockel ruht ein Stahlbeton-Kern, ergänzt durch ein stählernes Exoskelett, das die Windlasten aufnimmt. Holz allein könnte ein Bauwerk dieser Höhe nicht tragen, der Beton-Kern sorgt für Stabilität, das Stahlgerüst für die Steifigkeit gegen das Schwanken im Wind, und beide zusammen erlauben die Brandschutzwerte, die ein Hochhaus dieser Klasse erfüllen muss. In dieses Gerüst werden die Holz-Habitats eingehängt, nicht aufgestapelt. Entworfen wurde der Turm von den Architekturbüros shop architects aus New York und bvn aus Australien, die Tragwerksplanung verantwortet eckersley o'callaghan.
Anders als bei konventionellen Hochhäusern wächst der Bau nicht linear nach oben, sondern in einem parallelen Prozess. Während die Stahl- und Betonstruktur jeweils um fünf Geschoße vorauseilt, werden die Holzmodule in den bereits fertigen Zonen nachgezogen. dexus-Projektdirektor Peter Morley beschrieb das Verfahren so, dass man jeweils fünf Ebenen nach oben springe und während des Aufstiegs zurückkomme, um die Zonen mit Holz aufzufüllen. Der hybride Ansatz habe es dem Team erlaubt, das Gebäude schneller hochzuziehen und die Fassade früher anzubringen als bei einem traditionellen Bau. Errichtet wird der Turm von built im Joint Venture mit der japanischen obayashi corporation.
Rohbau seit 22. Juli fertig: Fassade und Haustechnik laufen
Am 22. Juli 2026 fand das Richtfest statt: Der Turm hat seine volle Höhe von 39 Geschoßen erreicht, der Tragwerksrahmen ist fertig. Aktuell werden Fassade und Haustechnik montiert. Die Fertigstellung ist laut Dexus für Ende 2026 geplant, Atlassian soll ab Ende 2028 fünf der sieben Habitats beziehen. Mit dem Richtfest gilt Atlassian Central als höchster hybrider Holzturm der Welt, er ist fast 100 Meter höher als der bisherige Rekordhalter Ascent in Milwaukee.
Fertigung in Altheim, Verschiffung nach Sydney: Was WIEHAG für den Turm leistet
Für WIEHAG umfasste der Auftrag Beratung, Arbeitsvorbereitung, Produktion, Transport und Montageberatung. Beauftragt wurde WIEHAG nach einem mehrjährigen internationalen Auswahlverfahren von Dexus und dem Joint Venture von Built und Obayashi. Die vorgefertigten Brettschichtholz-Elemente, Stützen und Träger, wurden am Campus in Altheim produziert und nach Australien verschifft. Für CEO Erich Wiesner ein Projekt, das die Grenzen des Holzbaus verschiebt: „Atlassian Central zeigt, was mit Timber Engineering heute möglich ist, und wir sind stolz, eine zentrale Rolle darin zu spielen."
Die Vorfertigung ist dabei mehr als ein Produktionsdetail. Weil die Holzelemente millimetergenau im Werk gefertigt und dann auf der Baustelle nur noch eingekrant werden, reduzieren sich Lärm, Staub und Bauzeit vor Ort, ein Vorteil, der gerade über einem aktiven Großbahnhof in dichter Innenstadtlage zählt.
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Erich Wiesner, Eigentümer & Geschäftsführer von WIEHAGDer Atlassian Central ist ein Statement für Nachhaltigkeit und Innovation. Wir sind stolz darauf, mit unserer Expertise im Ingenieurholzbau und mit unserer Produktionskompetenz eine bedeutende Rolle in diesem Projekt zu spielen.
50 Prozent weniger eingebettetes CO2: Die Klimaziele des Turms
Gegenüber einem herkömmlichen Hochhaus soll Atlassian Central beim Tragwerk, beim Unterbau und bei der Fassade 50 Prozent weniger CO2 verursachen, nämlich in den Baustoffen und ihrer Herstellung. Im Betrieb soll der Turm um 50 Prozent energieeffizienter sein als ein Bürogebäude mit 5 Sternen im australischen Bewertungssystem NABERS und vollständig mit erneuerbarer Energie laufen. Dazu kommt eine in die Fassade integrierte Photovoltaik-Anlage, die Strom direkt am Gebäude erzeugt und zugleich als Verschattung dient. Jedes der sieben Habitats verfügt über einen natürlich belüfteten Atrium-Park. Die hybride Belüftungsstrategie nutzt das milde Klima Sydneys, um über zu öffnende Fassadenelemente frische Luft durch die Büros strömen zu lassen und den Bedarf an mechanischer Kühlung zu senken.
Das Gebäude ist kein reiner Büroturm. In den unteren Geschoßen ist ein Hostel der Kette YHA mit rund 500 Betten untergebracht, darüber liegen die Büroflächen. Atlassian Central steht im Viertel Haymarket und ist Teil von Tech Central, einem der größten Stadterneuerungsprogramme Australiens, das rund um die Central Station einen Innovationsdistrikt für Universitäten und Technologieunternehmen schaffen soll.
Von Göteborg bis Berlin: Weitere Projekte von WIEHAG
Atlassian Central reiht sich in eine Serie internationaler WIEHAG -Referenzen: vom World of Volvo in Göteborg über das Anna Lindh House in Berlin bis zum Bestseller Logistics Center in den Niederlanden, das 2026 einen MIPIM Award gewann. Im internationalen Hochhausbau, einer Disziplin, die noch vor wenigen Jahren ausschließlich Stahl und Beton vorbehalten war, ist WIEHAG damit angekommen.
Factbox: Atlassian Central, Sydney
- Standort: Haymarket, Sydney, direkt an der Central Station, Teil von Tech Central
- Eigentümer: Dexus (65 Prozent) und Atlassian (35 Prozent)
- Bauausführung: Built im Joint Venture mit Obayashi Corporation
- Planung: SHoP Architects, BVN, Tragwerksplanung Eckersley O’Callaghan
- Holzbau: WIEHAG (Altheim) mit 4.220 Kubikmetern Brettschichtholz, Stora Enso mit 7.640 Kubikmetern Brettsperrholz-Decken
- Höhe und Geschoße: mehr als 180 Meter, 39 Geschoße, davon 21 in Holzbauweise (sieben Habitats mit je drei Geschoßen)
- Rekord: höchster hybrider Holzturm der Welt, bisheriger Rekordhalter Ascent in Milwaukee mit 86,6 Metern
- Kosten: rund 1,4 Milliarden australische Dollar
- Nutzung: Büros für bis zu 5.000 Arbeitsplätze, YHA-Hostel mit rund 500 Betten in den unteren Geschoßen
- Klimaziele: 50 Prozent weniger eingebettetes CO2, 50 Prozent bessere Betriebsenergieeffizienz, Betrieb mit erneuerbarem Strom
- Termine: Baubeginn 2022, Richtfest 22. Juli 2026, Fertigstellung Ende 2026 geplant, Einzug von Atlassian ab Ende 2028