Italien

Genua-Einsturz: die finanziellen Folgen und die Frage der Sicherheit

Für die betroffene Infrastrukturfirma gibt es eine massive Ergebnis-Belastung und noch immer Unklarheit bei den Ursachen.

Morandi-Brücke Italien

Der Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke in Genua, bei der am 14. August 2018 43 Menschen ums Leben gekommen sind, belastet den italienischen Infrastruktur-Investor Atlantia schwer. Fehlende Einnahmen durch Maut, Kosten für den Abbau der Brücke und für die Entschädigung der Verletzten und Familienangehörigen der Todesopfer belasteten den Gewinn um 371 Millionen Euro, teilte der Konzern mit.

Wegen Rückstellungen in Zusammenhang mit der geplanten Neuerrichtung der Brücke, die Ende 2020 eingeweiht werden sollte, betrug die Belastung für das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) sogar 513 Millionen, so der an der Mailänder Börse notierte Konzern, der heute seine Jahresergebnisse 2018 veröffentlichte.

Trotz des Unglücks kletterte das EBITDA von Atlantia im abgelaufenen Jahr um zwei Prozent auf 3,77 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um 16 Prozent auf 6,91 Milliarden Euro. Der Gewinn fiel um 30 Prozent auf 81 Millionen Euro. Die Investitionen betrugen 1,125 Milliarden Euro.

Die Holding, an der die Familie Benetton maßgeblich beteiligt ist, hält 88 Prozent der Anteile am Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia (ASPI), Betreiber der eingestürzten Brücke. Der Rest liegt bei Investoren. Atlantia prüfe zurzeit den Verkauf eines Minderheitsanteils an ASPI, teilte die Holding mit. Auf dem italienischen Autobahnnetz meldete Atlantia 2018 ein Verkehrswachstum von 0,2 Prozent. Auf dem ausländischen Autobahnnetz betrug das Plus durchschnittlich 2,7 Prozent, teilte der Konzern mit.

Atlantia betreibt über 5.000 Autobahnkilometer - vor allem in Italien, wo das Unternehmen 51 Prozent des Verkehrsnetzes kontrolliert - aber auch in Brasilien, Indien, Chile und Polen. Außerdem ist der Konzern seit 2013 auch im Luftverkehrsbereich aktiv und hält Beteiligungen an den Flughäfen Fiumicino und Ciampino in Rom und drei weiteren in Frankreich. Seit November gehört auch der spanische Autobahnbetreiber Abertis zum Konzern.

Bei dem Unglück Mitte August war die Morandi-Autobahnbrücke auf einer Länge von mehr als 100 Metern eingestürzt. Unklar ist, ob vorangegangene Warnungen zum maroden Zustand der Brücke nicht ernst genommen und Instandhaltungen verschleppt wurden. Die Staatsanwaltschaft von Genua ermittelt gegen den Chef von Atlantia und ASPI, Giovanni Castellucci.

"Aus gründlichen Kontrollen geht hervor, dass unser Autobahnnetz absolut sicher ist, es bestehen keine Gefahren. Wir werden weiterhin für den Wiederaufbau, die Entschädigung der Familien der Opfer, sowie zur Verringerung der Probleme derjeniger arbeiten, die vom Einsturz geschädigt wurden. Wir versuchen zu begreifen, was in Genua passiert ist", so Castellucci. Derzeit wird die Brücke in Genua abgerissen. Sie soll bis Ende 2020 auf Basis eines Plans des Genueser Stararchitekten Renzo Piano neu errichtet werden. (APA)