Österreich

Wienerberger, der Brexit und die Türkei: "Wir schauen durch die Krisen hindurch!"

Bei der Präsentation der - übrigens beeindruckenden - Halbjahrsergebnisse sprach Wienerberger-CEO auch über die Troubles mit England und der Türkei.

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Der EU-Ausstieg der Briten rückt näher - Ende März 2019 ist es so weit. Die genaue Abwicklung ist nach wie vor unklar. Viele Wirtschaftstreibende sind verunsichert. Anders der Chef des weltweit größten Ziegelproduzenten Wienerberger, Heimo Scheuch: "Da wird es keinen 'hard Brexit' geben - da gibt es auf beiden Seiten vernünftige Leute genug", sagte er am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz.

"Ich bin überzeugt, dass es so etwas nicht geben wird", erteilte Scheuch einem No-Deal-Szenario eine Absage. Vielmehr glaubt er an ein vernünftig ausverhandeltes Austrittsabkommen mit der EU. Es gehe dabei ja auch um Tausende Arbeitsplätze.

Aber: "Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet", räumte er zugleich ein. Mit einem Anteil von rund 10 Prozent am Gesamtumsatz ist Großbritannien der größte Einzelmarkt von Wienerberger.

"Wir sehen in England nach wie vor ein großes Potenzial für die Wienerberger", bekräftigte der Konzernchef. Die Engländer hätten in den letzten Jahrzehnten zu wenig gebaut. "Der Markt ist ein Markt der Wohnungen braucht, wo die Regierung das lokale Bauen unterstützt", ergänzte Finanzvorstand Willy Van Riet. "Wir setzen auf klares Wachstum unserer Position in England, wir haben nachhaltig investiert und sind voll ausgelastet", so Scheuch.

Ebenfalls keine Kursänderung will Wienerberger auf dem politisch derzeit extrem turbulenten Markt Türkei vornehmen. "Wir sind dort im Kunststoffrohrbereich ein führender Anbieter für Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft - die Wienerberger schaut durch die Krise hindurch", sagte der CEO unter Verweis auf einen Entscheidungshorizont für seine Unternehmensstrategie von etwa zehn Jahren. "Die Türkei ist der perfekte 'Hub', um unser Bewässerungssystem in dem Raum auszurollen", ist Scheuch überzeugt. In der Türkei erzielt Wienerberger etwa ein bis zwei Prozent des Konzernumsatzes, der heuer im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um fünf Prozent auf 1,6 Mrd. Euro zulegte. Der Nettogewinn erhöhte sich um 28 Prozent auf 53,2 Mio. Euro.

"In den vergangenen Jahren haben wir sehr stark an Innovationen gearbeitet", betonte der Wienerberger-Chef. "Und die Maßnahmen greifen."

Für das Gesamtjahr bekräftigte der Wienerberger-Chef das Ergebnisziel von 450 bis 470 Mio. Euro bei dem - um Sondereffekte bereinigten - Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Im ersten Halbjahr 2018 belasteten besagte Einmaleffekte, die unter anderem aus Umstrukturierungskosten und Währungsverlusten resultierten, den Gewinn unter dem Strich mit 15 Mio. Euro.

Alleine die Belastung durch Währungsabwertungen - etwa bei US-Dollar, türkischer Lira und britischem Pfund - bezifferte Finanzchef Van Riet mit 35 Mio. Euro; andere Währungen wie der polnische Zloty und die tschechische Krone wiederum gewannen aber an Stärke. Die Umstrukturierung - vor allem in Österreich und Deutschland - kostete den Angaben zufolge 25 Mio. Euro. Der Verkauf von Vermögen spielte hingegen 9,3 Mio. Euro ein.

Im Zuge des Programms "Fast Forward 2020" werden bei Wienerberger 2018 bis 2020 sämtliche Unternehmensbereiche auf weitere Einsparmöglichkeiten hin durchleuchtet. Das jährliche "EBITDA-Potenzial" bezifferte Scheuch mit etwa 45 Mio. Euro; in Summe will er in besagtem Zeitraum "rund 120 Mio. Euro realisieren".

Parallel dazu werden 2018 bis 2020 nicht betriebsnotwendige Vermögen, also Werke und Immobilien, verkauft. "Wir werden daraus etwa 150 Mio. Euro lukrieren, die wir dann wieder investieren werden", kündigte Scheuch an. Alleine heuer will Wienerberger für die Übernahme margenstarker Unternehmen 200 Mio. Euro ausgeben. Zwischen Jänner und Juni erwarb der Konzern einen Ziegelproduzenten in den Niederlanden, einen Spezialrohrhersteller in Norwegen sowie ein Werk für Flächenbefestigungen in Rumänien.

Margenschwache Betriebe werden veräußert - heuer ging etwa die österreichische Pflastersteine Tochter Semmelrock mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 18 Mio. Euro an den deutschen Baustoffspezialisten Rohrdorfer. Wienerbergerwill sich beim Flächenbefestigungsgeschäft unter der Marke Semmelrock auf Osteuropa konzentrieren.

2020 erzielt der Ziegelriese voraussichtlich einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 600 Mio. Euro, so das erklärte Ziel. "Diesem 'Target' kommen wir immer näher", sagte Scheuch. "Wir gehen diesem Wachstumsziel mittelfristig mit großen Schritten entgegen." 2017 hatte sich das Gruppen-EBITDA auf 415 Mio. Euro belaufen. (APA)