Arbeitsrecht

"Undok" betreut illegale Arbeiter im Konfliktfall

Viele Arbeiter in Österreich haben keine Arbeitserlaubnis - manche heimischen Firmen nutzen das ohne jeden Skrupel aus. So wie bei einem Serben, der bei der Arbeit zwei Zehen verlor, aber ohne Rettung und auf eigene Kosten ins Spital musste. In solchen Fällen bietet "Undok" der Gewerkschaft und Arbeiterkammer Beratung.

Österreich

Nach massiver Ausbeutung durch seinen Arbeitgeber und einem schweren Arbeitsunfall, bei dem er zwei Zehen verlor, zog Herr R. vor das Arbeits- und Sozialgericht in Wien. Unterstützt wurde er dabei durch die Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung Undokumentiert Arbeitender (Undok) und die Arbeiterkammer Niederösterreich.

R. ist serbischer Staatsangehöriger und einer von 144 Undokumentierten Arbeitnehmern, die sich seit ihrer Eröffnung im Juni 2014 an die Undok-Anlaufstelle wandten. Die aktuelle Bilanz der Undok-Anlaufstelle zeigt den großen Bedarf an Beratung und Unterstützung von Arbeitnehmern ohne freien Arbeitsmarktzugang.

Eckdaten zur Beratungsstelle Undok

Der Undok-Verband ist eine Kooperation von Gewerkschaften (GBH, GPA-djp, PRO-GE, vida), des ÖGB, der Arbeiterkammer Wien, der ÖH Bundesvertretung, NGOs und weiteren Organisationen. Das Projekt wird vom Sozialministerium gefördert. Die Anlaufstelle hat ihren zentralen Sitz am
Johann-Böhm-Platz 1 in Wien.

Der konkrete Fall von R. aus Serbien

R. arbeitete einige Wochen für eine niederösterreichische Autohandelsfirma. Nach einem schweren Arbeitsunfall rief sein Arbeitgeber nicht die Rettung. Stattdessen beauftragte er einen anderen Arbeiter damit, R. umzuziehen und mit seinem Privatauto ins Krankenhaus zu bringen. Es sollte nicht wie ein Arbeitsunfall aussehen. "Ich stand unter Schock und blutete stark", erzählt R. "Erst später merkte ich, dass ich meine private Kleidung anhatte."

Aufgrund des Arbeitsunfalls mussten R. zwei Zehen amputiert werden. Weil R.nicht über seinen Auftraggeber krankenversichert war, erhielt er eine Spitalsrechnung von 43.000 Euro.

Schwerer Arbeitsunfall - Auftraggeber rief nicht die RettungNatürlich arbeitete R. auch gültige Arbeitspapiere. Sein Arbeitgeber hatte weder eine Beschäftigungsbewilligung beantragt noch Herrn R. bei der Sozialversicherung angemeldet. Auch einen Großteil seines Lohns blieb er ihm schuldig. R. wandte sich daraufhin an die Undok-Anlaufstelle. Rückwirkend musste der Arbeitgeber R. krankenversichern und die Spitalsrechnung wurde von der Gebietskrankenkasse übernommen. Außerdem konnte Herr R. arbeits- und sozialrechtliche Ansprüche von rund 14.500 Euro durchsetzen.Illegale Arbeit ist rücksichtslos und gefährlich"Die meisten Undokumentiert arbeitenden Menschen werden um ihren Lohn betrogen", berichtet Karin Jović, Beraterin der Undok-Anlaufstelle. "ArbeitgeberInnen halten sich nicht an kollektivvertragliche Mindestlöhne. Bei Arbeitsunfällen sind Undokumentiert Arbeitende nicht versichert - wie im Fall von Herrn R."Horst Pammer, Vorsitzender der Gewerkschaft vida Niederösterreich, sieht in Undokumentierter Arbeit auch ein gesamtgesellschaftliches Problem: "Undokumentierte Arbeit, Scheinselbstständigkeit, Lohn-und Sozialdumping schaden nicht nur den direkt Betroffenen sondern führen letztlich zu einer Schwächung der Position aller ArbeitnehmerInnen."Gleiche Rechte für alle Arbeitnehmer

Mario Bartl, Undok-Vorstandsmitglied und Bau-Holz-Gewerkschafter setzt auf gewerkschaftliches Handeln: "Ob mit oder ohne Papiere: Sozialversicherungsgesetze, Arbeitsrecht und kollektivvertragliche Mindeststandards gelten für alle ArbeitnehmerInnen. Als Gewerkschaften unterstützen wir alle dabei, nicht nur Recht zu haben, sondern auch zu ihrem Recht zu kommen."

(red)