Österreich

Boom am heimischen Immo-Markt macht Pause

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Immobilien Österreich Konjunktur

Die Nachfrage am österreichischen Immobilien-Markt übertrifft das Angebot. Insbesondere am Immo-Investment-Markt wird es 2019 einen Rückgang geben - weniger wegen mangelnden Interesses, sondern wegen einer begrenzten Verfügbarkeit geeigneter Objekte, erklärte die Bank Austria am Dienstag. Am Büromarkt sinke die Neubautätigkeit, bei Wohnungen sinke der Neubaubedarf in den nächsten Jahren.

Asiatische und deutsche Investoren würden am heimischen Markt verstärkt in Erscheinung treten, es gebe weiterhin eine rege Nachfrage, so Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate der UniCredit Bank Austria, am Dienstag. Gesucht würden die Asset-Klassen Büros, Hotels und großvolumige Wohnimmobilien. Wegen der sich abzeichnenden Marktsättigung in den meisten Asset-Klassen werde die Hochbauindustrie ab Anfang der 2020er Jahre weniger Nachfrage sehen - was die Bauwerkskosten dämpfen sollte. Vorherrschendes Thema in allen städtischen Ballungsräumen werde die Verfügbarkeit von leistbarem Bauland sein.

2018 wurde in Österreich der Allzeitrekord bei kommerziellen Immo-Investments zwar nicht übertroffen, das Transaktionsvolumen von rund 4 Mrd. Euro lag aber im Rahmen der Spitzenwerte der letzten Jahre, so Immo-Analyst Walter Bödenauer in einer Aussendung. Mehrheitlich kamen die Investoren voriges Jahr aus Österreich, während 2017 die deutschen Investoren dominiert hatten. Heuer sei die Investmenttätigkeit etwas zurückhaltender: Bis Juni seien 1,8 Mrd. Euro investiert worden, etwas weniger als 2018.

Der Wohnbau hat nach Einschätzung der UniCredit Bank Austria voriges Jahr mit 66.000 fertiggestellten Einheiten "vermutlich den laufenden Wohnungsbedarf im Bundesdurchschnitt gedeckt". Jedoch seien in einzelnen Marktsegmenten große Angebotslücken geblieben, vor allem bei günstigen Mietwohnungen. Weder bei armutsgefährdeten noch bei jüngeren Haushalten sei die Wohnkostenbelastung im Langfrist-Vergleich gesunken, beide seien primär auf den Mietwohnungsmarkt angewiesen.

Voraussichtlich wachse die Wohnungsnachfrage in den nächsten Jahren langsamer, etwa wegen einer geringeren Dynamik bei Haushaltsneugründungen. Unter Annahme eines laufenden Ersatzbedarfs für abgerissene, umgewidmete oder zusammengelegte Wohnungen von rund 13.000 Einheiten und geschätzten 5.000 Wohnungen, die laufend als Anlageobjekte verwendet würden, wird der jährliche Neubaubedarf in Österreich in den nächsten Jahren deutlich unter 50.000 Wohnungen sinken, glaubt man.

Für den Wiener Büromarkt rechnet man für heuer mit einem "starken Einbruch bei der Neuproduktion", derzeit gehe man von nur mehr knapp rund 40.000 m2 Neubauvolumen aus - je nachdem wie viele in Bau befindliche Projekte sich ins neue Jahr verschieben bzw. doch noch heuer abgeschlossen werden, auch wenn sie erst für 2020 avisiert waren. 2017 und 2018 hatte die Neubautätigkeit kräftig angezogen und rund 190.000 m2 bzw. 300.000 m2 erreicht, inklusive eigengenutzte Gebäude wie etwa Unternehmenszentralen. 2016 war die Büroneuflächenproduktion in Wien auf einen Tiefststand von nur knapp 60.000 m2 gesunken. (APA)

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