Industriebau in Oberösterreich : Zehn Jahre Pause, jetzt 46 Stück pro Jahr: Andritz fährt Linzer Generatorenbau hoch

Bis zu 300 Tonnen wiegen die größten Turbogeneratoren aus Linz. Das Bild zeigt die Verladung einer 250 Tonnen schweren Maschine in der ANDRITZ-Fertigung.

Bis zu 300 Tonnen wiegen die größten Turbogeneratoren aus Linz. Das Bild zeigt die Verladung einer 250 Tonnen schweren Maschine in der ANDRITZ-Fertigung.

- © ANDRITZ

Dass ausgerechnet Linz für die größten Maschinen zuständig ist, hat nichts mit Tradition zu tun. Andritz stellt seine Turbogeneratoren seit den 1950er-Jahren im steirischen Weiz her, mehr als 70 Jahre Erfahrung an einem einzigen Standort. Die aktuelle Wachstumsgeschichte spielt sich aber an der Donau ab, mehr als 200 Kilometer entfernt, aus einem Grund, der sich erst erschließt, wenn man weiß, was mit einer fertigen 300-Tonnen-Maschine überhaupt passieren muss.

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Zwölf werden 46

Am 27. August 2026 feierte Andritz die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts zur Erweiterung seiner Turbogeneratorfertigung in Linz, bei einem Festakt mit langjährigen Kunden und Partnern. Die bestehende Fertigungshalle wurde um rund 700 Quadratmeter erweitert, mit dem Abschluss dieses ersten Bauabschnitts habe sich laut Andritz die Turbogeneratorfertigung am Standort bereits verdoppelt.

Konkreter werden die Zahlen bei Jürgen Holzer, Leiter der Andritz-Turbogeneratorensparte: 2026 sollen zwölf Maschinen aus Linz ausgeliefert werden, ab 2028 soll die Kapazität bei bis zu 46 Turbogeneratoren pro Jahr liegen. Die Auftragsbücher der Sparte reichen laut Holzer bereits bis 2030. Zwölf und 46 beschreiben dabei unterschiedliche Dinge, zwölf ist die für 2026 vorgesehene Auslieferungsmenge während des laufenden Hochlaufs, 46 die angestrebte Jahreskapazität im Vollausbau, keine direkte Vervierfachung binnen zweier Jahre.

700 Quadratmeter verdoppeln die Fertigung

Im Jänner 2026 hatte Andritz angekündigt, die Linzer Turbogeneratorfertigung um rund 3.700 Quadratmeter zu erweitern und zu modernisieren. Wer daraus schließt, es entstehe eine neue 3.700-Quadratmeter-Halle, liegt daneben. Die tatsächliche Aufteilung, seit der Mitteilung vom 27. August bekannt: rund 700 Quadratmeter Hallenerweiterung plus rund 3.000 Quadratmeter Sanierung bestehender Fertigungsfläche. Die 700 Quadratmeter sind fertig, die Sanierung läuft nach Plan bis 2028. Bei der Erweiterung wurden laut Andritz zudem umfassende Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt, der Betrieb am Standort soll dadurch nachhaltiger werden.

Bemerkenswert bleibt die Diskrepanz zwischen Bauaufwand und Wirkung: 700 Quadratmeter sind für einen Industriebau keine große Zahl. Dass ausgerechnet dieser vergleichsweise kleine Zubau die Fertigung bereits verdoppelt haben soll, macht deutlich, wie stark die Linzer Anlage zuvor ausgelastet beziehungsweise wie knapp ihre Kapazität bemessen war.

Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts hat ANDRITZ seine Turbogeneratorfertigung in Linz nach eigenen Angaben bereits verdoppelt. Der Hallenzubau umfasst rund 700 Quadratmeter.

