Preview SOLID 03/2021

Die DIN-Studie: Zwei Drittel sehen Zusammenhänge

Von
SOLID 03/2021 Normen Österreich Austrian Standards Stefan Wagmeister

Die Auswertung der Antworten in der DIN-Studie „Normung – ein Faktor zur Eindämmung von Fehlerkosten“ von 104 Bausachverständigen zeigt eindeutige Ergebnisse. Mit 63% (Median aller 104 Antworten) wird die Ursache für den jeweiligen Bauschaden darin gesehen, dass Normen nicht bzw. nicht korrekt angewendet werden.
Zusätzlich sind 74% der Befragten der Meinung, dass die Anwendung von Normen grundsätzlich die Vermeidung von Bauschadenfällen unterstützt. 5% der Befragten lehnen diese Aussage grundsätzlich ab. 
19% liefern differenzierte Antworten auf diese Fragestellung. Sie sehen vor allem die nachfolgenden Punkte kritisch, auch wenn sie Normen zur Vermeidung von Bauschadenfällen nicht grundsätzlich ablehnen:

  • Normung sei kein „Allheilmittel“, sondern erfordere immer fachlich kompetente Einzelfallbetrachtungen.
  • Normung sei teilweise veraltet bzw. bilde nicht den Stand der Technik ab.
  • Normungsarbeit sei teilweise von bestimmten Interessengruppen getrieben.
  • Normung bilde großenteils die Gesamtzusammenhänge eines Bauprojektes nicht ab.

Anhand der Daten lässt sich zusätzlich ablesen, dass die Bausachverständigen im Mittel der Meinung sind, dass durch eine konsequente Einhaltung von Normen die Fehlerkosten von 11% auf 5% fallen würden. Dabei stützt sich die Angabe von 11% auf die IFB-Studie.

Diese 11% würden bei einem jährlichen Bauvolumen von € 400 Mrd. (in 2018) Fehlerkosten von jährlich rund € 44 Mrd. nach sich ziehen, die sich folglich auf jährlich rund € 20 Mrd. reduzieren ließen. Für den Fall, dass nicht normkonform geplant oder ausgeführt würde, sehen die Bausachverständigen einen Anstieg der Fehlerkosten auf im Mittel 30%, was einer Kostensteigerung von jährlich rund € 96 Mrd. entspricht. Einige Bausachverständige liefern differenzierte Antworten oder stehen der Normung kritisch gegenüber. Eine geringe Anzahl sieht beispielsweise bei der Frage „Welchen Wert würde der Anteil der jährlichen Fehlerkosten im Bauwesen in Deutschland (derzeit ca. 11%) erreichen, wenn immer normkonform geplant und ausgeführt würde?“ eine Steigerung des angegebenen Prozentsatzes und damit eine Erhöhung der Fehlerkosten.
Abschließend kann somit festgestellt werden, dass die befragten Bausachverständigen einerseits einen Großteil der heutigen Fehlerkosten auf die Nichteinhaltung von Normen zurückführen. Andererseits zeigt die vorliegende Studie, dass nach Meinung der Bausachverständigen durch eine konsequente Einhaltung von Normen die Fehlerkosten maßgeblich gesenkt werden können.