Österreich

Porr: 2018 Rekorde bei Leistung, Aufträgen

Österreichs zweitgrößter Baukonzern Porr kann sich über eine Vollauslastung beinahe aller Kapazitäten freuen.

Porr Österreich Bilanz Karl-Heinz Strauss

Bei der BIlanz-PK zeigte Porr-CEO Karl-Heinz Strauss die Gelbe Karte - auf der allerdings die 5 Prinzipien der Porr quasi als Schummelzettel stehen.

Österreichs zweitgrößter Baukonzern Porr freut sich über hohe Auslastung. 2019 und 2020 stelle man aber jedenfalls Ertrag vor Umsatzwachstum, betonte Generaldirektor Karl-Heinz Strauss am Montag im Bilanzpressegespräch. Voriges Jahr markierten Bauleistung und Auftragsstand neue Rekorde. Der börsennotierte Bauriese zählt mittlerweile fast 20.000 Mitarbeiter.

In den Kernmärkten seien Bauindustrie und Baugewerbe "sehr ausgelastet", die Nachfrage dort sei ungebrochen, so Strauss. Überhitzt sei der Sektor in Polen: Dort kämen viele Projekte gleichzeitig auf den Markt, weil jeder die Kofinanzierungen des EU-Kohäsionsfonds ausnutzen wolle. Deutschland habe allgemein ein Kapazitätsproblem, weil der Markt von kleinen und mittleren Playern geprägt sei.

Das Marktumfeld sei "herausfordernd", so Porr im Ausblick - wegen des Fachkräftemangels, der Engpässe bei Subunternehmern sowie steigenden Baupreisen und Lohnkosten. Vor allem in Polen habe sich dieser Trend 2018 verstärkt, dessen Ende vorerst noch nicht absehbar sei. In dem Land gebe es zudem eine Knappheit an Baumaterial. Porr selbst nehme in Polen nur mehr sehr gut kalkulierte Projekte herein.

Preisanstiege seien auch für die Porr als Baukonzern nicht immer gut, verwies Strauss etwa auf Kritik heimischer Wohnbauträger, die sich generell wiederholt über einen starken Kostenschub und Verzögerungen bei Bauprojekten beklagen. Der Porr-Chef rechnete vor, dass Bauindustrie und -gewerbe im Zeitraum 2011/12 bis 2018 den Großteil der Kostensteigerungen selbst "geschluckt" hätten: Die Kosten seien in der Zeit um fast 30 Prozent gestiegen, den Firmen weitergegeben habe man aber nur 13 Prozent, 17 Prozent selbst aufgefangen. In Deutschland, wo Porr 2018 beim EBT wieder in die Gewinnzone gekommen ist, sieht Strauss diese Entwicklung als nachhaltig an; nahezu alle Bereiche seien positiv, auch der Hochbau. Für 2019 rechne man im Nachbarland mit einem deutlich besseren Ergebnis als 2018.

Bei der Bauleistung erreichte Porr 2018 zum dritten Mal in Folge ein zweistelliges Plus, sie stieg um 18,0 Prozent auf 5,59 Mrd. Euro - ein neuer Rekordwert. Deutliche Anstiege verzeichneten hier hauptsächlich der Industrie- und Ingenieurbau sowie internationale Infrastrukturprojekte. Heuer soll die Produktionsleistung über dem Vorjahr liegen. Der Auftragsstand erreichte ein All-Time-High, er wuchs 11,5 Prozent auf 7,10 Mrd. Euro. Neben vielen Hochbauvorhaben habe man vor allem neue Infrastruktur-Großprojekte akquiriert.

Gemessen an der Leistung war der Heimmarkt Österreich, an dem sich Porr als Nummer 1 sieht, mit 2,3 Mrd. Euro oder 42 Prozent Anteil weiterhin klar der größte der Porr-Märkte, wie Finanzvorstand Andreas Sauer sagte - gefolgt von Deutschland mit 1,5 Mrd. Euro (27 Prozent) sowie Polen (12 Prozent) und dann der Schweiz (4 Prozent) und Tschechien (3,6 Prozent). Beim Nachbarn Deutschland sei man, je nach Betrachtung, die Nummer 4 oder 5, sagte Straus. Rumänien und Slowakei könnten 2020 oder 2021 zu Kernmärkten aufrücken. Anders bei Norwegen: Dort plane man aus heutiger Sicht nicht, ins Flächengeschäft zu gehen, das Projektgeschäft sei aber nachhaltig.

In UK beobachte man, was mit dem "Brexit" sei, so der CEO. Man habe dort ein Projekt, das laufe gut, und man beobachte zwei weitere Projekte. Wie Norwegen und UK seien auch Katar und Dubai stabile Projektmärkte, sagte Strauss. In Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) bleibe Porr weiter engagiert und evaluiere vorsichtig aufkommende Marktpotenziale. In der Übergabe steht in Katar das Al-Wakrah-Stadion - Austragungsort der Fußball-WM 2022 -, am 16. Mai finde das Stadion-Eröffnungsspiel statt. Davor zeichnete Porr in Katar für den Bau der fast 17 km langen "Green Line" des U-Bahn-Systems von Doha verantwortlich. In Dubai realisiert Porr für die Stadt das "Deep Tunnel Storm Water System", eine mehr als 10 km lange Tunnelkonstruktion, die Grund- und Niederschlagswasser in Richtung eines Pumpwerks am Meer leiten soll. Nach der bis zur Expo 2020 geplanten Fertigstellung werden rund 40 Prozent des Stadtgebiets von Dubai über dieses System entwässert. Mit dem Projekt schaffte Porr den Markteintritt in VAE.

Seine Geschäftsfeld-Aufteilung hat Porr mit Jahresbeginn neu aufgestellt, also verschlankt. Bildeten früher Österreich/Schweiz/Tschechien sowie Deutschland, Internationales und Umwelt die vier Business-Units, sind es jetzt drei: 1 Österreich/Schweiz/Umwelttechnik, 2 Deutschland, 3 Polen&Norwegen/Tschechien&Slowakei/Tunnelbau/Katar&VAE/Rumänien/UK.

Beim Ergebnis vor Steuern (EBT) erreichte Porr 2018 mit plus 3,3 Prozent auf 88,1 (85,3) Mio. Euro das bisher zweitbeste Ergebnis. Der Jahresüberschuss lag mit 66,2 (63,7) Mio. Euro 3,9 Prozent höher - je Aktie bei 2,17 (2,09) Euro. Als Dividende sind erneut 1,10 Euro je Aktie geplant. Trotz zweistelligen Wachstums stieg die Nettoverschuldung - 150 (147) Mio. Euro - kaum. Das Eigenkapital wuchs im Jahresabstand auf 618 (597) Mio. Euro, die Eigenkapitalquote betrug 19,9 (20,7) Prozent. Ende 2018 gab es 320 Mio. Euro liquide Mittel.

Der Mitarbeiterstand erhöhte sich - vor allem akquisitionsbedingt - um 7,3 Prozent auf 19.014 (17.719). (APA)