- © ANDRITZ

Was in Linz tatsächlich gebaut wird

Ein Turbogenerator wandelt die mechanische Rotation etwa einer Gas- oder Dampfturbine in elektrische Energie um, Andritz nennt Gas- und Dampfturbinen sowie Verbrennungsmotoren als mögliche Primärantriebe. Das aktuelle Portfolio reicht von rund 10 bis 350 MVA, für die großen zweipoligen Maschinen bis 350 MVA kommt Wasserstoff als Kühlmedium zum Einsatz. Das Generatorgehäuse ist dabei geschlossen, im Inneren transportiert der Wasserstoff die Wärme der aktiven Teile zu Gas-Wasser-Wärmetauschern, zusätzlich schützt das geschlossene System vor Staub, Salz, Feuchtigkeit und anderen Aerosolen.

Wichtig für das Verständnis: Wasserstoffgekühlt bedeutet nicht wasserstoffbetrieben. Der Wasserstoff kühlt den Generator, er wird nicht verbrannt. Andritz trennt beide Ebenen klar: Viele Anlagen arbeiten heute noch mit Gas als Primärenergie, gleichzeitig seien die Turbogeneratoren bereits so ausgelegt, dass sie künftig auch mit wasserstofftauglichen Turbinen kombiniert werden können. Und MVA ist nicht dasselbe wie MW, die Scheinleistung in MVA unterscheidet sich von der tatsächlich nutzbaren Wirkleistung in MW, eine Unterscheidung, die bei den in Linz gefertigten Maschinen relevant bleibt.

Das eigentliche Problem beginnt erst nach der Fertigung

Ein fertiger Turbogenerator dieser Größenordnung wiegt derzeit bis zu 300 Tonnen. Damit ist die eigentliche Herausforderung noch nicht gelöst, sie beginnt erst: Eine 300-Tonnen-Maschine muss irgendwie zu ihrem Kunden kommen, oft auf einem anderen Kontinent. Genau an diesem Punkt setzt die Geschichte an, die erklärt, warum Linz überhaupt zum Standort für die größten Maschinen wurde.

Deshalb wanderte die Montage von Weiz nach Linz

2011 änderte sich die Produktionslogik für die besonders schweren wasserstoffgekühlten Maschinen grundlegend. Andritz hatte damals einen Auftrag über große wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren erhalten, Gewicht und Abmessungen machten einen Transport der fertig montierten Maschinen aus Weiz jedoch unmöglich. Die Konsequenz: In Linz entstand eine neue Montagehalle mit eigenem Zugang zum Schwerlasthafen an Traun und Donau.

Damit bestimmte nicht die Nähe zum Entwicklungsbüro, nicht billiger Baugrund und keine Förderlogik den Standort der Endmontage, sondern schlicht die Frage, wie das fertige Produkt am Ende zum Kunden kommen sollte. Die große Maschine bestimmte den Ort ihrer eigenen Fertigstellung.

Eine Halle für mehrere hundert Tonnen

Schon die ursprüngliche Linzer Halle war kein gewöhnlicher Montagebau. Beim Baubeginn 2011 veröffentlichte Andritz detaillierte Kennzahlen: 80 Meter Länge, 40 Meter Breite, 20 Meter Höhe, 3.208 Quadratmeter Gesamtfläche, 300 Tonnen Krankapazität, erweiterbar auf 600 Tonnen, dazu zwei weitere Kräne mit je 20 Tonnen, 14 Meter Kranhakenhöhe und ein 5,5-Megawatt-Prüffeld. Die damalige Produktstrategie zielte auf große Turbogeneratoren bis 600 MVA.

Linz war damit von Beginn an auf sehr große elektrische Maschinen zugeschnitten, eine Schwerlastfertigung, keine gewöhnliche Erweiterung eines bestehenden Werks. Interessant für die Einordnung des aktuellen Ausbaus: Bereits 2014 sprach Andritz beim direkten Zugang zum Schwerlasthafen von möglichen Auslieferungen bis 800 Tonnen, eine damalige Aussage über die logistische Auslegungsgröße des Standorts, nicht über das aktuelle Gewicht der heute gefertigten Maschinen.

Die Linzer Produktionslogik entstand aus einem Transportproblem: Für fertig montierte Großgeneratoren wurde Weiz zu schwer erreichbar, weshalb ANDRITZ die Endmontage an den Wasserweg nach Linz verlagerte.

