Österreich

Wienerberger schreibt Ergebnis-Rekorde

Und zwar in allen Dimensionen - hier lesen Sie, wie das möglich war!

Wienerberger Österreich Heimo Scheuch Ziegel

Wienerberger-CEO Heimo Scheuch (im Gespräch mit SOLID-Chefredakteur Thomas Pöll) kann mehr als zufrieden sein mit der Entwicklung.

Der weltgrößte Ziegelkonzern Wienerberger hat 2017 einen Rekordumsatz von 3,1 Mrd. Euro erzielt und den Nettogewinn um rund 50 Prozent auf 123,2 Mio. Euro massiv gesteigert. Nun stehen weiteres Wachstum und Investitionen auf dem Plan - und der Sparkurs wird verschärft. "Eine 'DNA' in der Wienerberger ist kontinuierlich die Kosten zu senken", so Konzernchef Heimo Scheuch bei der Bilanzpräsentation.

2017 sei das wieder gelungen, "weil wir sehr konsequent in vielen kleinen Schritten Initiativen umsetzen", berichtete der CEO heute, Donnerstag, vor Journalisten. Vor dem vergangenen Wochenende hatte der Ziegelriese mit der Schließung zweier kleinerer Standorte in Österreich aufhorchen lassen - schon per Ende April werden das Werk im südburgenländischen Rotenturm und jenes im steirischen Fürstenfeld aufgelassen. Von der Sparmaßnahme sind 22 Mitarbeiter betroffen.

"Es handelt sich dabei um zwei Standorte, die strategisch nicht von großer Bedeutung sind und wo Rohstoffknappheit herrscht", erklärte Scheuch, gab aber gleichzeitig Entwarnung für die restlichen Standorte in Österreich. "Im Produktionsbereich sind keine weiteren Maßnahmen geplant", sagte er zur APA. Wienerberger betreibt den Angaben zufolge rund 200 Werke weltweit - 15 davon befinden sich in Österreich. Per Jahresende waren hierzulande 1.165 Mitarbeiter für den Konzern tätig. Der gesamte Personalstand ist 2017 im Jahresdurchschnitt um 2 Prozent auf 16.279 gewachsen.

Um die Ertragskraft im Konzern weiter zu stärken, sparte Wienerberger im vergangenen Jahr 11 Mio. Euro ein - "aus einer Vielzahl von Maßnahmen und die werden wir noch intensivieren", kündigte der Konzernchef an. 2018 soll die "Prozessoptimierung" 15 Mio. Euro einbringen, 2019 sollen es 20 Mio. Euro sein. Das sei heuer mit "Einmalkosten von 30 Mio. Euro" verbunden.

Parallel dazu soll der Verkauf nicht strategischer Geschäftsfelder in den kommenden eineinhalb bis zwei Jahren Erlöse von mehr als 100 Mio. Euro einspielen. "Wir werden Bereiche und Unternehmensteile abstoßen, um in wachstumsstarke Bereiche zu investieren", umriss Scheuch die Strategie. Wichtig sei "der Ausbau des Portfolios in margenstarke Aktivitäten, bei sehr stringentem Finanzmanagement, wenn es zu Investitionen kommt".

Der Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen soll im Zeitraum 2017 bis 2020 rund 70 Mio. Euro einbringen - 40 Mio. Euro davon wurden bereits im abgelaufenen Jahr realisiert. "In Osteuropa stehen noch Standorte zur Disposition", so der CEO. Zwischen 2012 und 2016 zog der Ziegelriese bereits Verkäufe im Volumen von insgesamt 93 Mio. Euro durch.

Heuer stünden "Normalinvestitionen" im Ausmaß von etwa 160 Mio. Euro (2017: 147,5 Mio. Euro) sowie "Wachstumsinvestitionen" von rund 200 Mio. Euro (2017: 58,8 Mio. Euro) an. Das Geld fließt unter anderem in die Erhöhung von Produktionskapazitäten, also Werkserweiterungen - "das nimmt uns bereits die Hälfte der Investitionen weg", sagte Finanzchef Willy van Riet. So will Wienerberger etwa in Ungarn, Rumänien und Tschechien laut Scheuch "das positive Umfeld nutzend" ausbauen. In Osteuropa hatte Wienerberger im abgelaufenen Jahr "ein gutes Wachstum, vor allem im Wohnungsbau".

Auch Akquisitionen stehen auf dem Programm. Vergangenen Herbst kaufte Wienerberger beispielsweise in Österreich das Kärntner Hintermauerziegelwerk Brenner in St. Andrä (Bezirk Wolfsberg).

2017 verringerte sich das operative Ergebnis (EBIT) nach Wertminderungen bzw. -aufholungen von Vermögenswerten im Volumen von 9,2 Mio. Euro sowie Firmenwertabschreibungen in Höhe von 6,3 Mio. Euro gegenüber dem Jahr davor um 6 Prozent auf 178,7 Mio. Euro. Zum Anstieg der Verkaufserlöse um 5 Prozent auf erstmals in der Firmengeschichte über 3 Mrd. Euro trugen Preiserhöhungen um 2 Prozent, eine Mengensteigerung von 3 Prozent sowie Konsolidierungseffekte im Ausmaß von 1 Prozent bei. Gleichzeitig gab es währungsseitig "Gegenwind von Pfund Sterling, Dollar und türkischer Lira", was laut Finanzvorstand 1 Prozent des Umsatzes kostete.

Für das laufende Geschäftsjahr ist die Konzernführung zuversichtlich: "Wir werden eine klare Wachstumsgeschichte vorlegen", versicherte Scheuch. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich 2018 zwischen 450 und 470 Mio. Euro bewegen - 2017 wurde hier mit 415 Mio. Euro "der höchste Wert seit zehn Jahren" erreicht. Die Übernahmen, die Wienerberger 2017 verhandelt und abgeschlossen hat, würden "in der Zukunft 90 Mio. Euro Umsatzbeitrag und 16 Mio. Euro EBITDA-Beitrag liefern" - allerdings noch nicht voll ab heuer, denn einige davon haben noch kein grünes Licht von den Wettbewerbsbehörden. (APA)