Österreich

WKÖ will Investitionsanreize für mehr Gebäudesanierungen

In diesem Fall nimmt die Elektrobranche die Vorreiterrolle ein.

Sanierung Österreich

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sorgt sich ums Klima und will deshalb Anreize für Gebäudeinvestitionen, damit die Sanierungsrate steigt. Die Rate sollte von 0,8 auf über 2 Prozent jährlich verzweieinhalbfacht werden, etwa mithilfe neuer Steuer-Abschreibungs- und Absetzmöglichkeiten, erklärten mehrere Elektro-Fachverbände am Freitag. Das Energieeffizienzgesetz halten sie für reformbedürftig.

"Durch Gebäudesanierung kann man mehrere Millionen Tonnen CO2 im Jahr einsparen - es braucht aber Taten, nicht nur schöne Worte", betonte Robert Pfarrwaller, Fachausschuss-Vorsitzender Elektrogroßhandel des Elektrohandels-Bundesgremiums, vor Journalisten. "Der Klimaschutz ist für uns nicht nur ein Wahlkampfslogan", die beteiligten Fachverbände wollten das Thema an den Endverbraucher bringen, so Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister der Elektro- und Gebäudetechniker. Um große Veränderungen zu erreichen, seien die bisherigen Förderungen aber zu wenig, meinte Manfred Müllner, Vize-Geschäftsführer des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI).

Bei den steuerlichen Unterstützungen der getätigten Investitionen sollte darauf abgestellt werden, welche - durch entsprechende Nachweise belegte - Energie- und CO2-Einsparungen sie mit sich bringen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier zur Überarbeitung des Bundes-Energieeffizienzgesetzes (EEffG) hinsichtlich des Energieträgers Strom und seines Einsatzes in Gebäuden. Von Absetzbeträgen in Verbindung mit der Einkommensteuer-Veranlagung könnten private Häuslbauer profitieren, meinten Pfarrwaller und Müllner, Abschreibungen seien für Firmen geeignet. Vorstellbar sei eine Abschreibungsmöglichkeit über fünf Jahre nach der Investition - damit könnten auch private Investoren motiviert werden, bestehende Gebäude gesamtenergetisch zu verbessern, heißt es in dem Papier.

Die Incentives sollten aber nicht kurzlebig, sondern von Dauer sein. "Jede Maßnahme muss zumindest zwei Legislaturperioden halten, damit sie überhaupt greift", sagte Pfarrwaller. Man stelle die bisherigen Sanierungsschecks nicht infrage, betonte auch Müllner, doch müsse das System flexibler werden: "Es muss aus einer breiten Palette gewählt werden können." Neben dem Privatbereich werde man sich zu den Sanierungen "auch für öffentliche Gebäude überlegen müssen, wie man zusätzliche Budgetmittel bekommen kann", so Pfarrwaller.

Im Hinblick auf den künftig verstärkt aus Erneuerbaren Energiequellen erzeugten Strom bedürfe es auch einer "breit angelegten Speicherstrategie", meinte Pfarrwaller. Zudem müsse es Erleichterungen etwa für die Solarstrom-Eigenverbrauchsanteile geben - bei Steuern bzw. Gebühren. Den "Local Energy Communities" werde künftig eine bedeutende Rolle zukommen. Elektrotechniker Wirth bemängelte, dass es derzeit rechtlich keine Möglichkeit gebe, innovative Heizformen wie eine Infrarot-Heizung gespeist aus PV-Strom einzusetzen.

Das zeitlich befristete Energieeffizienzgesetz bedürfe einer Nachfolge, in die entsprechenden Überarbeitungen sei man eingebunden, wurde am Freitag erklärt. Pfarrwaller wünscht sich, dass beim EEffG künftig Anreize und Belohnungen statt Strafen im Mittelpunkt stehen, das jetzige Gesetz sei vor allem auf Strafen aufgebaut, kritisierte er. Müllner monierte, dass die Ziele des Gesetzes "hehre" seien, übrig geblieben seien aber "Einzelmaßnahmen und eine überbordende Bürokratie - das wollen sich weder die Unternehmen noch unsere Kunden leisten". Auch in der Vergangenheit hatte die WKÖ wiederholt Kritik an der Bürokratie im Zusammenhang mit dem Energieeffizienzgesetz geäußert. (APA)