Österreich

Strabag-Krammer: "Brückensituation in Deutschland alarmierend!"

Der für Deutschland zuständige Vorstand sieht einen wirtschaftsgefährdenden Engpass.

Von
Strabag Deutschland Infrastruktur Brücken Peter Krammer

Strabag-Vorstand Krammer: "Mehr Mittel alleine reichen nicht aus, es fehlt an baureifen Projekten."

In Deutschland sind nach Angaben der Grünen rund 1.100 Eisenbahnbrücken marode. "Wenn wir den Substanzverfall bei der Infrastruktur endlich aufhalten wollen, müssen wir deutlich mehr Geld in die Schieneninfrastruktur investieren", forderten Fraktionsvize Oliver Krischer und Spitzenkandidat Cem Özdemir. Sie warfen dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Untätigkeit vor. "Damit schadet er unserer Volkswirtschaft." Der Verfall bremse den Bahnverkehr aus, Brücken müssten zum Teil mehrere Wochen lang gesperrt werden.

Im Schnitt seien die maroden Brücken 86 Jahre alt, 2014 waren mindestens 1.200 Brücken als dringend sanierungsbedürftig eingestuft worden.

SOLID befragte dazu den für das Segment Nord-West und damit Deutschland zuständigen Strabag-Vorstand Peter Krammer. Krammer meint: 

 „Die Situation ist keinesfalls neu, sie ist dadurch aber nicht weniger alarmierend. Im Gegenteil: nun rächt sich gerade im Brückenbereich, dass die Infrastruktur auf Verschleiß gefahren wurde und eine regelmäßige Überprüfung und Instandsetzung ausgeblieben ist. Aufgrund der Vielzahl maroder Brücken kann es nun zu erheblichen Engpässen kommen. Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen wären verheerend, wie die Bauindustrie seit Jahren mahnt!
 
Zwar hat die Bundesregierung die Investitionswende eingeleitet und dabei auch die Mittel für die Schieneninfrastruktur deutlich erhöht. Doch mehr Mittel alleine reichen nicht aus. Es fehlt an baureifen Projekten! Dies ist aber kein kurzfristiges Versäumnis von Bundesverkehrsminister Dobrindt.
 
Ursache für den Mangel an baureifen Projekten ist die „Politik der Investitionszurückhaltung“ der vergangenen Legislaturperioden, die auch die Deutsche Bahn dazu veranlasst hat, die Vorbereitung neuer Verkehrsprojekte auf Sparflamme zu betreiben. Außerdem lag die Prioritätensetzung in den vergangenen Jahren meist eher auf dem Netzausbau als auf dem Erhalt. Der gleichzeitige Abbau von Planungskapazitäten verhindert heute, dass das „Ruder“ kurzfristig herumgerissen werden kann. 
 
Ein weiteres Problem ist die steigende Komplexität der Planungs- und Genehmigungsverfahren, die es immer schwieriger werden lässt, in angemessener Zeit Baurecht zu schaffen. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, als gerade jetzt viele Brücken nicht mehr repariert werden können, sondern neu gebaut werden müssen. Auch den Bürgern sind diese langen Planungszeiten nicht vermittelbar. Mehr noch: was nützt es uns allen, wenn wir die Bürger von einem Projekt überzeugt haben, die Planung dann aber solange dauert, dass deren Enkel am Ende protestieren, wenn die Bagger kommen. 
 
Was wir deshalb brauchen sind zweierlei Dinge: Erstens, das von der Bundesregierung angekündigte Planungsbeschleunigungsgesetz. Zweitens muss die Antwort auf die öffentlichen Kapazitätsengpässe die stärkere Nutzung alternativer Beschaffungsformen sein, wie etwa die Beauftragung von Bau- und Planungsleistungen aus einer Hand (Design-and-Build-Modelle).