Österreich

Strabag-Chef: Coronakrise ist beherrschbar

Thomas Birtel ist mit dem Hochlaufen der Baustellen zufrieden und sieht im Konzern "zum Glück minimale Infektionsraten".

Strabag Österreich Coronavirus Thomas Birtel

Österreichs größter Baukonzern Strabag war im Zuge der Coronavirus-Epidemie nur kurzzeitig lahmgelegt. "In Österreich fehlt uns schlicht ein Monat, von Mitte März bis Mitte April", sagte Konzernchef Thomas Birtel am Mittwoch im Gespräch mit der APA. "Der Einfluss der Coronakrise auf die Bauindustrie müsste im laufenden Jahr beherrschbar sein", so die Einschätzung des CEO.

Die Strabag selbst rechnet für 2020 mit einem Einbruch der konzernweiten Bauleistung um zehn Prozent auf 14,4 Mrd. Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war diese noch um 3 Prozent auf 16,6 Prozent gestiegen. "Unsere Auftragspipeline ist voll - das gibt uns diese Zuversicht für das laufende Jahr", betonte Birtel. Per Ende Dezember stapelten sich bei dem Unternehmen Orders im Volumen von 17,4 Mrd. Euro.

"Doch je längerer man in die Zukunft schaut, desto unsicherer ist es", räumte der Strabag-Chef mit Blick auf die weitere Entwicklung der Nachfrage etwa von Kunden aus der Automobilindustrie, im Hotel- und Einkaufszentrumsbereich ein. "Da sehen wir Zurückhaltung." Betreffend weiterer Aufträge aus dem Infrastruktursektor ist er aber zuversichtlich. "Wir glauben auch, dass der Wohnbau weiter intakt bleibt", erwartet der CEO. Wer Liquidität anlegen müsse, werde auch anlegen wollen. "Da ist der Liquiditätsdruck auf Anlagen, sodass Rückgänge in manchen Bereichen durch Zuwächse in anderen aufgefangen werden."

"Die Dynamik, die die Coronakrise in Europa angenommen hat, hat mich persönlich schon überrascht", erinnerte sich Birtel. "Insofern bin ich froh, dass wir gut damit umgehen konnten." Jetzt laufen alle Baustellen wieder. Zum Start der Corona-Krise war es zu einem kompletten Shutdown gekommen. Die Bauarbeiter aus dem Ausland dürfen nun auch wieder ins Land. "Für die ausländischen Mitarbeiter haben die Pendlerregelungen gegriffen", so der Konzernchef.

Zu Beginn der Krise hatte die Strabag ihre 11.000 Mitarbeiter in Österreich per 1. März bis 31. Mai zur Kurzarbeit angemeldet, in Deutschland sind es den Angaben zufolge 29.000 Anmeldungen. "De facto ist nur ein Bruchteil in Kurzarbeit", strich Birtel hervor. In Deutschland seien es 1.500, in Österreich dürften es auch so um die 5 Prozent sein. "Das liegt daran, dass wir in Österreich tatsächlich alle Baustellen wieder am Laufen haben", erklärte der CEO. Die Anmeldungen zur Kurzarbeit seien zu einem Zeitpunkt erfolgt, da alle Baustellen eingestellt werden mussten, also Mitte März. "Das werden wir nur in einem ganz geringen Ausmaß tatsächlich in Anspruch nehmen, bei der einen oder anderen Baustelle."

Die Strabag betreibt ständig rund 11.500 Baustellen konzernweit, knapp 2.000 davon in Österreich. Zu den etwa 11.000 Mitarbeitern im Inland addieren sich rund weitere 25 Prozent aus dem umliegenden Ausland, die für die Strabag über Subunternehmen tätig sind. Das Hochlaufen der Baustellen habe "gut funktioniert", es gebe lediglich "nicht nennenswerte Störungen in der Lieferkette".

Für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten galten in den einzelnen Ländern unterschiedliche Vorschriften. "Wir haben uns dann dazu entschlossen, länderbezogen zu managen - wir haben die Krisenstäbe länderweise eingerichtet, die nach wie vor tagen, anfangs täglich", berichtete Birtel. "Wir haben minimale Infektionsraten im Konzern und die Zahlen senken sich kontinuierlich - und zum Glück kenne ich auch keinen Todesfall."

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde "entscheidend davon abhängen, ob die Lockerungen der von der Regierung verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie greifen". Es dürfe auch zu keinem erneuten Hochschnellen der Infektionsraten kommen. "Wenn sich ein 'Singapur-Effekt' vermeiden lässt, bin ich zuversichtlich, dass sich die Dinge besser darstellen, als das heute kolportiert wird", sagte Birtel. (APA)