SOLID 05/2018

"Ökobewegt wäre zu viel gesagt"

Wir sprachen mit dem neuen Wienerberger Ziegel-Geschäftsführer Mike Bucher über seine Business-Strategie, Wiener Schnitzel und mehr.

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Wienerberger SOLID 05/2018 Österreich Interview Mike Bucher

SOLID: Sie sind jetzt noch nicht einmal hundert Tage im Amt und durften für Wienerberger Österreich schon die Auszeichnung Superbrand Austria und Business Superbrand Austria entgegennehmen. Wie fühlt sich das an?

Mike Bucher: Sehr schön - und besonders toll ist, dass es beide sind. Das kommt bei dieser Auszeichnung sehr selten vor. Der Businesspreis wird über eine Jury vergeben und die andere Auszeichnung ist Ergebnis einer Befragung über die GfK, bei der  Endkonsumenten ihre Lieblingsmarken bewerten.

Sie sprechen nicht wie jemand, der erst knapp zwei Monate hier ist und waren auch sehr schnell bereit für ein ausführliches Gespräch jenseits üblicher Antrittsfloskeln. Was hat Sie in diese Position bei Wienerberger geführt?

Bucher: Nachdem sich bei dem langjährigen Wienerberger-Geschäftsführer Christian Weinhapl eine internationale Karrierechance innerhalb des Wienerberger-Konzerns aufgetan hat, gab es im November des letzten Jahres gab es den ersten Kontakt mit Heimo Scheuch und nach intensiven Gesprächen habe ich am Tag vor Weihnachten meinen Vertrag unterschrieben. Ich lebe und arbeite seit acht Jahren in Österreich und kenne die Baubranche hierzulande sogar noch länger. Somit ist mir der Einstieg bei Wienerberger sicher leichter gefallen als einem Branchenfremden. Ich bin gerade dabei mich relativ schnell einzufinden.

Welchen Auftrag haben Sie konkret von Heimo Scheuch? Weitermachen wie bisher wird es nicht sein.

Bucher: Richtig. Der Auftrag ist, den Markt Österreich weiter zu entwickeln. Wir haben mit der Akquise von Tondach und Brenner viel investiert. Gleichzeitig wurden zwei Werke geschlossen, wobei dem einen Werk in Kürze der Rohstoff ausgegangen wäre und im anderen Klinkerprodukte hergestellt wurden, die in Österreich immer weniger nachgefragt werden.

Wir setzen jetzt ein ganz klares Markenkonzept mit Porotherm für die Wand und Tondach für das Dach auf. Flankiert wird diese Architektur von der Zweitmarke Brenner für die Wand. Alle anderen Marken werden wir im heurigen Jahr auslaufen lassen.

Warum bleibt Brenner als Marke erhalten? Wegen der lokalen Bekanntheit?

Bucher: Das ist mit ein Grund. Darüber hinaus haben wir mit einer Zwei-Marken-Strategie strategische Vorteile. Im Sortiment wird es natürlich leichte Unterschiede vor allem im High-End-Bereich geben, aber wir werden die bisherigen Brenner-Kunden auch weiterhin gut betreuen.

Wie ist es dann mit den Vertriebswegen?

Bucher: Die sind und bleiben die gleichen. Wir sind da treu und machen alles über den Baustoffhandel.

Wenn man sich die Konjunkturdaten 2017 etwas genauer ansieht, schaut es sowohl für Ziegel als auch für Dach nicht besonders rosig aus. Beide bewegen sich gegen den positiven Trend, soll heißen: haben Einbußen zu vermelden. Was heißt das für Sie?

Bucher: Das ist grundsätzlich so, ja. Wenn man sich die Ziegeldaten genauer ansieht, haben wir aber in der aufgehenden Wand für 2018 und 2019 eine gute Prognose, auch wenn das erste Quartal wie bei allen Herstellern in der Baubranche nicht gut war -  das ist kein Geheimnis. Beim Dach sehen wir seit ungefähr fünf Jahren, dass schlicht und ergreifend die Entwicklung im Bereich Sanierung fehlt und sich andere Dachformen wie das Flachdach weiter zunehmen. Deshalb geht das in verschiedene Richtungen. Für Dachziegel gehe ich von einer eher stagnierenden Entwicklung aus, dafür glauben wir, dass wir bei der Wand heuer zwei bis drei Prozentpunkte mehr sehen werden.

