Es handelt sich um eine Fertigteil- Segmentbauweise, wobei etwa 100 unterschiedliche Fertigteile ausreichen, um damit das gesamte Autobahnnetz aufzubauen (Baukastensystem). Wegen des extrem schnellen Baufortschrittes müssen pro Tag zwischen 50 und 100 Fertigteilsegmente produziert werden. Dabei kann es vorkommen, dass am selben Tag viele gleiche Teile benötigt werden. In diesem Fall werden dann entsprechend viele gleiche Schalungen gebraucht. „Mit einer speziellen Schalungstechnik können wir die Schalungskosten in Grenzen halten und die Zwischenlagerung von Fertigteilen minimieren“, sagt Sparowitz. Die UHPC-Fertigteile werden einzeln vom Fertigteilwerk zur Baustelle transportiert. Die Fertigteile haben ebene Stirnflächen, und werden auf der Baustelle mit Hilfe einer externen Längsvorspannung miteinander verbunden – das heißt: gegeneinander gepresst. Die Trockenfugen werden also durch die Vorspannung „überdrückt“. Die Querkraft wird mittels Reibungskräften über die Fuge übertragen. Der Zusammenbau und das Vorspannen der Tragwerksfelder erfolgt auf der Baustelle am Boden direkt unter der Einbaustelle. Der Balken wird durch das Vorspannen tragfähig. Er braucht dann nur mehr mit zwei Kränen angehoben und auf die vorbereiteten Lager abgelegt werden.
Dieser Vorgang ist im Vergleich zu alternativen Bauverfahren einfach und schnell durchführbar. Extern vorgespannte Tragwerke in Segmentbauweise lassen sich „rückbauen“. Wenn sich die Verkehrssituation verändert, braucht man nur die Spannglieder zu entspannen. Dann zerfällt der Balken wieder in seine Bestandteile (Segmente) und kann an anderer Stelle wieder verwendet werden.
SOLID: Wann beginnt die Zukunft?
Dr. Lutz Sparowitz: Die Zukunft hat bereits begonnen. Der Zuwachs der Weltbevölkerung und der anhaltende Urbanisierungsprozess führen dazu, dass sich bis zum Jahr 2050 weltweit zusätzlich 2,4 Milliarden Menschen in Städten ansiedeln. Das entspricht beispielsweise 2.400 neuen Städten oder Stadtteilen mit je einer Million Einwohnern, die in den nächsten 30 Jahren hinzukommen – vor allem im asiatischen Raum China und Indien, aber hoffentlich auch in Afrika.
Ist Ihre Verkehrslösung Quickway nur für diese neuen Städte? Oder lassen sich auch bestehende Systeme umrüsten?
Sparowitz: Wenn man bedenkt, dass in vielen historisch gewachsenen Städten das kulturell wertvolle Stadtzentrum innerhalb einer Quicknet-Masche Platz findet, ist ein Umrüsten von bestehenden Städten relativ einfach möglich. Meines Erachtens kommt dies aber trotzdem erst in Frage, nachdem das Quickway System das Verkehrsproblem von neuen Städten überzeugend lösen konnte und sich dabei als Triebfeder für eine boomende Wirtschaft erwiesen hat. Dann wird voraussichtlich ein entsprechender Druck auf jene Städte entstehen, die mit konventionellen Verkehrslösungen „im Stau ersticken“.
Auf welche Erfahrungswerte greifen Sie zurück?
Sparowitz: Ich habe bereits vor etwa zehn Jahren zwei UHPC-Brücken entworfen, die damals auch ausgeführt wurden. Die erste ist eine mittelgroße Straßenbrücke in Völkermarkt/Kärnten und das zweite ist eine Eisenbahnbrücke, ebenfalls in Segmentbauweise, die den Eisenbahnverkehr temporär über Baustellen leiten kann. Eine weitere derartige Brücke befindet sich derzeit in unserem Büro in der Ausführungsplanung.