Energietechnik Österreich : 300 Tonnen pro Maschine, 350 neue Jobs: Andritz baut Turbogeneratoren in Linz und Weiz aus

Bis zu 300 Tonnen wiegen die größten Turbogeneratoren aus Linz. Das Bild zeigt die Verladung einer 250 Tonnen schweren Maschine in der Andritz-Fertigung.

Bis zu 300 Tonnen wiegen die größten Turbogeneratoren aus Linz. Das Bild zeigt die Verladung einer 250 Tonnen schweren Maschine in der Andritz-Fertigung.

- © ANDRITZ

Ein fertiger Turbogenerator der größten Bauart wiegt bis zu 300 Tonnen und geht oft auf einen anderen Kontinent. Andritz stellt Turbogeneratoren seit den 1950er-Jahren im steirischen Weiz her. Schon 2011 machten Gewicht und Abmessungen den Transport fertig montierter Großmaschinen ab Weiz unmöglich. Seither entstehen die wasserstoffgekühlten Typen in Linz, an einem Schwerlasthafen an Traun und Donau. Rotoren und Statorstäbe kommen weiterhin aus Weiz.

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Zwölf Auslieferungen heuer, bis zu 46 Turbogeneratoren ab 2028

Am 27. August 2026 feierte Andritz bei einem Festakt mit langjährigen Kunden und Partnern die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Erweiterung. Die bestehende Fertigungshalle wurde um rund 700 Quadratmeter vergrößert. Laut Andritz hat sich die Turbogeneratorfertigung am Standort damit bereits verdoppelt.

Jürgen Holzer, Leiter der Andritz-Turbogeneratorensparte, nennt die Zahlen. 2026 sollen zwölf Maschinen aus Linz ausgeliefert werden, ab 2028 soll die Kapazität bei bis zu 46 Turbogeneratoren pro Jahr liegen. Die Auftragsbücher der Sparte reichen laut Holzer bereits bis 2030. Die zwölf Maschinen sind die für 2026 vorgesehene Auslieferungsmenge während des Hochlaufs. Die 46 sind die angestrebte Jahreskapazität im Vollausbau.

700 von 3.700 Quadratmetern: Was in Linz schon gebaut ist

Im Jänner 2026 kündigte Andritz an, die Linzer Turbogeneratorfertigung um rund 3.700 Quadratmeter zu erweitern und zu modernisieren. Seit der Mitteilung vom 27. August ist die Aufteilung bekannt: rund 700 Quadratmeter Hallenerweiterung und rund 3.000 Quadratmeter Sanierung bestehender Fertigungsfläche. Die 700 Quadratmeter sind fertig, die Sanierung läuft nach Plan bis 2028. Bei der Erweiterung setzte Andritz nach eigenen Angaben zudem Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz um.

Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts hat Andritz seine Turbogeneratorfertigung in Linz nach eigenen Angaben bereits verdoppelt. Der Hallenzubau umfasst rund 700 Quadratmeter.

- © ANDRITZ

10 bis 350 MVA: Wasserstoff kühlt, Gas oder Dampf treibt an

Ein Turbogenerator wandelt die Drehbewegung einer Gas- oder Dampfturbine in elektrische Energie um. Als mögliche Antriebe nennt Andritz außerdem Verbrennungsmotoren. Das Portfolio reicht von rund 10 bis 350 MVA. Die großen zweipoligen Maschinen bis 350 MVA werden mit Wasserstoff gekühlt. Im geschlossenen Gehäuse transportiert der Wasserstoff die Wärme der aktiven Teile zu Gas-Wasser-Wärmetauschern. Das geschlossene System schützt die Maschine außerdem vor Staub, Salz, Feuchtigkeit und anderen Aerosolen.

Der Wasserstoff kühlt den Generator, er wird nicht verbrannt. Viele Anlagen arbeiten heute noch mit Gas als Primärenergie. Die Turbogeneratoren sind laut Andritz bereits so ausgelegt, dass sie künftig auch mit wasserstofftauglichen Turbinen kombiniert werden können. MVA bezeichnet die Scheinleistung, MW die tatsächlich nutzbare Wirkleistung.

