Österreich

Startschuss für die neuen Strecken im Wiener U-Bahn-Netz

Lesen Sie, was der Maulwurf dabei bringt und warum es trotzdem für viele nicht lustig werden wird.

Wien U-Bahn Infrastruktur

Die Luftballons in Türkis und Lila markieren die Umrisse des künftigen Schachts: Von jener 65 mal 35 Meter großen Fläche am Beginn der Triester Straße aus wird ein Großteil der unterirdischen Arbeiten für das neue U2/U5-Linienkreuz in Wien erfolgen. Am Montag fand unter Beisein politischer Prominenz der Spatenstich für das Großprojekt statt. Die ersten Züge sollen 2024 fahren.

Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer sprach beim feierlichen Akt von einem "Lückenschluss" für das innerstädtische U-Bahn-Netz. Konkret wird die U5 auf dem jetzigen U2-Abschnitt von Karlsplatz bis Rathaus und dann auf einer neu gebauten Strecke in der ersten Ausbaustufe bis zum Frankhplatz (Altes AKH) fahren. Die U2 wiederum wird ab der Station Rathaus auf einer neuen Trasse Richtung Süden fahren - und zwar über Neubaugasse (U3) und Pilgramgasse (U4) bis zur vorläufigen Endstelle Matzleinsdorfer Platz (S-Bahn).

Letztere Location spielt auch eine zentrale Rolle für den Bau der lila Verlängerung. Denn von hier aus - eben konkret vom Baufeld Triester Straße in Favoriten - frisst sich die in 30 Metern Tiefe startende Tunnelbohrmaschine unterirdisch in Richtung 7. Bezirk. "Damit ersparen wir uns 20.000 Lkw-Fahrten im dicht verbauten Gebiet", erklärte Steinbauer. Der "Maulwurf" - wie das Ungetüm genannt wird - ist so konstruiert, dass er nicht nur ins Erdreich vordringt, sondern das anfallende Material auch abtransportieren und die entstehende Röhre gleichzeitig mit Stahlbeton auskleiden kann.

Bis wirklich gebohrt wird, dauert es allerdings noch rund zwei Jahre. Denn dafür müssen die Stationen selbst im Rohbau schon fertig sein. Und diese Arbeiten sind es auch, die an vielen Wienern nicht unbemerkt vorbei gehen werden. "Es wird Momente geben, in denen uns der eine oder andere verfluchen wird", zeigte sich Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) realistisch, betonte aber zugleich, dass man die Netzerweiterung brauche "wie einen Bissen Brot" - Stichwort U6-Entlastung. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) sowie Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) erhoffen sich zudem eine höhere Anzahl der Pendler, die dann mit der U-Bahn statt dem Auto in Richtung Stadtzentrum fahren.

Davor wird es für viele Öffi-Nutzer allerdings etwas schwieriger werden. Fahrgäste werden die Auswirkungen der Bautätigkeiten vor allem ab kommenden Jahr zu spüren bekommen. Denn ab Juli 2019 wird die U2 zwischen Karlsplatz und Schottentor zwecks Umrüstung für den vollautomatischen U5-Betrieb zwei Jahre lang gesperrt. Ebenfalls im Juli startet die nur zweimonatige Teilsperre der U4 zwischen Längenfeldgasse und Karlsplatz. Wobei in der Station Pilgramgasse schon ab Februar und dann ein Jahr lang keine Züge stehen bleiben werden.

Folgen haben die Bauarbeiten nicht zuletzt für die Buslinie 13A im Bereich der Neubaugasse. In den vergangenen Monaten ist eine rege Debatte zwischen Wiener Linien, Stadt und Bezirk darüber entstanden, wo genau die Ausweichroute in den kommenden Jahren verlaufen soll. Zuletzt war sogar eine mögliche Zweiteilung des 13A aufs Tapet gebracht worden. Steinbauer sagte heute, es lägen seitens der Verkehrsbetriebe nun alle möglichen Varianten auf dem Tisch. Er rechne mit einer endgültigen Entscheidung in den kommenden Wochen.

Die U5 geht bereits 2024 in Betrieb. Zwei Jahre später erfolgt dann das U2-Stück bis Matzleinsdorfer Platz. Ab diesem Jahr soll die türkisfarbene U5 dann auch schon über den Gürtel (Alser Straße) bis zum Elternleinplatz fahren. 2028 ist schließlich die weitere Verlängerung des U2-Südasts bis zum Wienerberg vorgesehen. Für die zweite Ausbaustufe von U2 und U5 ist die traditionelle Kostenteilung zwischen Stadt und Bund allerdings noch nicht unter Dach und Fach. (APA)