Wir müssen schauen, wie wir das gut jonglieren.

Ist der Markt dabei eher der klassische Häuslbauer oder der gewerbliche Bau?

Bucher: Beides. Ich finde die Abgrenzung schwierig. Mehrere Etagen mit Ziegel zu mauern ist ja kein Problem und das sehen wir auch häufig - aber man muss rechtzeitig planen, dass man es so machen möchte. Dementsprechend müssen wir auch früher dran sein und haben auch unser Vertriebssystem schon in diese Richtung geändert. Wir haben jetzt sieben Mitarbeiter, die sich österreichweit um nichts Anderes als Objekte, Planung, Baugenossenschaften etc. kümmern.

Da sollte Ihnen ja grundsätzlich das Thema Digitalisierung in die Hände spielen, denn da geht es ja um frühe Planung?

Bucher: Das ist auch einer der Aufträge, die mir mitgegeben wurden. Wir wollen in diesem Bereich Themenführer werden und werden uns in den kommenden ein bis zwei Jahren entsprechend bewegen.

Das meiste, was ich bisher von Wienerberger in dem Bereich gehört habe, hatte allerdings mit Dach, Drohnen etc. zu tun.

Bucher: Bis jetzt ja, aber die Wand wird ein mindestens genau so großes Thema.

Wie stehen Sie in dem Zusammenhang zum Thema teilweiser Vorfertigung?

Bucher: Prinzipiell ist das natürlich interessant. Das Thema ist ja nicht neu und daher ist die Frage: Warum hat es sich bisher nicht besser entwickelt? Die Frage ist ja nicht nur eine technische, sondern auch die des Geschäftsmodells dahinter. Und darauf habe ich noch keine Antwort. Dazu muss ich den Markt und seine Spezialitäten erst noch besser kennenlernen.

Wie sieht Ihre Familie aus?

Bucher: Ich bin verheiratet und habe zwei Mädchen mit 13 und 11 Jahren mit denen ich in Niederösterreich lebe.

Was ist Ihnen sonst noch im beruflichen Leben wichtig?

Bucher: Ich hatte bisher an allen meinen beruflichen Stationen in der Baubranche zum Glück mit Produkten zu tun, die nachhaltig waren und sind. Mir ist es schon wichtig voll und ganz hinter einem Produkt und dessen Funktion stehen zu können. Es muss einen Sinn ergeben.

Das heißt, Sie sind ein bisschen ökobewegt?

Bucher: Ökobewegt wäre zu viel gesagt, aber spätestens wenn man Kinder hat, fängt man an, anders zu denken. Ich selber habe mich vor der Geburt meiner Kinder auch schon nicht allzu schlecht ernährt - aber wenn man Kinder hat, überlegt man schon zwei Mal, was da so auf den Tisch kommt. Deshalb muss noch nicht alles super öko und bio sein.

So sehe ich das auch beim Bauen. Die meisten Menschen überlegen mit welchen Produkten Sie sich umgeben und welche Auswirkungen diese auf sie haben.

Kochen Sie selber?

Bucher: Nicht übermäßig oft und gut, aber manchmal am Wochenende darf ich. Und so lange Frau und Kinder sagen, dass ich wieder mal kochen darf, passt das für mich. Ich bin eher der Griller. Da schwingt dann beim Feedback auch etwas mehr Begeisterung mit.

Was essen Sie gern?

Bucher: Mein Lieblingsgericht ist schon von Kindesbeinen an ganz klassisch das Wiener Schnitzel. Beim Essen bin ich ganz pflegeleicht. Am wichtigsten ist aber Schokolade – aus der Schweiz.