Österreich

KH Nord noch teurer als bisher angenommen

Wiener ÖVP kritisiert KAV-Kostenaufschlüsselung und versteckte Mehrkosten.

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Die Opposition bringt einmal mehr das Wiener Krankenhaus Nord aufs Tapet: Die ÖVP monierte am Freitag nämlich, dass die Kosten jedenfalls über der von Stadt und Krankenanstaltenverbund (KAV) zuletzt genannten Summe von maximal 1,4 Milliarden Euro liegen würden. Grund seien "versteckte" Zinsaufwendungen aus einem Darlehen. Der KAV dementierte.

"Die Kosten werden überschritten werden", versicherte ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec in einer Pressekonferenz - und zwar um rund 178 Millionen Euro. Die schwarze Rathauspolitikerin bezieht sich in ihrer Rechnung auf eine Anfragebeantwortung aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger. Darin wird aufgeschlüsselt, wie sich die Finanzierung für die Errichtung des Mega-Spitals zusammensetzt.

Demnach stellte die Stadt selbst bis Ende 2016 494,5 Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem sollen nach Eröffnung des KH Nord nicht mehr benötigte Grundstücke an anderen Spitalsstandorten verkauft werden und somit Geld in nicht näher bezifferter Höhe für den Bau hereinspielen.

Dazu kommen 105 Millionen Euro vom Wiener Gesundheitsfonds (ebenfalls bis Stichtag 31. Dezember 2016) sowie ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 300 Millionen Euro. Für diesen Kredit fallen laut Aufstellung des Gesundheitsressorts bis Ende der Laufzeit 2035/2036 in Summe 177,93 Millionen Euro an - für Korosec "bis dato verheimlichte" Zusatzkosten. Somit werde das Krankenhaus in Floridsdorf mit jedenfalls über 1,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen.

Klubobmann Manfred Juraczka bekräftigte die Notwendigkeit einer Untersuchungskommission und appellierte an die FPÖ, einer solchen zuzustimmen. Denn die Schwarzen haben zu wenige Mandatare im Gemeinderat, um eine U-Kommission mit alleiniger Kraft einzuberufen. FPÖ-Klubobmann Dominik Nepp wiederholte postwendend per Aussendung, dass man dafür bereit sei, davor aber noch - wie schon mehrfach angekündigt - den Endbericht des Rechnungshofs zur Causa KH Nord abwarten möchte.

Im KAV kann man die Aufregung rund um die Zinsaufwendungen gar nicht verstehen. Direktor Herwig Wetzlinger legte in einer Aussendung Wert auf die Unterscheidung zwischen Baukosten einerseits und Finanzierungskosten andererseits. Letztere seien in den Errichtungskosten nie enthalten. Das sei durch die ÖNORM festgelegt, "um so auch mit anderen Baukosten vergleichen zu können", versicherte Wetzlinger.

Insofern würden auch bei sämtlichen anderen Bauprojekten keine Finanzierungskosten bzw. anfallende Zinszahlungen in die Errichtungskosten einberechnet, hieß es auf APA-Nachfrage. Der KAV geht weiterhin davon aus, dass maximal 1,4 Milliarden Euro an Bauaufwendungen für das Riesenspital anfallen werden. Nach derzeitigem Stand sollen - nach einigen Verschiebungen - die ersten Patienten im Sommer 2019 dort behandelt werden. (APA)
 

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