Baukongress 2026 : Allianzverträge, KI und Asphalt - Was die Bauwirtschaft 2026 beschäftigt
Die ÖBV verwandelte das Austria Center Vienna wieder in einen pulsierenden Treffpunkt der Baubranche.
- © Nadine StudenyDie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren in den Eröffnungsreden allgegenwärtig. ÖBV-Geschäftsführer Michael Pauser verwies auf die „durch den Irankonflikt gedämpften Hoffnungen auf eine Fortsetzung der leichten konjunkturellen Erholung" und wertete den Anmelderekord als Indiz für die Bedeutung der Veranstaltung in der Branche.
Vorstandsvorsitzender Peter Krammer wurde in seiner Eröffnungsrede konkreter: „Gerade im Bauwesen führen die aktuellen Unsicherheiten aus dem Irankonflikt zu kaum kalkulierbaren Angebotspreisen. Viele Unternehmen sind gezwungen, erhebliche und schwer abschätzbare Risiken – insbesondere bei Festpreisverträgen – in ihre Preise einzukalkulieren." Die Folge seien steigende Baukosten und Druck auf die Budgets der Bauherren.
Während Infrastruktur, Energieerzeugung und Leitungsbau laut ÖBV vergleichsweise stabil laufen, steht die Hochbau-Projektentwicklung weiter unter Druck – mit wenig Aussicht auf rasche Besserung.
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Drei Schwerpunkte: Asphalt, Allianzverträge, BIM
Inhaltlich rückte die ÖBV drei Themen in den Vordergrund. Mit der Integration des Asphalt Circle wird die Asphalttechnik zum aktiven Bestandteil der Vereinigung. Bauindustrie und Bauherrnvertreter sollen künftig gemeinsam Richtlinienarbeit, Seminare sowie die FFG-Forschung im Straßenbau weiterentwickeln.
Rechtzeitig zum Kongress wurde das neue ÖBV-Merkblatt „Allianzvertrag Infrastruktur" vorgestellt. Es entstand unter der Leitung von Andreas Fromm und Christina Rebernik und stützt sich auf Erfahrungen aus bereits umgesetzten Pilotprojekten.
Marktreif ist nach eigenen Angaben auch die BIM-Plattform bim-t. Vorausgegangen waren vier Jahre FFG-Branchenforschung, knapp zwei Jahre Produktentwicklung und eine fünfmonatige Beta-Phase. Die Plattform soll den Aufwand bei der Erstellung kompatibler BIM-Modelle reduzieren.
Erstmals KOOP+ Award verliehen
Premiere feierte der KOOP+ Award, mit dem die ÖBV kooperativ und nachhaltig abgewickelte Bauprojekte auszeichnet. Vergeben wurde der Preis in zwei Kategorien, überreicht von Konstantin Savov, designiertem Geschäftsführernachfolger der ÖBV.
In der Kategorie Hochbau ging die Auszeichnung an das Projekt „DC 2 Tower" (S+B Group, PORR). Die Jury hob den flexiblen Umgang mit unerwarteten Verzögerungen sowie nachträglich entwickelte Lösungen hervor, die sowohl die Arbeitssicherheit als auch die Ressourceneffizienz verbessert haben sollen.
In der Kategorie Infrastruktur wurde das Projekt „S31 Talübergänge Sieggraben" ausgezeichnet (ASFINAG, SWIETELSKY, HABAU, HORN & Partner, ÖHLINGER & Partner, TECTON Baumanagement) – das erste ASFINAG-Vorhaben, das auf Basis eines Allianzvertrags umgesetzt wurde. Gewürdigt wurden die konsequente Anwendung des Allianzmodells, kurze Transportwege für Aushubmaterial und ein Verkehrskonzept, das Staus während der Bauzeit weitgehend vermieden habe.
Fachprogramm: Nachhaltigkeit und Digitalisierung dominieren
Das zweitägige Programm umfasste rund 50 Fachvorträge. Zwei Themen prägten die Beiträge übergreifend: Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Die Keynote hielt Sarah Buchner, die aus dem Silicon Valley anreiste. Sie zeigte, wie KI-Anwendungen Verzögerungen, Nacharbeiten und Informationssilos auf Baustellen reduzieren können, indem entscheidungsrelevante Daten gezielter verfügbar gemacht werden.
Weitere Vorträge widmeten sich der automatisierten Prüfung von IFC-Modellen über die Plattform bim-t, dem Einsatz von Industrierobotern und speziellen Mörtelrezepturen zur Herstellung segmentierter, vorgespannter Querschnitte sowie Strategien zur Bewältigung steigender Projektvolumina im Straßen- und Bahnbau. Diskutiert wurden dabei auch alternative Vertragsmodelle und Fragen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern.
Networking als zweite Säule
Der Kongressabend war erneut ausgebucht – nach Angaben der Veranstalter trotz Buchung eines der größten Säle des Austria Center Vienna mit Warteliste. In den Lounge-Bereichen der Golden Sponsors STRABAG, PORR, SWIETELSKY und HABAU GROUP stand der informelle Austausch im Mittelpunkt.
Dass Networking eine zentrale Funktion des Kongresses bleibt, machte Pauser deutlich: Auch beim BAUKONGRESS 2028 soll der Abendveranstaltung wieder spürbar Raum gegeben werden.