Österreich

Wohnbauträger kämpfen gegen Kosten

Und es gibt auch einiges zum Thema E-Mobilität.

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Heimische gemeinnützige Bauträger versuchen Belastungen wie die stark gestiegenen Baukosten einzudämmen und bremsen - mit der Begründung hoher Aufwände - gegen eine breite Ausstattung ihrer Mehrgeschoßhäuser mit Ladestationen für Elektroautos. Konkret wehrt man sich dagegen, dass die E-Mobilitätskosten in den Wohnbau hineintransferiert werden, wie Spitzenfunktionäre am Montag erklärten.

Das Thema Klimastrategie im Zusammenhang mit der stark forcierten E-Mobilität bereite den Bauträgern "Sorgen, da hier eine Verlagerung der ungelösten Verkehrsproblematik in den Gebäudesektor droht", betonte Alfred Graf, Obmann-Stellvertreter des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) und Chef der GEDESAG in Krems (NÖ).

Wer etwas bestelle, der sollte auch einen Beitrag dafür leisten, urgierte Christian Struber, Bundesobmann der ÖVP-nahen ARGE Eigenheim, Chef der Salzburg Wohnbau und GBV-Aufsichtsrat, die Einführung des Bestellerprinzips. Er verwies auf Klima-, Mobilitäts-, Umwelt- und Sozialthemen und meinte, derzeit müsse das zu 100 Prozent der Wohnbau investieren, das sei nicht gerecht.

"Wer die Anschlusskosten für eine E-Ladestation trägt, kann nicht über die Wohnbauförderung abgehandelt werden", meinte Struber vor Journalisten in Wien. In den eigenen neuen Anlagen bei der Salzburg Wohnbau errichte man überall Ladestationen, aber im öffentlichen Bereich, denn es gehe um "eine öffentliche Funktion": "Die Grundinfrastruktur ist definitiv eine öffentliche Aufgabe."

Leerverrohrungen in den Mehrgeschoßbauten könne man machen, aber keine Vollversorgung mit E-Ladestationen bei den Stellplätzen, betonte Michael Pech, GBV-AR-Chef und Vorstand der ÖSW (Österr. Siedlungswerk). Für eine Vollversorgung würden die Stromnetze gar nicht reichen, meinte er. Die Lösung für die Zukunft sehen Pech und Struber darin, dass die GBV-Bauten ihren Strom über Photovoltaik auf den eigenen Hausdächern selbst erzeugen und auch selbst in den eigenen Objekten speichern. "Der Flaschenhals ist die Netzinfrastruktur, nicht unsere Wohnanlagen", meinte Struber. Laut Schätzungen werde der E-Auto-Anteil in 15 bis 20 Jahren bei nur 25 bis 30 Prozent liegen.

In Wien sehe die ÖSW für neue Anlagen zumindest zwei, drei Ladeplätze vor, die aber nicht einzelnen Nutzern zugeordnet seien, sondern alternierend verwendet werden könnten, sagte Pech. Im Schnitt liege die Ausstattung bei 5 bis 6 Prozent; Carsharing werde nur ganz gering angenommen. Ein Tesla könne so viel Anschlusswert wie zehn Wohnungen erfordern, meinte Graf, und für ein anderes Fahrzeug zum Langsamladen betrage die Relation noch immer 1:1.

Auch anderweitig kämpfen die GBV-Bauträger gegen Kostenanstiege - sowohl bei den knapper und teurer werdenden Baugrundstücken als auch bei den Baukosten, so Graf. Schon ein Drittel der Herstellungskosten würde in die technische Ausrüstung gehen. Pech sagte, die Entwicklung der Grundstückspreise bereite den Gemeinnützigen weiter Schwierigkeiten, besonders in Wien, der Stadt Salzburg und der Stadt Innsbruck, die überhaupt der Hotspot sei. Seit Sommer/Herbst 2017 hätten die Baukosten "extrem" zugelegt, das verhindere einen leistbaren Wohnbau. Grund sei die brummende Konjunktur, die die Preise für Rohstoffe in die Höhe treibe. So werde etwa "Stahl im Monatstakt teurer", sagte Pech. Wegen der hohen Baunachfrage würden viele Kräfte aus dem Osten zum Arbeiten daheimbleiben, und in Österreich gebe es einen eklatanten Facharbeitermangel. Dass "wenige Anbieter viel Arbeit" hätten, wirke sich dann wiederum treibend auf die Baupreise aus.

Begrüßt wird von der ARGE Eigenheim das von der Regierung geplante Wohnpaket, das laut Struber noch heuer im Parlament eingebracht und noch 2018 beschlossen werden solle. ÖVP-Wohnbausprecher Johann Singer, der darüber berichten sollte, war wegen der Nationalratssondersitzung zur Causa BVT entschuldigt. Die Regierung wolle ganz massiv die Eigentumsschaffung unterstützen, so Struber. Und es gebe das klare Bekenntnis, dass bei der Erstanschaffung von Eigentum Gebühren von bis zu 20.000 Euro entfallen sollen. Weiters gehe es um Baulandmobilisierung - Sicherungsmodelle dazu sollten verfassungsrechtlich abgesichert werden. In urbanen Gebieten sei eine Überbauung von Nahversorgungs- oder Parkflächen zu erwägen, und im sozialen Wohnbau sollte wieder mehr pro Fläche gebaut werden können, verwies Struber etwa auf eine entsprechende Initiative in Salzburg.

In der ARGE Eigenheim sind hundert Wohnbauunternehmen mit über 300.000 verwalteten Einheiten und einem jährlichen Bauvolumen von über einer Milliarde Euro zusammengeschlossen. Der GBV hält am Dienstag und Mittwoch in Eisenstadt seinen diesjährigen Verbandstag ab. In personeller Hinsicht spannender wird jener 2019 in Wien, weil Karl Wurm dann nicht mehr als GBV-Obmann kandidiert. (APA)