Bau- und Mietpreise

Spanien wird immer billiger

In den vergangenen drei Jahren fielen die Preise für Mieten und Neubauten in Madrid teilweise drastisch - damit ist die spanische Hauptstadt eine totale Ausnahme. Anderswo werden sie schlicht unbezahlbar.

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In Madrid zogen die Wohnungsverkäufe in den vergangenen Monaten dank steuerlicher Anreize und günstiger Preise an. Sie sind seit dem Platzen der Immobilienblase 2007 im Schnitt um bis zu 11 Prozent gefallen.

Im gesamten Land waren es nach Regierungsangaben 12 Prozent - die Branche selbst spricht sogar von 17 bis 25 Prozent. Vor allem an der Mittelmeerküste um Valencia und Alicante, wo viele Spanier und auch Deutsche und Briten Ferienwohnungen haben, gingen die Preise in den Keller. Die Branche sitzt derzeit in ganz Spanien auf 600.000 bis 700.000 Wohnungen, die keine Käufer finden.

Der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Madrid lag dem führenden Immobilienportal idealista.com zufolge im zweiten Quartal bei 3.831 Euro - und damit nur leicht über Berliner Preisniveau. Auch in der deutschen Hauptstadt berichten Branchenvertreter von anziehender Nachfrage und steigenden Preisen.

Auffällig teurer würden etwa Eigentumswohnungen im ehemaligen Ostteil der Stadt, urteilt die bundeseigene Immobiliengesellschaft TLG. In mittleren Wohnlagen würden inzwischen bis zu 3.500 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

Junge Familien mit höherem Einkommen mieteten zunehmend Häuser, statt sie zu kaufen, beobachtet der Branchenverband IVD. Berlins Mietpreise liegen allerdings noch weit unter denen in Paris, wo 70- bis 75-Quadratmeter-Wohnungen in halbwegs guter Lage die 2.000-Euro- Grenze hinter sich gelassen haben.

Pariser Verbraucherschützer rufen angesichts eines durchschnittlichen Mietpreises von 22,30 Euro pro Quadratmeter schon zum Einfrieren der Mieten auf. Der Siedlungsdruck ist dort enorm hoch: knapp 12 Millionen Menschen verteilen sich auf etwas mehr als 105 Quadratkilometern. Zum Vergleich: In Berlin sind es knapp 3,5 Millionen auf 891 Quadratkilometern.

Die französische "Liberation" hat untersucht, was man sich für 300.000 Euro in Paris leisten könnte - und was man dafür in anderen Städten des Landes bekäme. Das Ergebnis war verblüffend. Gab es in Lille noch ein Haus mit großem Garten oder in Marseille ein 120 Quadratmeter-Appartement in bester Innenstadtlage, so reichte das Geld in Paris nur für ein 30 Quadratmeter großes Zimmer. (Reuters/APA/pm)