Rechtssicherheit in der Corona-Krise

„Bewahren Sie einen kühlen Kopf“

Landesinnungsmeister Robert Jägersberger im SOLID-Gespräch über die Diskrepanz zwischen Baupreisen und Kostendruck, Kurzarbeit in der Corona-Krise und warum es jetzt mehr Rechtssicherheit für Betriebe braucht.

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Bauprojekte Coronavirus Robert Jägersberger

Abstand halten: Mehr Rechtssicherheit für die Bauwirtschaft fordert Landesinnungsmeister Jägersberger.

Corona hält uns alle in Bann: Wie geht NÖs Bauwirtschaft mit der Krise um?

Robert Jägersberger: Nach anfänglicher Unsicherheit aufgrund der sich überstürzenden Ereignisse gehen die Betriebe sehr bewusst und verantwortungsvoll mit der Situation um. Es gibt viele Anfragen zur Kurzarbeit. Das bedeutet gleichzeitig: Die Kündigung von Mitarbeitern wird wirklich erst als letzter Ausweg gesehen, um das Überleben eines Unternehmens zu ermöglichen.

Was wünschen Sie sich?

Jägersberger: Mein großer Appell an die Bevölkerung ist, Akzeptanz und Verständnis für die Bauwirtschaft zu zeigen. Grundsätzlich sind Bautätigkeiten nach wie vor erlaubt, und unsere Mitarbeiter machen ihre Arbeit im Dienst der Gesellschaft wie viele andere auch. Die Schaffung und Sanierung von Wohnraum sowie der Erhalt von Infrastruktureinrichtungen gehören ebenfalls zur Grundversorgung der Bevölkerung.

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Was ist die größte Herausforderung?

Jägersberger: Die größte wirtschaftliche Herausforderung der Branche ist meines Erachtens zu vermeiden, dass es zu einem völligen Stillstand kommt und die Geschäftstätigkeit so gut es geht hochzuhalten. Gleichzeitig sind wir natürlich auch für unsere Angestellten verantwortlich. Wir sind angehalten, die Vorschriften und Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Im Spannungsfeld Auftraggeber – Zulieferbetriebe – Nachunternehmer kann es dabei zu rechtlich komplexen Situationen kommen. Wir fordern hier eine Klarstellung und Rechtssicherheit für die Betriebe durch den Gesetzgeber, beispielsweise im Sinne der bereits publizierten Rechtsmeinung, dass es sich um einen Entfall der Geschäftsgrundlage handeln kann.

Wie geht es Ihren Mitarbeitern?

Jägersberger: Natürlich ist auch bei meinen Mitarbeitern eine gewisse Verunsicherung vorhanden. Einerseits will man arbeiten, andererseits gibt es auch Mitarbeiter, die Angst um die Angehörigen zu Hause haben. Wir versuchen jedenfalls nach bestem Wissen und Gewissen, die erforderlichen Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Es werden nur jene Personen zum Arbeiten eingesetzt, die nicht zu einer Risikogruppe zählen.

Worauf muss man besonders achten? Auch in Zukunft?

Jägersberger: Die Unternehmen müssen jetzt ihr wirtschaftliches Überleben sicherstellen und Vorkehrungen treffen, um nach der Krise den Betrieb schnellstmöglich wieder „hochfahren“ zu können und wettbewerbsfähig zu sein. Um die Bauwirtschaft als Motor der Wirtschaft wieder zu starten, wird im Anschluss hoffentlich mit umfangreichen Konjunkturpaketen der öffentlichen Hand zu rechnen sein. Wir als Interessenvertretung werden dabei besonders darauf achten, dass die Mittel in den Regionen bleiben und es zu Impulsen für die regionalen Betriebe und Arbeitsplätze kommt.

Was raten Sie als Landesinnungsmeister?

Jägersberger: Leider gibt es kein Patentrezept für alle Betriebe, allerdings können einige allgemeine Punkte genannt werden: Bewahren Sie einen kühlen Kopf und einen klaren unternehmerischen Blick. Wägen Sie betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und soziale Faktoren im für Sie bestmöglichen Verhältnis ab. Dokumentieren Sie Ihre Baustellen und folgen Sie dem Grundsatz „wer schreibt, der bleibt“. Rüsten Sie sich für die Zeit nach der Krise. Versuchen Sie, Fachkräfte an den Betrieb zu binden. Berücksichtigen Sie alle Instrumente und Maßnahmen, die von öffentlicher Seite zur Verfügung gestellt werden.

Welche Unterstützung gibt es seitens der Innung?

Jägersberger: Seit Beginn der Krise laufen unsere Telefone natürlich heiß und unsere Postfächer gehen über. Wir versuchen, möglichst umfangreich in den relevanten Bereichen zu beraten und bieten zudem laufende Informationen über Newsletter sowie unsere Websites. Aber wir stellen auch bereits Überlegungen an, wie wir unseren Mitgliedern in der Zeit danach bestmöglich zur Seite stehen können.

Wie läuft es bei der Lehrlingsausbildung?

Jägersberger: Mit unserem Bau-Lehrlingspaket 2020 haben wir meiner Ansicht nach voll ins Schwarze getroffen. Die Tablets ab dem 2. Lehrjahr werden von Betrieben sowie Lehrlingen sehr gelobt und äußerst gut angenommen. Das neue Ausbildungskonzept und unsere Digitalisierungsoffensive haben Vorbildcharakter. Dies hat sich in der Zeit der Krise doppelt bewährt, da Lerninhalte zwischenzeitig auch elektronisch vermittelt werden können. Mit der Lehrlingskampagne BauDeineZukunft ist uns außerdem erfreulicherweise die Trendumkehr gelungen, die Lehrlingszahlen steigen nun wieder an. Das ist abschließend jedenfalls ein schöner, positiver Aspekt für die Zukunft.

Der Bundeswettbewerb soll heuer in Niederösterreich stattfinden: Wie sicher ist das?

Jägersberger: Ja: Der Bundeswettbewerb der Hochbauer sollte heuer in Niederösterreich stattfinden und grundsätzlich sind unsere Vorbereitungen soweit alle im Zeitplan. Angedacht war, den Bewerb Mitte Oktober teilweise parallel zur Jobmania in der Arena Nova in Wiener Neustadt auszutragen. Aufgrund der momentanen Situation finden aller Voraussicht nach derzeit keine Landeslehrlingswettbewerbe statt. Es stellt sich daher die Frage, wer im Herbst zum Bundesbewerb entsendet werden sollte. Wir werden aber hoffentlich bald wissen, wie es hier weitergeht.