2011: Ein Auftrag, der für Weiz zu schwer wurde

2011 erhielt Andritz einen Auftrag über große wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren. Gewicht und Abmessungen machten es unmöglich, die fertig montierten Maschinen aus Weiz zu transportieren. In Linz entstand daraufhin eine neue Montagehalle mit eigenem Zugang zum Schwerlasthafen an Traun und Donau. Den Standort der Endmontage bestimmte damit der Weg der fertigen Maschine zum Kunden.

80 Meter Länge, 300-Tonnen-Kran: Die Halle am Schwerlasthafen

Beim Baubeginn 2011 veröffentlichte Andritz die Kennzahlen der Linzer Halle: 80 Meter Länge, 40 Meter Breite, 20 Meter Höhe und 3.208 Quadratmeter Gesamtfläche. Der Kran hebt 300 Tonnen und ist auf 600 Tonnen erweiterbar. Dazu kommen zwei weitere Kräne mit je 20 Tonnen, 14 Meter Kranhakenhöhe und ein Prüffeld mit 5,5 Megawatt. Die damalige Produktstrategie zielte auf Turbogeneratoren bis 600 MVA. 2014 sprach Andritz beim direkten Zugang zum Schwerlasthafen von möglichen Auslieferungen bis 800 Tonnen. Das beschrieb die logistische Auslegung des Standorts, nicht das Gewicht der heute gefertigten Maschinen.

Rotoren aus Weiz, Endmontage in Linz

Beim ersten Linzer Generator stellte Andritz in Weiz unter anderem Statorbleche, Statorstäbe und den kompletten Rotor her. Diese Komponenten gingen anschließend nach Linz. Dort folgten das Schichten des Statorkerns, die Statorwicklung, die Endmontage sowie Prüfungen und Lauftests.

Dieselbe Aufteilung gilt für den aktuellen Ausbau. In Linz werden vor allem wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren montiert und geprüft. In Weiz entstehen luftgekühlte Turbogeneratoren sowie zentrale Komponenten für die wasserstoffgekühlten Maschinen, darunter Rotoren und Statorstäbe. Ein Teil der Wertschöpfung der schweren Generatoren bleibt damit in Weiz.

Für fertig montierte Großgeneratoren war Weiz zu schwer erreichbar, deshalb verlegte Andritz die Endmontage an den Wasserweg nach Linz.

- © ANDRITZ HYDRO / ANDRITZ

285 Tonnen schon 2014: Die erste Maschine aus Linz

Im Jänner 2014 wurde der erste in Linz montierte und getestete wasserstoffgekühlte Turbogenerator ausgeliefert, im Juli desselben Jahres folgte die offizielle Eröffnung der Halle. Die Maschine hatte 350 MVA Leistung, 15,75 kV Spannung und wog 285 Tonnen. Die heute genannten bis zu 300 Tonnen liegen damit in derselben Gewichtsklasse wie der erste dokumentierte Linzer Turbogenerator. Der aktuelle Ausbau erhöht die Produktionskapazität.

2016: Marktrückgang stoppt die Turbogeneratorfertigung

Nach der Expansion Anfang der 2010er-Jahre drehte der Markt. Laut Holzer wurde die Linzer Turbogeneratorproduktion 2016 wegen eines starken Marktrückgangs eingestellt. Im Wasserkraftbereich blieb Andritz am Standort weiterhin tätig.

Steigender Strombedarf: Wachstum in den USA und im Nahen Osten

Andritz begründet die Investition mit der weltweit steigenden Energienachfrage und der wachsenden Bedeutung stabiler Stromnetze. Turbogeneratoren können flexibel ans Netz gehen und Frequenzschwankungen ausgleichen. Am stärksten wächst der Markt laut Andritz derzeit in den USA und im Nahen Osten, Europa soll folgen. Als Einsatzfelder nennt Andritz Kraftwerke, große Industrieanlagen und Rechenzentren. Mit mehr Wind- und Solarstrom schwanken Erzeugung und Verbrauch stärker. Für das schnelle Stabilisieren eines Stromsystems positioniert Andritz seine Turbogeneratoren.

