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Wenn Sand in der Wüste zur Mangelware wird

Der Bauboom anlässlich der Fußball-WM 2022 im Wüstenstaat Katar verschlingt Unmengen von Sand.

Katar Politik International Dubai Beton Baustoffe

Das Emirat Katar ist Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft 2022.

Die Fußballweltmeisterschaft, die 2022 im Emirat Katar stattfindet, löst dort einen massiven Bauboom aus. Der Gastgeber Katar benötigt riesige Mengen an Beton und daher auch an Sand, um Stadien und Straßen zu errichten und Hotels zu renovieren. Wie der ORF in seiner Onlineausgabe berichtet, schluckt der Bauboom aber weitaus mehr Sand als im Emirat vorhanden ist und muss daher importiert werden. Doch sind die bilateralen Beziehungen mit jenen Ländern, die Katar bisher mit reichlich Sand belieferten, infolge des Handelsembargos gegen das Emirat im Sommer abgebrochen.

Zwar liegen Millionen Tonnen quasi gratis und griffbereit vor der eigenen Haustür. Doch eignet sich dieser kaum für die Betonproduktion. Dem Wind ausgesetzt, runden sich Sandkörner in der Wüste ab und verfestigen sich nicht als Baustoff – im Gegensatz zum rauen Sand aus dem Meer, der mit Zement zu Beton vermischt und zusammen mit Stahl verbaut wird.

Betonwand © Fotolia

Der in Katar vorhandene Sand ist für die Betonproduktion nahezu ungeeignet.

In den Sand gesetzt
Aus diesem Grund musste das Emirat 2016 trotz des Sandreichtums seiner Wüsten den Baurohstoff im Wert von 7,5 Millionen Dollar importieren.  Haupthandelspartner in Sachen Sandgeschäft war laut Daten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit etwa der Hälfte der Einfuhren vor allem Saudi-Arabien. 

Mittlerweile haben sich die Beziehungen zwischen den Staaten verschlechtert. Auch die im Juni von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten verhängte Verkehrs- und Handelsblockade gegen Katar erschwert die Sandeinfuhr. Wegen dieser Handelsblockade, so berichtet die in Dubai angesiedelte Nachrichtenagentur al-Arabija, muss Katar auf seine eigenen Sandreserven zurückgreifen, um die bis zu zwölf WM-Stadien bauen oder renovieren zu können, sowie die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Genaue Angaben darüber wie viel Sand im Emirat Katar selbst zur Verfügung steht, gibt es nicht. Einem Bericht zufolge verfügt das Land über Lagerbestände für ein Jahr, während andere Quellen darauf hindeuten, dass neue Handelsabkommen mit anderen Ländern notwendig sind.

Katar, Wüste, Baustoff © Pixabay

Mittlerweile ist Katar gezwungen auf seine eigenen Sandreserven zurückgreifen

Auf Sand gebaut
Als Folge der Sandkrise wurden bereits angekündigte Bauvorhaben verschoben oder werden angesichts des drohenden Mangels adaptiert. Ende November präsentierte der WM-Gastgeber beispielsweise Pläne eines neuartigen Stadions, das wegen seiner modularen Bauweise weniger Material benötigt als herkömmliche Arenen. Das mit 40.000 Sitzplätzen ausgestattete Ras-Abu-Abud-Stadion soll fast ausschließlich aus Schiffscontainern bestehen, die nach der WM abgebaut werden.

Sand wird aber auch für den Straßen- und Hotelbau benötigt. Oman oder China kämen als Importpartner für Sand in Frage. Auch Australien exportiert das für Katar so wichtige Baumaterial. Auch die Luxusmetropole Dubai greift für ihre Wolkenkratzer, Krankenhäuser und Einkaufszentren seit Jahren auf Sand aus Australien zurück. Das Burj Khalifa, das mit 830 Metern höchste Gebäude der Welt, ist sozusagen eine australische Sandburg.

Burj, Khalifa, Dubai © Flickr

Im Burj Khalifa wurden Unmengen an australischem Sand verbaut.

Der Haken für Katar: Der Import von Sand aus fernen Ländern verteuert die Bauarbeiten gewaltig und führt zu Verzögerungen beim Bau der für die Fußballweltmeisterschaft benötigten Infrastruktur.

Aber nicht nur Katar hat an dem wertvollen Rohstoff Interesse. Sand ist weltweit begehrt. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen beschreibt in dem 2014 veröffentlichten Bericht mit dem Titel „Sand - seltener, als man denkt“, dass der Abbau von Sand und Kies „die natürlichen Erneuerungsraten weit übersteigt“. Sand, erklären die Autoren, ist nach Wasser der meistgenutzte Rohstoff weltweit. (ORF.at/red)