Im Westen von Rotterdam ist die Nähe zur Nordsee überall zu spüren. Der Himmel ist weit, die Landschaft ganz flach. Alle paar hundert Meter durchzieht ein breiter Kanal die Szenerie. Doch von einer Strandatmosphäre ist die Stimmung hier, am äußersten Ende des Rhein-Maas-Deltas, weit entfernt – in der Luft liegt ein beständiges Dröhnen. Raffinerien, Fabrikhallen und Schiffskräne wechseln sich mit weitläufigen Autobahnkreuzen ab. Auf dem Wasser tuckern Frachtschiffe vorbei, an Land reihen sich Kolonnen von Lkws aneinander. Nachts ist das Areal vom Weltraum aus gut zu sehen, weil kilometerweit alles taghell erleuchtet ist.
Der Rotterdamer Hafen ist der größte Europas und einer der drei größten der Welt. Hunderttausende Schiffe transportieren hier jedes Jahr Container und Frachtgut: Erdöl, Erze, Waren, Zitrusfrüchte. Dieser Hafen ist das wirtschaftliche Herz der hochindustrialisierten Niederlande. Manchmal sagen Volkswirte, das ganze Land und weite Teile Norddeutschlands seien eigentlich nur das Hinterland des Rotterdamer Hafens. Der Rijksweg 15 geht quer durch
Mittendrin verläuft der Rijksweg 15, der später zur Autobahn A15 wird. Unter der Ouden Maas taucht die A15 in einen Tunnel. Zwei Spuren biegen parallel dazu oberirdisch auf eine Stahlbrücke ab, die alte „Botlekbrug“. Alle Gefahrguttransporter fahren hier über die Brücke, weil sie nicht durch den Tunnel dürfen. Während dessen warten immer mehrere Frachtschiffe entlang des Kanals darauf, dass die betagte Konstruktion sich ächzend hebt. Die Schiffe müssen lange warten – und jedes Mal, wenn die Brücke oben ist, bildet sich auf beiden Seiten sofort ein langer Lkw-Stau.
Das wird nicht mehr lange so bleiben. Direkt neben der alten Hubbrücke hat sich eine Großbaustelle auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern breitgemacht. An beiden Ufern sind heute die Umrisse von Vorlandbrücken erkennbar. Und aus dem braunen Wasser ragen wuchtige Pylone aus Beton, groß wie ein Hochhaus, in den Himmel. Dies wird die neue „Botlekbrug“ sein – die mit Abstand größte Hubbrücke, die je gebaut wurde. Und das Bauprojekt wird die Handschrift mehrerer österreichischer Baufirmen tragen.