Parallel zu Linz wächst auch der Standort Weiz. Im Werk Süd erweitert Andritz die Produktionsfläche um rund 10.000 Quadratmeter und baut damit die Fertigung zentraler Generator-Komponenten aus.

- © Stadtgemeinde Weiz / RGütl

Niedrigwasser: Mit Spezialschiffen über die Donau

Die Lage an der Donau nennt Andritz einen entscheidenden Transportvorteil. Die bis zu 300 Tonnen schweren Generatoren lassen sich per Schiff effizient und umweltfreundlich zu Kunden weltweit bringen. Laut Holzer exportierte Andritz auch bei extremem Niedrigwasser große Einheiten über die Donau, mithilfe spezieller Schiffe. Im Sommer 2026 führte die Donau in Österreich zeitweise ungewöhnlich niedrige Wasserstände, Frachtschiffe mussten ihre Beladung reduzieren.

350 neue Arbeitsplätze in Linz und Weiz

Auch das steirische Werk Süd in Weiz wächst. Die Produktionsfläche wird um rund 10.000 Quadratmeter erweitert, mit neuen Maschinen, moderneren Fertigungstechnologien, stärkerer Automatisierung und optimierten Abläufen. Auch dort soll sich die Fertigungskapazität verdoppeln. Die neuen Hallen und Anlagen sollen bis 2027 fertig sein.

In Weiz sollen rund 200 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, in Linz sind rund 80 bereits geschaffen und rund 70 weitere geplant. Zusammen sind das rund 350 neue Arbeitsplätze, dieselbe Zahl wie bei der Ankündigung im Jänner. Gesucht werden unter anderem Maschinenbau- und Elektrotechniker, Mechatroniker, Schweißer und Fertigungstechniker. Für den Ausbau beider Standorte investiert Andritz nach eigenen Angaben bis 2028 einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Eine Aufschlüsselung nach Linz und Weiz hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

FACTBOX: Andritz Turbogeneratorfertigung Linz

Meilenstein: erster Bauabschnitt am 27. August 2026 fertiggestellt
Hallenzubau: rund 700 m²
Sanierung: weitere rund 3.000 m² Fertigungsfläche, Abschluss 2028
Kapazität: laut Andritz mit dem ersten Bauabschnitt verdoppelt
Maschinengewicht: bis zu 300 t
Auslieferungen 2026: zwölf geplant
Kapazität ab 2028: bis zu 46 Turbogeneratoren pro Jahr
Auftragslage: laut Holzer bis 2030 gefüllt
Produkt Linz: vor allem wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren
Portfolio: Turbogeneratoren von rund 10 bis 350 MVA
Aufgabe Linz: Montage und Prüfung der großen wasserstoffgekühlten Maschinen
Aufgabe Weiz: Rotoren und Statorstäbe für wasserstoffgekühlte Generatoren, luftgekühlte Turbogeneratoren
Transport: über Traun und Donau, weiter per Schiff
Arbeitsplätze Linz: rund 80 geschaffen, rund 70 weitere vorgesehen
Parallelprojekt Weiz: rund 10.000 m² zusätzliche Produktionsfläche, rund 200 weitere Arbeitsplätze, Fertigstellung bis 2027
Neue Arbeitsplätze gesamt: rund 350 (Linz und Weiz)
Investition: höherer zweistelliger Millionenbetrag bis 2028

Zeitplan
2011: Baubeginn der Schwerlasthalle in Linz
2014: erster ausgelieferter Generator (350 MVA, 15,75 kV, 285 t), offizielle Eröffnung
2016: Einstellung der Linzer Turbogeneratorproduktion
30. Jänner 2026: Ankündigung des Kapazitätsausbaus
27. August 2026: erster Bauabschnitt fertig
2028: Abschluss der Sanierung, Vollausbau