Italien

Benetton will nicht aus Infrastrukturbereich aussteigen

Nach dem Brückeneinsturz in Genua ist der Chef der Infrastrukturholding Edizione allerdings arg unter Druck.

Morandi-Brücke Italien Infrastruktur

Nach dem Brückeneinsturz in Genua mit 43 Todesopfern dementiert Gilberto Benetton, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Edizione, Mehrheitsaktionär des umstrittenen Autobahnbetreibers "Autostrade per l'Italia", aus dem Infrastrukturgeschäft aussteigen zu wollen. "Wir sind langfristige Aktionäre und der Infrastrukturbereich braucht geduldiges Kapital", so Benetton.

"Als wir 'Autostrade per l'Italia' übernommen hatten, betrug der Umsatz zwei Mrd. Euro, die ausschließlich in Italien generiert wurden. Heute beträgt der Umsatz des Autostrade Mutterkonzerns Atlantia elf Mrd. Euro. Das Gewicht der internationalen Aktivitäten liegt bei 50 Prozent. In den letzten zehn Jahren sind für die italienischen Autobahnen zehn Mrd. Euro investiert worden, eine Mrd. Euro pro Jahr", so Benetton im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Donnerstagsausgabe).

Die Italiener hatten sich jüngst mit dem deutschen Bauriesen Hochtief verbündet, um den spanischen Mautautobahn-Betreiber Abertis zu übernehmen. Nach dem Brückeneinsturz von Genua soll die bereits besiegelte Operation zur Abertis-Übernahme nicht gestoppt werden, versicherte Benetton. "Abertis ist ein äußerst wichtiger Deal für Atlantia und für Italien und wird nach Plan umgesetzt. Dank der Abertis-Übernahme werden wir im Bereich Autobahnen, Flughäfen und anderen Infrastrukturen weltweit konkurrieren können", sagte der 77-jährige Benetton.

Das Unglück von Genua müsse für die Aktionäre als Mahnung gelten, im Interesse der Gemeinschaft immer besser für die Sicherheit zu arbeiten. Seit dem Unglück erlebe er Tage des "Leids und der Trauer". Benetton war von italienischen Medien beschuldigt worden, sich bisher für das Unglück nicht entschuldigt zu haben. "Wenn im Fall Autostrade Fehler begangen worden sind, werden wir die notwendigen Beschlüsse ergreifen, sobald diese klar festgestellt werden", sagte der Unternehmer.

Nach der Katastrophe in Genua am 14. August drängt die populistische Regierungspartei Fünf Sterne auf eine Verstaatlichung des Autobahnnetzes und auf den Entzug der Autobahnkonzession, dank der die Familie Benetton ein 3.200 langes Autobahnnetz in Italien verwaltet. "Das Thema Verstaatlichung ist zu einer politischen Frage geworden und steht daher außerhalb meines Bereichs. Als Unternehmen haben wir stets mit den Institutionen und den Behörden kooperiert und werden es weiterhin tun, im Einklang mit unseren Rechten und Pflichten", so Benetton.

Während eines schweren Unwetters war am 14. August das sogenannte Polcevera-Viadukt, das auch Morandi-Brücke genannt wird, in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Teilstück eingestürzt. Die Brücke ist Teil der Autobahn 10, die auch als Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori" bekannt und eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei ist. Bei dem Einsturz starben 43 Personen. Die Brücke stürzte auf einige Häuser. (APA)