Autobahnbau

Rumänien storniert Autobahn-Auftrag an US-Konzern Bechtel

Das rumänische Verkehrsministerium hat den Vertrag mit dem US-amerikanischen Baukonzern "Bechtel" über den Bau der Transilvania-Autobahn aufgekündigt, gab Verkehrsministerin Anca Boagiu bekannt. Bechtel werde auf die vertraglich vereinbarte Entschädigung in Millionenhöhe verzichten.

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Bechtel wird zwei bereits begonnene Teilstrecken mit einer Gesamtlänge von 118 Kilometern fertigstellen, akzeptiert jedoch eine Preisreduktion auf 6,9 Mio. Euro pro Kilometer - rund die Hälfte des derzeitigen durchschnittlichen Kilometerpreises. An der Neuverhandlung des Vertrages waren Vertreter der US-Botschaft und Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu beteiligt gewesen. In der rumänischen Presse wurde der 2004 vergebene Autobahn-Bauauftrag an Bechtel als "schlechtester Vertrag in der postkommunistischen Geschichte Rumäniens" kritisiert. Der Vertrag sah ursprünglich Gesamtkosten von 2,2 Mrd. Euro vor. Obwohl bisher erst 54 Kilometer fertiggestellt sind, belaufen sich die Kosten bereits auf 1,25 Mrd. Euro. Die Kilometerkosten erreichten Rekordwerte von bis zu 30 Mio. Euro, wobei der durchschnittliche Autobahnkilometer in Rumänien rund 7 Mio. Euro kostet.

Die Bauarbeiten wurden mehrmals unterbrochen, weil Rumänien die Auszahlungen verzögerte. Dadurch verlängerte sich die Bauzeit um ein Jahr bis 2013. Bechtels noch offene Forderungen in Höhe von 90 Mio. Euro sollen bis Jahresende beglichen werden. Durch die nun erfolgte Auflösung des Vertrages erspare sich der rumänische Staat 6 Mrd. Euro, wird Verkehrsministerin Boagiu zitiert. Die Kosten für die noch zu bauenden Teilstrecken schätzt das Verkehrsministerium auf 7,3 Mio. Euro pro Kilometer. Die Gesamtkosten der Transilvania-Autobahn würden sich somit auf 3,8 Mrd. Euro belaufen. "Bechtel hat verstanden, dass auch Rumänien ein europäisches Land ist, in dem man nicht tun kann, was man will", sagte Boagiu. Das Unternehmen habe zur Kenntnis genommen, dass seine Chancen auf weitere Aufträge in Rumänien ohne diese Einsicht "minimal" wären.

Die Transilvania-Autobahn soll künftig auf einer Gesamtlänge von 415 Kilometern Brasov (Kronstadt) in Zentralrumänien über Sighisoara (Schäßburg) und Cluj (Klausenburg) mit Oradea (Großwardein) und Bors an der ungarischen Grenze verbinden.