Österreich

Birtel: "Haben nie um Konjunkturpakete gebeten"

Birtel Strabag 2017
© thomastopf.com

Strabag-CEO Thomas Birtel hat der deutschen Wochenzeitschrift Die Zeit ein langes Interview gegeben, in dem viele aktuelle Fragen der Baubranche angesprochen werden.

Hier einige wesentliche Aussagen - das gesamte Interview finden sie HIER:

Zur Materialknappheit, Preissteigerungen und Baukonjunktur

Es ist fast wie mit dem Toilettenpapier im vergangenen Jahr: Wenn Unternehmen tatsächlich eine Quelle für einen Baustoff finden, sagen sie zum Lieferanten: Gib mir alles, was du hast. Die Baukonzerne betreiben eine Vorratswirtschaft, die man so bislang nicht kannte – und die man sich natürlich auch leisten können muss.

Die Materialknappheit ist auf jeden Fall ein Stressfaktor für den Wohnungsbau. Die Margen der Vermieter sind auch nicht so hoch. Wenn die Kosten für Bauprojekte steigen, müssen sie überlegen, ob ein Projekt noch rentabel ist. Ein größeres Problem sind aus meiner Sicht aber die Grundstückspreise. Ihr Anteil an den Gesamtkosten ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Kommunen könnten da viel mehr zur Entspannung beitragen, wenn sie ihre eigenen Grundstücke verstärkt für den Wohnungsbau nutzen.

Wir Bauunternehmen haben nie um Konjunkturpakete gebeten. Unsere Branche ist schon jetzt extrem ausgelastet, die Konjunkturpakete können zu Überhitzung führen.

Zum Personalmangel

Die Baubranche zahlt in Deutschland schon am besten. Trotzdem gibt es Probleme, junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern. Das liegt an der Natur unserer Arbeit, unsere Jobs sind nicht für jeden etwas. Wir arbeiten unter freiem Himmel, bei Wind und Wetter, und die Baustelle ist nicht immer direkt vor der Haustür. Uns fehlt zudem eine ganze Generation an Bauingenieurinnen und -ingenieuren, weil während der Baukrise zwischen 1995 und 2005 kein junger Mensch, dem Jobsicherheit wichtig war, Bauingenieurswesen studiert hat.

Zum Umgang mit dem Thema CO2 und Nachhaltigkeit

Wir haben bereits Bauvorhaben mit Beton realisiert, der eine bessere CO2-Bilanz hat. Wir reden hier von Einsparungen von bis zu 60 Prozent. Aber die Mengen reichen bei Weitem noch nicht aus, und der Kubikmeter ist etwa 15 bis 20 Prozent teurer. Bislang sind nur wenige Kunden bereit, das zu bezahlen, und fragen klimafreundliche Baustoffe kaum nach. Wir konzentrieren uns deshalb zusätzlich auch auf Bereiche, die wir selbst beeinflussen können, also etwa dieselbetriebene Baumaschinen auszutauschen. Eine Herausforderung sind insbesondere große Baumaschinen wie etwa Bagger, die auf unterschiedlichen Baustellen zum Einsatz kommen. Hier sind Alternativen zum Dieselbetrieb noch nicht in Aussicht.