Österreich

„Trennung zwischen Planung und Bau wegbekommen“

Im Vorfeld der Veranstaltung „Partnerschaft mit Baupraxis“ sprachen wir mit ÖBV-Präsident Peter Krammer über die aktuellen Entwicklungen zum Thema.

Von
ÖBV Allianzverträge Bauvertrag Österreich Peter Krammer

Die Atmosphäre zwischen Bauherrn und Ausführenden wird „nie wie auf einem Ponyhof sein“, zitiert Strabag-Vorstand Krammer den Value One-CEO Andreas Köttl. Aber es geht darum, „gezielter in eine Richtung zu gehen“, den Teamgedanken zu fördern und weniger das Trennende als das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen, so Krammer

Das Allerwichtigste für Krammer ist, die Trennung zwischen Planung und Bau wegzubekommen. „Das ist der größte Fehler in der gesamten Baukonstruktion“, ergänzt er und bezieht sich dabei auf die Praxis bei öffentlichen Bauaufträgen. „Wenn du da in der Planung dabei bist, darfst du nicht ausführen – und dieser Riesenfehler hat dazu geführt, dass es doch eine ganze Menge an Desasterprojekten gegeben hat.“

Die kooperative Projektabwicklung sieht Krammer dabei als Vorstufe, bei der man einen nach altgebrachten Methoden geschlossenen Vertrag in der Abwicklung eben unter dem Gesichtspunkt der Zusammenarbeit und nicht des Konflikts handhabt.

Zielrichtung komplexe Projekte

Bei komplexen Projekten (in einer der Dimensionen finanziell, terminlich oder Konstruktion) mache es auf jeden Fall Sinn, wenn der Auftraggeber in einem frühzeitigen Prozess sowohl die ausführende Baufirma als auch einen Planer evaluiert und benennt, eventuell dazu noch je nach Projekt notwendige Spezialisten. „Diese sollten in einer ersten Vertragsphase zusammengeschlossen werden, in der das Projekt gemeinsam bis zur Baureife entwickelt wird. Dann weiß der Planer ganz genau, was zu bauen ist, der Bauherr weiß, was er bekommt und das Bauunternehmen hat sich in die Planung eingebracht und seine Preise begründbar evaluiert.“

Nach dieser Phase 1 hat der Bauherr dann die Möglichkeit zu entscheiden, ob er in dieser Konstellation weitermacht und den Bauauftrag auslöst, einen anderen Weg wählt oder gar abbricht. Es gäbe damit weniger Schwierigkeiten und „keiner kann dann kommen und sagen: das habe ich nicht gewusst“.

Mittlerweile ist auch geklärt, dass das Vergaberecht solche Konstellationen durchaus möglich macht. Warum gibt es dann nicht schon mehr solcher Projekte, vor allem im öffentlichen Bereich? Krammer: „Weil es etwas Neues ist und weil es auch im alten Modell sehr viele Projekte gab und gibt, die erfolgreich abgewickelt worden sind und werden.“ Es werde dazu auch einen Generationenwechsel brauchen und ein anderes Verständnis der Rollen am Bau, sagt der öbv-Präsident.

Die öbv hat zu diesem Thema einen Arbeitskreis "Alternative Vertragsmodelle" (https://www.bautechnik.pro/DE/AK/Detail/75) unter Vorsitz von Andreas Fromm (Geschäfstführer Asfinag Bau Management Gmbh), der im Frühjahr unter gleichen Namen ein öbv-Merkblatt herausgeben wird. Über den Letztstand dieser Arbeiten wird Andreas Fromm auch in der Veranstaltung am 19.11. um ca. 17 Uhr berichten: https://www.allianzvertrag.at/Event/Programm

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