- © ANDRITZ HYDRO / ANDRITZ

Weiz liefert die Bauteile, Linz macht daraus den fertigen Generator

Die österreichische Arbeitsteilung ist gut dokumentiert. Beim ersten Linzer Generator wurden in Weiz unter anderem Statorbleche, Statorstäbe und der komplette Rotor hergestellt, anschließend gingen diese Komponenten nach Linz. Dort folgten das Schichten des Statorkerns, die Statorwicklung, die Endmontage sowie Prüfungen und Lauftests.

Dieselbe Grundstruktur gilt auch für den aktuellen Ausbau: In Linz werden vor allem wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren montiert und geprüft, in Weiz entstehen luftgekühlte Turbogeneratoren sowie zentrale Komponenten für die wasserstoffgekühlten Maschinen, darunter Rotoren und Statorstäbe. Die schweren Generatoren entstehen damit nicht an einem einzigen Ort, ein Teil ihrer Wertschöpfung bleibt in Weiz, komplettiert werden die größten Maschinen dort, wo ihr Weitertransport tatsächlich möglich ist.

Der erste Linzer Generator hatte bereits 285 Tonnen

Im Jänner 2014 wurde der erste in Linz montierte und getestete wasserstoffgekühlte Turbogenerator ausgeliefert, im Juli desselben Jahres folgte die offizielle Eröffnung der Halle. Die Maschine kam auf 350 MVA Leistung, 15,75 kV Spannung und 285 Tonnen Gewicht. Die heute genannten bis zu 300 Tonnen sind damit keine neue Größenordnung für Andritz, schon der allererste dokumentierte Linzer Turbogenerator lag 2014 nur knapp darunter. Der aktuelle Ausbau steht vor allem für mehr Produktionskapazität, nicht für die erstmalige Fähigkeit, Maschinen dieser Gewichtsklasse zu fertigen.

Zwei Jahre nach der Eröffnung war schon wieder Schluss

Nach der ursprünglichen Expansion Anfang der 2010er-Jahre drehte der Markt deutlich. Laut Holzer wurde die Linzer Turbogeneratorproduktion 2016 wegen eines starken Marktrückgangs eingestellt, die dokumentierte Pause betraf dabei die Turbogeneratorfertigung, im Wasserkraftbereich blieb Andritz am Standort weiterhin tätig. Zehn Jahre später wird die Fertigung nun wieder hochgefahren: 2011 Baubeginn der Schwerlasthalle, 2014 erster ausgelieferter Generator und offizielle Eröffnung, 2016 Einstellung der Turbogeneratorproduktion, 30. Jänner 2026 Ankündigung des aktuellen Kapazitätsausbaus, 27. August 2026 erster fertiger Bauabschnitt, 2028 geplanter Abschluss der Sanierung und Vollausbau auf bis zu 46 Maschinen jährlich.

Parallel zu Linz wächst auch der Standort Weiz. Im Werk Süd erweitert ANDRITZ die Produktionsfläche um rund 10.000 Quadratmeter und baut damit die Fertigung zentraler Generator-Komponenten aus.

- © Stadtgemeinde Weiz / RGütl

Warum der Turbogenerator gerade jetzt wieder gefragt ist

Andritz begründet die Investition mit der weltweit steigenden Energienachfrage und der zunehmenden Bedeutung stabiler Stromnetze. Turbogeneratoren können flexibel ans Netz gehen, Frequenzschwankungen ausgleichen und so zur Versorgungssicherheit beitragen, besonders stark wachse der Markt derzeit in den USA und im Nahen Osten, Europa solle folgen. Als zentrale Einsatzfelder nennt Andritz Kraftwerke, große Industrieanlagen und Rechenzentren.

Darin steckt eine gewisse Paradoxie: Mehr Wind- und Solarstrom erhöht nicht automatisch nur die Nachfrage nach Windrädern und Solarmodulen. Je stärker Erzeugung und Verbrauch schwanken, desto wichtiger werden auch jene Anlagen, die ein Stromsystem schnell stabilisieren können, genau mit dieser Funktion positioniert Andritz seine Turbogeneratoren.

