Österreich

Wienerberger sieht sich nach Top-Halbjahr für Brexit gerüstet

Hier finden Sie die beeindruckenden Zahlen und wie CEO Heimo Scheuch sich auf den 31. Oktober vorbereitet.

Wienerberger Österreich Bilanz Brexit Heimo Scheuch

2019 dürfte bei Wienerberger in die 200-jährige Firmengeschichte eingehen - zum einen hat sich der Gewinn bereits im ersten Halbjahr verdoppelt, zum anderen soll das Vereinigte Königreich noch im Herbst aus der EU austreten. Doch auch diesbezüglich ist Konzernchef Heimo Scheuch zuversichtlich: "Die Wienerberger hat den Brexit im heurigen Jahr schon dreimal geprobt - wir sind perfekt vorbereitet."

Großbritannien ist der größte Einzelmarkt des weltweit größten Ziegelherstellers, der international auf 30 Märkten mit rund 200 Werken aktiv ist. In England betreibt das Unternehmen 14 Standorte und erzielt dort mit mehr als 1.200 Mitarbeitern etwa 10 Prozent des gesamten Konzernumsatzes von zuletzt 3,3 Mrd. Euro (2018).

"Die Wienerberger ist ein sehr starker Anbieter in England - wir sind dort ein führendes Unternehmen", sagte Scheuch am Dienstag in einer Pressekonferenz bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse. Der Konzern sei "stärker gewachsen als die Mitbewerber, die an der Londoner Börse notieren". Daran soll auch der anstehende EU-Ausstieg der Briten nicht rütteln - mit oder ohne vertragliche Übergangsregelungen.

Den Optimismus des Konzernchefs schürt der seiner Einschätzung nach "weiter hohe Bedarf an Neubau in England". Die Bevölkerung wachse und die Engländer hätten "über mehrere Jahrzehnte nicht genug gebaut". Gleichzeitig werde der Wohnungsbau derzeit durch die britische Regierung mit einem Programm "incentiviert", das Zugang zu begünstigten Krediten gewähre, "sodass wir eine nachhaltig gute Nachfrage in England haben werden". Es gebe einen aufgebauten Bedarf an neuen Wohnungen. England baue derzeit immer noch weniger Wohneinheiten als vor der Finanzkrise - waren es 2008/09 rund 200.000 pro Jahr, so seien es derzeit nur 160.000 bis 165.000.

Wienerberger setzt also ungebremst auf den britischen Markt und hat seine Position dort heuer durch die Übernahme eines Dachzubehörunternehmens verstärkt. "England ist und wird ein sehr wichtiger Bestandteil des Wienerberger-Sortiments bleiben", bekräftigte Scheuch. Der Konzern habe den U.K.-Brexit "als größter österreichischer Investor in England" in diesem Jahr schon einige Male geübt. "Wir haben lokale Standorte und können uns auf die Gegebenheiten sehr rasch einstellen."

Doch trotz der Werke vor Ort braucht der Ziegel- und Rohrhersteller auch Zulieferungen aus den Niederlanden und Belgien, was im Extremfall über die Länder hinweg eine logistische Herausforderung sein kann. "Das ist abgearbeitet - das, was vom Kontinent reingeliefert wird", so der CEO. "Wir haben auch diese Logistik optimiert und entsprechend vorgesorgt, dass es zu keinen Verzögerungen kommt."

Die Wienerberger habe das Thema Brexit bereits abgearbeitet. "Wir sind für alle möglichen Krisen vorbereitet, das heißt hier ganz klar: Das Thema ist im Griff."

Der britische Premierminister Boris Johnson will Großbritannien am 31. Oktober wie berichtet aus der Europäischen Union führen - "komme, was wolle", wie er erst kürzlich wieder betonte. Er droht mit einem Austritt ohne Abkommen, sollte sich Brüssel nicht auf seine Forderung nach Änderungen an dem mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen einlassen. Diese Forderung lehnt die EU aber strikt ab.

Im ersten Halbjahr 2019 steigerte Wienerberger den Konzernumsatz gegenüber der Vorjahresperiode auf den bisher höchsten Wert von 1,74 Mrd. Euro. Der Nettogewinn des Konzerns hat sich von 53 Mio. auf 127 Mio. Euro mehr als verdoppelt. "Wir haben wieder einige Übernahmen machen können, die wieder erheblich zum Ergebnis beigetragen haben", so der Unternehmenschef.

Und das soll so weitergehen: "Wir werden unsere Position durch Übernahmen weiter verstärken", kündigte Scheuch an. Der Schwerpunkt liege dabei in den nächsten Jahren im Rohrbereich, der bereits rund 1 Mrd. Euro zum Gesamtumsatz beitrage. Insgesamt sei das Marktumfeld "durchwachsen", also teils sehr gut, teils weniger gut. Das Infrastrukturgeschäft in Zentral- und Osteuropa (CEE) läuft den Angaben zufolge beispielsweise - nicht zuletzt dank entsprechender EU-Förderungen - recht rund, wohingegen der Wohnbau in Frankreich und Kanada infolge von politischen Entscheidungen betreffend Neubautätigkeit schwächelten.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von Wienerberger verbesserte sich heuer in den ersten sechs Monaten um 33 Prozent auf 287 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr hob die Konzernspitze den Zielwert hier auf 570 bis 580 Mio. Euro an (von zuletzt 560 bis 580 Mio. Euro). "Das heißt, wir haben noch einen ambitionierten Wachstumskurs im zweiten Halbjahr vor uns", so der CEO. 

Halboffiziell fliegen die Pläne noch etwas höher: "Dieses Unternehmen hat ein Potenzial von 600 Mio. Euro EBITDA", habe Scheuch laut Eigenangaben schon 2015 konstatiert und sei dafür belächelt worden. "Wir werden es wahrscheinlich im Jahr 2019 schaffen", meinte er heute. Das abgelaufene Jahr hatte Wienerberger mit einem bereinigten EBITDA von 460 Mio. Euro abgeschlossen. (APA)