Liebherr Nenzing : 746,6 Millionen Euro - Liebherr Nenzing bricht eigenen Rekord

Stausee Wurtenspeicher, Kärnten: Liebherr-Geräte erhöhen den Damm auf 1.700 Metern Seehöhe.

Hoch oben in den Kärntner Alpen erhöht Züblin mit Liebherr-Geräten den Damm des Wurtenspeichers – auf 1.700 Metern Seehöhe.

- © Roman Noestler

Manchmal passt alles zusammen. Liebherr Nenzing erzielte im Geschäftsjahr 2025 mit 746,6 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord – ein Wachstum von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und das ausgerechnet in jenem Jahr, in dem der Standort sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Dabei war das Umfeld alles andere als einfach. Die globale Bauwirtschaft verzeichnete 2025 zwar Wachstum, das Tempo verlangsamte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr. Geopolitische Spannungen und eine volatile Wirtschaftslage prägten das Umfeld. Dass Liebherr Nenzing dennoch zulegen konnte, liegt vor allem an der Spezialisierung: Die in Nenzing gefertigten Hydroseilbagger, Raupenkrane und Spezialtiefbaugeräte profitieren von einer anhaltenden Investitionsbereitschaft in Infrastruktur und Energie – Bereiche, in denen Investitionen langfristig angelegt und Teil umfangreicher Konjunkturprogramme sind.

Nordamerika und Europa ziehen gleich

Die Liebherr-Werk Nenzing GmbH exportiert traditionell rund 99 Prozent ihrer Produkte ins Ausland – und die Nachfrage kommt aus aller Welt. Stärkste Absatzregion bleibt Nordamerika, das seinen Umsatzanteil trotz wachsender Komplexität in der Zollthematik auf über 40 Prozent steigern konnte. Bemerkenswert ist die Entwicklung in Europa: Der Heimatmarkt wuchs überdurchschnittlich und zieht nun mit Nordamerika nahezu gleich – ein deutliches Signal, dass auch auf dem alten Kontinent die Nachfrage nach Spezialmaschinen anzieht. Nicht-EU-Länder folgen mit knapp zehn Prozent auf Rang drei.

Während in allen drei Regionen die Auftragseingänge auf neue Rekordstände kletterten, verloren der Mittlere Osten und Fernost etwas an Gewicht. Positiv fällt auch die Bilanz auf Produktebene aus: Alle Geschäftsfelder konnten zulegen. Die Raupenkrane hielten ihr Rekordniveau aus dem Vorjahr, besonders dynamisch entwickelten sich Hydroseilbagger und Spezialtiefbaumaschinen – was das Unternehmen als Bestätigung seiner Diversifizierungsstrategie entlang der Bereiche Heben, Umschlag und Spezialtiefbau wertet.

Elektro, Schwerlast, Digitalisierung

Technologisch setzt Liebherr Nenzing gleich auf mehreren Feldern Akzente. Das prominenteste Exponat des Jahres war der erste vollelektrische Seilbagger vom Typ HS 8100.2 dual power, der auf der Bauma 2025 in München Weltpremiere feierte. Im Netz- oder Dual-Power-Betrieb arbeitet das Gerät emissionsarm – ein Vorteil vor allem auf lärmempfindlichen und urbanen Baustellen.

Im Spezialtiefbau wurde die Kombination aus Seilbagger HS 8130.1 und Schlitzwandfräse LSC 8-20 überarbeitet und ermöglicht nun Schlitzwände bis zu zwei Meter Dicke und 150 Meter Tiefe. Bei den Raupenkranen brachte Liebherr den 400-Tonnen-Kran LR 1400.1 SX auf den Markt, ausgelegt für Schwerlasteinsätze mit hydraulisch verstellbarem Gegengewicht. Digitale Assistenzsysteme – etwa zur laufenden Berechnung von Bodendruck und Geräteschwerpunkt – runden das Portfolio ab.

Ein Standort, 50 Jahre, 46 Nationen

1976 gründete Hans Liebherr das Werk in Nenzing – ursprünglich für die Produktion maritimer Krane, nachdem das deutsche Stammwerk in Ehingen an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen war. Was mit weniger als 100 Beschäftigten begann, ist heute einer der größten Arbeitgeber Vorarlbergs: Über 1.900 Mitarbeitende aus 46 Nationen, darunter 133 Lehrlinge, sind am Standort tätig. Das Jubiläum wird am 27. Juni 2026 mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 55.000 Mitarbeitende und erzielte zuletzt einen Gesamtumsatz von 14,7 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet Nenzing mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung – die Auftragsbücher sind gut gefüllt.