Die Donau bleibt der eigentliche Standortvorteil

Andritz formuliert es aktuell eindeutig: Die direkte Lage an der Donau sei ein entscheidender Transportvorteil, weil sich die bis zu 300 Tonnen schweren Generatoren per Schiff effizient und umweltfreundlich zu Kunden weltweit bringen lassen. Selbst schwierige Wasserstände hat der Konzern dabei bereits einkalkuliert, laut Holzer konnte Andritz auch bei extremem Niedrigwasser große Einheiten über die Donau exportieren, mithilfe spezieller Schiffe. Ein Detail, das im Sommer 2026 besonders greifbar wirkt, die Donau führte in Österreich zeitweise ungewöhnlich niedrige Wasserstände, wodurch Frachtschiffe ihre Beladung reduzieren mussten. Die Produktionskette endet für Andritz damit nicht am Hallentor, sie reicht bis zum Wasserweg.

Weiz wächst parallel mit

Linz ist nur eine Hälfte der aktuellen österreichischen Investitionsstrategie. Im steirischen Werk Süd wird die Produktionsfläche um rund 10.000 Quadratmeter erweitert, mit neuen Maschinen, moderneren Fertigungstechnologien, stärkerer Automatisierung und optimierten Abläufen, auch dort soll sich die Fertigungskapazität verdoppeln. Bis 2028 sollen in Weiz rund 200 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, in Linz sind es rund 80 bereits geschaffene und weitere rund 70 geplante Stellen. Zusammengerechnet ergibt das rund 350 neue Arbeitsplätze an beiden Standorten, exakt jene Zahl, die Andritz bereits bei der ursprünglichen Ankündigung im Jänner genannt hatte.

Vom Transportproblem zum Standortvorteil

Vor rund 15 Jahren zwang das Gewicht der Generatoren Andritz dazu, seine Produktionslogik neu zu ordnen. Heute wird genau diese Lösung wieder zum Standortvorteil. Die großen Maschinen werden nicht in Linz montiert, obwohl sie bis zu 300 Tonnen wiegen, sondern gerade deshalb.

FACTBOX: Andritz Turbogeneratorfertigung Linz

Aktueller Meilenstein: erster Bauabschnitt am 27. August 2026 fertiggestellt
Hallenzubau: rund 700 m²
Sanierung: weitere rund 3.000 m² Fertigungsfläche
Abschluss Gesamtprojekt: 2028
Kapazität: laut Andritz bereits mit erstem Bauabschnitt verdoppelt
Maschinengewicht: bis zu 300 t
Produktion 2026: laut Jürgen Holzer zwölf geplante Auslieferungen
Kapazität ab 2028: laut Holzer bis 46 Turbogeneratoren pro Jahr
Auftragslage: laut Holzer bis 2030 gefüllt

Produkt Linz: insbesondere wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren
Aktuelles Andritz-Portfolio: Turbogeneratoren bis 350 MVA
Aufgabe Linz: Montage und Prüfung der großen wasserstoffgekühlten Maschinen
Aufgabe Weiz: unter anderem Rotoren und Statorstäbe für wasserstoffgekühlte Generatoren sowie luftgekühlte Turbogeneratoren
Transport: direkt über Traun/Donau und weiter per Schiff

Neue Arbeitsplätze Linz: rund 80 bereits geschaffen, rund 70 weitere vorgesehen
Parallelprojekt Weiz: rund 10.000 m² zusätzliche Produktionsfläche, rund 200 weitere Jobs
Gesamt neue Arbeitsplätze: rund 350 (Linz und Weiz)

Historische Linzer Schwerlasthalle: Baubeginn 2011, offizielle Eröffnung 2014
Historische Hallengröße: 80 × 40 × 20 m, 3.208 m²
Historische Krankapazität: 300 t, erweiterbar auf 600 t
Historisches Prüffeld: 5,5 MW
Erster dokumentierter wasserstoffgekühlter Generator aus Linz: 2014, 350 MVA, 15,75 kV, 285 t