Zu teuer?

Das Passivhaus polarisiert Bauexperten

Auf den Punkt gebracht sind somit Bauwirtschaft, Politik und Medien gefordert, das Bewusstsein zu schärfen und Aufklärungsarbeit zu leisten - sonst bringt die beste Passivhaus-Technik nichts und es werden lediglich falsche Erwartungshaltungen geschürt.

Österreich
Straßenmeisterei Seekirchen

„Die Energie, die man hineinstecken muss, um aus einem Niedrigenergiehaus ein Passivhaus zu machen, muss einen Sinn ergeben", sagt Hubert Rhomberg, CEO der Rhomberg Gruppe. Denn oft müssen für das Ausschöpfen der letzten 10 % des Energieeinsparungspotenzials neben finanziellen Mehrkosten so viele Ressourcen aufgewendet werden, dass der ökologische Rucksack, den wir uns dadurch aufladen würden, in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht."

„Das Passivhaus ist ein Nearly Zero Energy Building", haben bei der Expertenbefragung „Zukunft Bauen" der Unternehmensberatung Mag. Siegfried Wirth mehr als 60 % der befragten Bauexperten bestätigt. Fast so viele meinen aber auch: „Die EU-Gebäuderichtlinie kann auch durch Gebäudekonzepte erfüllt werden, die ohne Komfortlüftung auskommen." Und mehr als zwei Drittel sagen: „Das Passivhaus-Konzept muss angepasst werden, weil der Bedarf an Frischluft und Wärme nicht immer gleich groß ist".

Meinung gegen Meinung stand bei der Aussage „Das Passivhaus ist zu teuer, leistbares Wohnen ist damit nicht möglich" ebenso wie beim Hinweis „Das Passivhaus funktioniert nur beim Neubau - für Sanierungen ist das Konzept nicht geeignet". Während bei den Bauexperten Zustimmung und Ablehnung bei beiden Statements etwa gleich groß waren, sind die Konsumenten ausgesprochen skeptisch. Bei mehreren Messen registrierte Monika Döll von Saint-Gobain Isover Austria bei möglichen Sanierungsambitionen vor allem (63,5 %) starke Unentschlossenheit hinsichtlich des Energiestandards. 18,6 % wollen im Mindeststandard sanieren, 15,5 % auf Niedrigenergiehaus aufbessern und nur 2,4 % trauen sich Passivhaus-Standard zu. Döll zieht daraus den Schluss, dass „die meisten Menschen immer noch denken, dass Passivhaus-Standard in der Sanierung nicht erreichbar wäre. Wir müssen also erfolgreiche Projekte viel stärker bekannt machen. Wenn die Bauherren Beispiele sehen, wird sie das überzeugen."

Ein solches Projekt holte sich vor kurzem den Energy Efficiency Award. Ziel des Demonstrationsprojekts Wißgrillgasse 10 in Wien war eine hochwertige energetische Sanierung. Thermische Solaranlagen, Fotovoltaik, Dachbegrünung und einiges mehr machen das Projekt zu einem „Gründerzeithaus mit Zukunft", wobei von der Fachjury vor allem der Dachgeschoßausbau in Passivhausqualität akklamiert wurde. Dank Vollwärmeschutz am gesamten Gebäude und den Austausch sämtlicher Fenster und Türen konnte der Heizungsenergiebedarf um beachtliche 81 % und der CO2-Austoß um 155,21 T/Jahr gesenkt werden.

Im Gewerbebereich entdeckte SOLID als aktuelles Vorzeigeprojekt die neue Straßenmeisterei Seekirchen. Beim Architekturwettbewerb hatte sich das Team von LP architektur rund um Geschäftsführer Thomas Lechner mit einer ausgeklügelten Beton-Holz-Mischbauweise für die Büro- und Sozialräume für rund vier Dutzend Mitarbeiter, Werkstätten, Garagen, Lager und Salzlagerhalle mit Soleerzeugung auf einer Nutzfläche von 4600 m2 durchgesetzt. Um die maximale Energieeffizienz der Straßenmeisterei zu meistern, kamen an den Kelleraußenwänden und unter der Bodenplatte innovative Dämmplatten von Steinbacher zum Einsatz. „In Kombination mit dem zukunftsweisenden Energiekonzept stellt das Projekt einen Wegweiser für nachhaltiges Bauen im Bereich der Gewerbebauten dar", meint Peter Sittsam von der Landesbaudirektion Salzburg. (pj)