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Steuerberater für radikale Reform des Steuersystems

Kammer der Wirtschaftstreuhänder wünscht sich weniger und einfachere Steuern

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Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Interessensvertretung der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, erwartet von der nächsten Regierung eine radikale Reform des Steuersystems. Neben Steuersenkungen, die man über Sparen bei Arbeitsmarkt und Pensionen finanzieren würde, pocht die Kammer auf ein deutlich einfacheres Steuerwesen. An der Pflichtmitgliedschaft will Präsident Klaus Hübner festhalten.

Hübner kritisiert, dass eine Vereinfachung des Steuersystems zwar in 24 Regierungserklärungen seit 1949 angekündigt, aber nicht umgesetzt worden sei. "Die neue Bundesregierung lässt auf einen diesbezüglichen Neustart hoffen", sagte der Steuerberater bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Hübner pocht insbesondere auf eine Senkung der Abgabenquote unter 40 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dafür brauche es eine "Manövriermasse" in Form von Einsparungen, sagte Hübner - und nannte als Möglichkeiten dafür etwa die Bereiche Arbeitsmarkt und Pensionen, weil die Kosten dort besonders stark ansteigen würden.

Verena Trenkwalder, Steuerexpertin der Kammer, plädierte zusätzlich für eine radikale Vereinfachung des Steuerwesens. Als Mitautor des diesbezüglichen Forderungspapiers der Kammer scheint auch Bernhard Gröhs von Deloitte auf, der für die ÖVP das Steuerkapitel mitverhandelt.

Trenkwalder kritisiert, dass Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge und sonstige Lohnnebenkosten derzeit unterschiedlich berechnet werden. Sie wünscht sich daher eine einheitliche Bemessungsgrundlage und eine einheitliche Dienstgeberabgabe die auch von ein und derselben Stelle - nämlich dem Finanzamt - eingehoben werden soll. Auch die aktuell 22 Sozialversicherungen würde sie zusammenlegen. Werbeabgabe, Wiener U-Bahn-Steuer und Vertragsgebühren würde sie am liebsten streichen und spricht von "Bagatellsteuern", die allerdings 500 Millionen Euro jährlich bringen.

Die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern würde Hübner aus der Verfassung streichen, sie aber (einfachgesetzlich) beibehalten. Natürlich gehe die Welt ohne Pflichtmitgliedschaft nicht zugrunde. Die von der Kammer erledigten Aufgaben - Disziplinarwesen, Berufszulassung und Prüfungen - müssten in dem Fall aber vom Staat erledigt werden und das wäre teurer, glaubt Hübner. Außerdem geht er davon aus, dass sich bei einer Urabstimmung 70 bis 80 Prozent der Mitglieder für das jetzige System aussprechen würden. (APA)